Prinzessin Margarita Holland in Not?


Alarm am Hof: Prinzessin Margarita und ihr bürgerlicher Gatte sollen mit Königin Beatrix' Segen bespitzelt und verleumdet worden sein

Gemütlich kuschelt sich die zierliche Frau in die ausladende Couch, neben ihr pflanzt sich ein baumlanger Kerl in die Polster. Winterliches Licht strömt durch das große Wohnzimmer des Schlosses Bartas in der französischen Gascogne. Ein Bild, so verträumt, als stammte es aus einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Doch was Prinzessin Margarita Maria Beatriz von Bourbon-Parma, 30, Nichte der holländischen Königin Beatrix, und ihr Ehemann Edwin de Roy, 36, erzählen, klingt mehr nach dem Exposé einer Soap-Opera.

Verleumdung, Bespitzelung, Diebstahl. Das Resümee dieses Winternachmittags hört sich so an: Der niederländische Königshof ist bevölkert von einer Sippe ungehobelter, intriganter, manchmal auch ziemlich schlicht gestrickter Royals. Bislang kannte man derartige Enthüllungen eher aus dem Buckingham-Palast. Nun aber steht den Holländern möglicherweise ein ähnliches Dramolett ins Haus.

Prolog:

Margarita, Tochter von Beatrix' jüngerer Schwester Irene und eines ehemaligen spanischen Thronanwärters namens Hugo Carlos von Bourbon-Parma, lernte Ende 1998 auf einer Party den Oxford-Absolventen und Unternehmensberater Edwin aus dem niederländischen Traditionsgeschlecht De Roy van Zuydewijn kennen. Anlässlich eines Büfetts zum 62. Geburtstag der Königin gut ein Jahr später stellte ihn die gelernte Innenarchitektin der Familie vor. Kurze Musterung. Willkommensworte? Fehlanzeige.

Wesentlich lebendiger ging's etwas später zu. "Sie fluchten, brüllten, hatten überhaupt keine Tischmanieren", erinnert sich Edwin. "Es wurde maßlos getrunken, und die Königin nickte müde und beschwipst am Tisch ein." Margarita ergänzt: "Tante Trix trinkt sehr viel Wein."

Erster Akt:

Drei Monate darauf, Anfang Mai, kam es im Haager Hotel Des Indes beim Tee zu einem Treffen zwischen Edwin, Margarita und deren Vater Hugo Carlos. "In Anwesenheit Edwins erzählte mir mein lieber Papa", so Margarita, "dass ich das Bett mit einem Aidspatienten und ehemaligen Sozialhilfeprofiteur teilen würde und seine Firmen nur Fassade seien." Edwin konnte diese Anwürfe zwar widerlegen: "Ich hatte einen HIV-positiven Bekannten, und ich bekam Studiengeld." Doch die Gerüchte waren in der Welt. Kurze Zeit später wurden sie in der holländischen Boulevardpresse und selbst in seriöseren Blättern breitgetreten.

Das Klima zwischen dem Hof und dem jungen Paar wurde immer kühler. Einladungen blieben aus. Edwin entdeckte Abhörwanzen in seiner Amsterdamer Wohnung - Herkunft unbekannt. Des Weiteren habe sich Beatrix' Finanzchef illegal beim Finanzamt die Steuererklärungen von Margaritas Freund beschafft. Außerdem, klagen die beiden, versuchte das Sekretariat der Königin, an ihre Bankauszüge und Korrespondenz zu gelangen. "Eine eklatante, strafbare Verletzung der Privatsphäre."

Beim Blick auf ihr Privatkonto entdeckte die Prinzessin zudem eine Überweisung in Höhe von 100.000 Dollar an ihren Vater, der bis vor kurzem noch regelmäßig eine Apanage von ihr erhalten hat. "Diese Überweisung erfolgte ohne meine Zustimmung, ohne meine Unterschrift", sagt Margarita. Die Hausbank der Oranier hat keine eindeutige Erklärung dafür abgegeben. Margarita: "Das ist Diebstahl." Sie wechselte die Bank und erhielt nach einer Klage zunächst die Hälfte des Betrages zurück.

Zweiter Akt:

Am 22. September 2001 heirateten Margarita und Edwin kirchlich in Südfrankreich - natürlich ohne die Königin. Anschließend bemühte sich die jungvermählte Prinzessin in zahlreichen Gesprächen mit Tante Trix um Aufklärung. Aber: "Sie ist mit den Vorgängen einverstanden. Sonst würde sie doch eingreifen." In ihrer Verzweiflung schickte Margarita am 3. Oktober die Kopie eines an die Königin gerichteten Briefes an den damaligen niederländischen Ministerpräsidenten Wim Kok. "Liebe Tante, es ist eine große Enttäuschung, im eigenen Kreis so betrogen zu werden", schrieb sie. "Ich hoffe, du steuerst dem etwas entgegen." Die Königin soll einen Wutausbruch bekommen haben. Kok, der gebeten wurde, in der Krise zu vermitteln, ließ ausrichten, er fühle sich nicht zuständig für diese "interne Familienangelegenheit".

Dritter Akt:

Im Februar 2002 heiratete Prinz Willem Alexander seine Màxima. Margarita und Edwin verfolgten die Trauung am Fernsehschirm - eingeladen waren sie nicht. Den Grund lieferte die Kommentatorin der Live-Übertragung: "Margarita und Edwin sind wegen Finanzschwierigkeiten in Frankreich nicht anwesend." Da die Reporterin ihre Hintergrundinfos am Hof sammelt, spricht das Paar über einen gezielten Rufmord aus diesen Kreisen. Margarita: "Unsere angebliche Geldnot hat sie nicht selbst frei erfunden."

Im März des vergangenen Jahres wandte sich die junge Frau erneut an Wim Kok. Doch auch jetzt wollte sich der Premier nicht einmischen, womit er nach Ansicht eines angesehenen Staatsrechtlers der Universität Nijmegen nicht ganz richtig liegt: "Wenn die Königin in einen Familienstreit gerät und dabei selbst Normen und Werte von Moral und Ethik überschreitet", so der Professor, "könnte das politisch ein Fall für den Premier werden." Der Hof wollte die Vorwürfe nicht weiter kommentieren. "Das Königshaus reagiert nicht auf Berichte über Privatangelegenheiten", so Sprecher Han Tonnon.

Epilog:

Nach ihren Enthüllungen - auch in dem holländischen Magazin "HP/De Tijd" - wird Margarita und Edwin der ewige Zorn von Königin Beatrix sicher sein, aber kuschen wollen sie nicht. "Wir kämpfen für unsere Integrität. Wir haben nichts verbrochen", erklärt Margarita. "Ich halte zu Edwin." Verbittert ist sie auch über die Doppelmoral der königlichen Familie. So zeugte ihr Vater, der sich so entrüstet über den bürgerlichen Schwiegersohn zeigte, mit einem dominikanischen Kindermädchen einen Jungen: "Mein schwarzer Halbbruder Xavier."

Albert Eikenaar print

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