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Prinzessin Diana: Beweisaufnahme intim

Seit 43 Tagen hören die Geschworenen Aussagen und sichten Beweise: Erstmals wurden dem britischen Gericht, das den Unfalltod von Diana untersucht, jetzt intime Briefe von Prinz Philip an die Prinzessin vorgelegt. Offenbar standen sich beide näher, als bisher angenommen.

Von Cornelia Fuchs, London

"Ich werde immer das Äußerste tun, um dir und Charles nach meinen besten Möglichkeiten zu helfen", schrieb der Duke of Edinburgh im Jahre 1992 an seine Noch-Schwiegertochter, "aber ich muss dabei zugeben, dass ich kein Talent zum Eheberater habe." Die Prinzessin antwortet in fast beschwingtem Ton: "Liebster Pa, du bist viel zu bescheiden bezüglich deiner Eheberatungsfähigkeiten, und ich stimme dir überhaupt nicht zu! Dein letzter Brief zeigte großes Verständnis und großen Takt, und ich hoffe, dass ich deinen Rat in den kommenden Monaten weiterhin annehmen kann, was auch immer diese mit sich bringen werden. Mit meinen liebevollsten Grüßen, deine Diana."

In allen englischen Tageszeitungen werden heute Auszüge aus diesen fünf Briefe gedruckt, sie zeigen - ganz entgegen der Theorie des Vaters von Dodi, Mohammed al Fayed-, dass das Verhältnis zwischen Diana und ihrem Schwiegervater Prinz Philip alles andere als schwierig war.

"Für die Klatschseiten - gute Geschichten. In Wirklichkeit - irrelevant"

Mohammed al Fayed glaubt seit dem Tod seines Sohnes, dass das Paar im Auftrag des Königshauses durch Agenten des Geheimdienstes ermordet worden ist. Seiner Ansicht nach wollte Prinz Philip nicht zulassen, dass seine ehemalige Schwiegertochter und die Mutter des Thronfolgers einen Muslimen heiratete und dessen Kinder bekommen würde. Al Fayeds Anwälte versuchen zu beweisen, dass eine Hochzeit zwischen Diana und Dodi unmittelbar bevorstand und die Prinzessin außerdem schwanger war.

Die Geschworenen verfolgten gestern nach Vorlage der Briefe die Aussagen des persönlichen Sekretärs des Prinzen, dem 69-jährigen Sir Miles Hunt-Davies. Der ehemalige Kommandeur der britischen Gurkha-Truppen und leidenschaftliche Elefanten-Polospieler antwortete zumeist in knappen Worten auf die Fragen des al-Fayed-Anwalts Michael Mansfield. Als Mansfield wissen wollte, ob Diana und Dodi sich Prinz Philips Meinung nach zu nahe gekommen wären, antwortete Sir Miles: "Mister Mansfield, ich glaube, es war Ihnen bisher nicht möglich zu akzeptieren, dass alles, was Diana nach der Scheidung unternahm, keine Relevanz mehr für die königliche Familie hatte. Für die Klatschseiten - gute Geschichten. In Wirklichkeit - irrelevant." Die Ehe zwischen Prinzessin Diana und Prinz Charles wurde 1996 geschieden.

Muss Prinz Philip aussagen?

Zu den meisten Fragen des Anwalts konnte Sir Miles keine Aussage machen - er sagte zum Beispiel, er wisse nicht, was Prinz Philip über das Fernsehinterview im Jahre 1995 gedachte habe, in dem Diana Prinz Charles die Fähigkeit absprach, ein guter König zu werden. Es ist das Ziel von Mohammed al-Fayed, Prinz Philip selbst vor die Untersuchungskommission zu zitieren. Auf die letzte Frage des Anwaltes, ob der Prinz eine Aussage erwäge, sollte er vom Richter dazu aufgefordert werden, sagte Sir Miles: "Keine Ahnung."

Als weitere Zeugin trat gestern eine der engsten Freundinnen Dianas auf. Rosa Monckton hat mit der Prinzessin noch zehn Tage vor ihrem Tod Urlaub auf einem Segelboot gemacht. Sie sagte aus, dass Diana auf keinen Fall schwanger gewesen sein könne, da sie zu jener Zeit ihre Periode gehabt habe. Mohammed al-Fayed beschuldigt Rosa Monckton, im Auftrag der Geheimdienste die Freundschaft von Diana gesucht zu haben. Monckton erzählte den Geschworenen, dass sie zwar vermute, ein Bekannter arbeite als Agent, dass sie selbst jedoch nichts mit Geheimdiensten zu tun habe. Sie führte weiter aus, dass Diana während des Urlaubs viel mehr über den Herzchirurgen Haznat Khan gesprochen habe als über Dodi: "Mir war klar, dass sie Haznat wirklich vermisste, und ich denke, Dodi diente als Ablenkung von dem Schmerz über die Trennung von Haznat."

Auch die ehemalige Ehefrau von Prinz Andrew, Sarah Fergusson, verneinte in einem Brief an die Geschworenen, dass sie und Diana über Ängste gesprochen hätten, irgendwann ermordet zu werden: "Ich habe außerdem niemals Briefe von Prinz Philip erhalten, die ich als gemein bewertet hätte." Die Untersuchungskommission wird auch im neuen Jahr weiter tagen. Beobachter gehen davon aus, dass nicht vor Frühjahr 2008 mit einem Ergebnis der Beweisaufnahme gerechnet werden kann.