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Pornostar auf Striptour Ein Abend mit Stormy Daniels, die behauptet, sie habe mit Trump geschlafen

Donald Trumps Stormy Daniels
Stormy Daniels wird bald 40. Das Pornobusiness ist kein Geschäft, in dem es sich leicht alt werden lässt.
© Damairs Carter/MediaPunch / Picture Alliance
Stormy Daniels, Pornodarstellerin aus Texas, will Sex mit Donald Trump gehabt haben und vermarktet sich clever. Eine Begegnung in Las Vegas.

Es ist Freitagnacht in einem Stripclub in Las Vegas, und man könnte denken, es gebe schlimmere Orte auf der Welt. Aber die ganzen Schattierungen menschlicher Tristesse offenbaren sich nur dem, der wirklich hier ist und all die geiernden, traurigen, geilen Typen sieht, die mit einem Red Bull Tropical in der Hand vor einer dieser zwei Bühnen sitzen, auf der Frauen wie freudige Hunde mit ihren Hintern wackeln, in die Männer Dollarscheine reinschieben, als seien sie lebende Sparschweine.

Das "Little Darlings" an der Western Avenue ist voll in dieser Nacht, voller als gewöhnlich. Etwa 300 Männer sind gekommen, haben 40 Dollar Eintritt bezahlt und verzichten auf Alkohol, um die Frauen nicht nur oben ohne, sondern ganz nackt zu sehen. In Nevada darf per Gesetz kein Alkohol in "Full nudity"-Clubs ausgeschenkt werden.

Trump war zum Zeitpunkt der angeblichen Liaison mit Melania verheiratet

Eine der Frauen, die an diesem Abend die Bühne des "Little Darlings" betritt, ist Stormy Daniels. Ihr Name steht auf den Leuchtreklamen, die wie Hochsitze über die Wüste von Sin City ragen. "See The Mistress Live", steht dort. Seht - Die Geliebte. Daniels heißt mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford. Sie ist 38, lebt in Texas und ist Pornodarstellerin. Sie spielte in Filmen mit, die Titel tragen wie: "Hell on High Heels", "Space Nuts" und "Sex, Lies & Spies". Berühmtheit außerhalb der Pornowelt erlangte sie durch etwas anderes.

2006 sollen der Präsident, der damals noch keiner war, und der Pornostar sich bei einem Golfturnier begegnet sein. Dort soll Donald Trump Gefallen an Daniels gefunden haben, der so groß war, dass er sie auf sein Hotelzimmer einlud und im Pyjama zum alkoholfreien Abendessen empfing. Danach soll der Immobilienmogul mit ihr Sex gehabt haben, der ihrer Version nach wenig spannend war. Dennoch soll das der Beginn einer Affäre gewesen sein, die etwa ein Jahr andauerte. Trump habe ihr versprochen, sie in einem seiner Fernsehformate unterzubringen, und gebeten, ihn beim Sex mit jener Ausgabe des "Forbes"-Magazins zu schlagen, auf dem er selbst auf dem Cover zu sehen war, sagte Daniels. Bei einem ihrer letzten Treffen soll Trump eröffnet haben, dass das mit dem Fernsehen doch nichts werde. Was Daniels veranlasst haben soll, die Affäre zu beenden.

Der Stripclub "Little Darlings" in Las Vegas wirbt weithin sichtbar mit Prominenz und Patriotismus
Der Stripclub "Little Darlings" in Las Vegas wirbt weithin sichtbar mit Prominenz und Patriotismus
© Tomas Muscionico/stern

Das erzählte Daniels bereits 2011 in einem Interview mit dem Klatschblatt "In Touch", welches erst dieses Jahr veröffentlicht wurde. Was nicht so schlimm gewesen wäre, wenn nicht auch noch das renommierte "Wall Street Journal" Belege dafür gefunden haben will, dass Trumps Anwalt Michael Cohen kurz vor dem Präsidentschaftswahlkampf 130 000 Dollar an den Pornostar überwiesen hat. Damit Daniels schweige. Derselbe Anwalt bestritt im Namen seines Klienten, dass dieser je eine Affäre mit Daniels gehabt habe. Trump war zum Zeitpunkt der angeblichen Liaison seit einem Jahr mit Melania verheiratet, ihr gemeinsamer Sohn Barron ein paar Monate alt.

Trump, bekannt als Pussy-Grapscher, ist bislang nicht viel peinlich gewesen während seiner Präsidentschaft. Aber Stormy Daniels ist der erste Fall, der auch Melania und seiner Ehe zuzusetzen scheint.

Seit Kurzem ist Daniels mit ihrer Affäre auf Tour. Sie lebt die Art von American Dream, die man nur in Trumps Amerika leben kann. Ihre Tour trägt den Namen "Make America Horny Again"; lasst unser  Land wieder geil machen. Las Vegas ist ihr zweiter Stop nach South Carolina. Danach wird sie drei Tage in Oklahoma zu sehen sein, 65 Prozent wählten dort den Mann mit den pommesgelben Haaren. Ihre Geschäfte laufen gut. Bis Juni ist Daniels ausgebucht. Nicht weit entfernt von dem Stripclub glänzt das "Trump"-Hotel golden.

Während sie die Affäre zu ihren Gunsten nutzt, heißt es, Melania sei wegen der Veröffentlichung der neuen Details nicht mit zum Weltwirtschaftsforum nach Davos gekommen. Ihre Pressesprecherin dementierte dies entschieden.

Es geht ums Business, das Geschäft der Selbstvermarktung

Ein Typ aus Phoenix mit Pferdeschwanz und Wollmütze sagt vor der Show im "Little Darlings", zu Hause warte schon lange niemand mehr auf ihn, also setze er sich manchmal in seinen Buick und brettere die 300 Meilen rüber nach Las Vegas. Wegen Daniels sei er nicht hier; Frauen, die Sex mit Trump gehabt hätten, seien für ihn tabu. Er ärgere sich, dass er ihretwegen einen so teuren Eintritt zahlen musste.

40 Dollar, das sei eine Stange Geld. Immerhin: Einige der Stripclubgänger verleugnen ihr Interesse an der Dame nicht. Etwa die Gruppe junger Ingenieurstudenten, allesamt in grauen Anzügen, allesamt überzeugte Republikaner, wie sie sagen. Sie bitten darum, dass man über sie keine Fake News verbreiten solle.

Daniels betritt die Bühne zusammen mit dem dicken Manager des Clubs, sie trägt ein schwarzes Kleid und Stöckelschuhe und wird als berühmteste Pornodarstellerin des Landes vorgestellt. Daniels winkt und lächelt und zeigt ihre Brüste, aber das Publikum ist mäßig begeistert. "Ausziehen!", schreit einer. "Stormy, Stormy!", rufen die Besucher, sie wollen sie tanzen sehen, aber werden enttäuscht. "Sie wird sich nicht mehr ausziehen" , sagt der Manager später, "sie hat das nicht mehr nötig."

An der Kasse des "Little Darlings" lehnt ein Riesenscheck für Daniels. Der Verwendungszweck "Hush Money", Schweigegeld, wurde durchgestrichen
An der Kasse des "Little Darlings" lehnt ein Riesenscheck für Daniels. Der Verwendungszweck "Hush Money", Schweigegeld, wurde durchgestrichen
© Tomas Muscionico/stern

Dieser Abend ist wie Las Vegas selbst und wie Trump selbst - eine Show. Es geht ums Business, das Geschäft der Selbstvermarktung, dessen unangefochtener König der Präsident ist. Um den sich alles dreht, in diesem Club, in dieser Stadt, in diesem Land, auch wenn er gar nicht da ist.

Der Manager bringt Daniels wieder zurück in ein Separee, dort signiert sie ihre Filme und gibt Autogramme. Am nächsten Tag wird sie auf einer Pornomesse zu sehen sein. Trotz ihres die Männer enttäuschenden Auftritts wirkt Daniels zufrieden. Sie ist von einer Mistress zur Hostess geworden, sie serviert die Illusion von Nähe zum Präsidenten. Am Tag, an dem Trump seine Staatsrede hielt, saß Stormy Daniels danach in einer der beliebtesten Abendsendungen des Landes, der Jimmy-Kimmel-Show.

Ihr Leben ist vergleichbar mit dem US-Aktienmarkt. Seitdem ihre Beziehung zu Trump bekannt wurde, steigen ihre Aktien. Sie weiß das zu schätzen. Sie wird bald 40. Das Pornobusiness ist kein Geschäft, in dem es sich leicht alt werden lässt. 

Stormy Daniels will nicht über Trump reden

Mrs. Daniels, sind Sie eine Anhängerin der Republikaner?

Dazu sage ich nichts!

Wann hatten Sie das letzte Mal Kontakt zu Donald Trump?

Dazu sage ich nichts.

Würden Sie Ihren Sex mit Donald Trump als Fluch oder Segen bezeichnen?

Sie lächelt.

Stormy Daniels will nicht über Trump reden, sie darf es auch nicht. Sie hat ein Geschäft mit dem mächtigsten Mann des Landes gemacht. Ihr Schweigen ist zum Politikum geworden.

Man kann jetzt ein Autogramm von ihr bekommen, einen Porno von ihr kaufen oder ihre Brüste anfassen. Nichts davon will man. Dann sind die jungen Republikaner dran, die schon in der Schlange warten.

Auf der Bühne zieht sich eine Frau mit Darth-Vader-Maske ein Leuchtschwert durch den Schritt. Die jungen Republikaner sitzen in einem Hinterzimmer und schauen sich einen Lapdance an. Der Mann mit dem Buick ist schon verschwunden.

Der Ausgang liegt hinter der Kasse, an der Amanda und Samantha stehen und sich langweilen. Sie arbeiten für zwölf Dollar die Stunde im "Little Darlings" . Wenn sie Glück haben, dürfen sie auch ein bisschen tanzen, nur so verdient man hier Geld. Ihre rausgepressten Brüste tragen sie wie Tabletts vor sich her, es ist nach drei Uhr. Nur noch sehr langsam tröpfeln einzelne Verirrte in den Club. Die beiden unterhalten sich darüber, was Stormy Daniels für ihren Auftritt bekommen hat.

Amanda: "75.000 fucking Dollar." Samantha nickt. "Für das ganze Schweigegeld und die Aufmerksamkeit hätte ich auch mit Trump geschlafen."

Amanda: "Aber Trump ist schon eklig."

Samantha: "Aber er ist mächtig, und ganz ehrlich, ist er ekliger als unsere Gäste?"

Samantha und Amanda schauen rüber in den Maschinenraum des Striplokals. Dann schütteln sie den Kopf.

Kurz danach verschwindet Stephanie Clifford ganz leise durch den Hintereingang.

Der Artikel über Stormy Daniels ist dem aktuellen stern entnommen:


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