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Nachruf: Prinzgemahl wider Willen: Prinz Henrik von Dänemark, ein royaler Rebell

Dänemark trauert um Prinz Henrik: Der Ehemann von Königin Margrethe ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Nachruf auf einen royalen Rebellen, der mit seiner Rolle nie richtig warm wurde.

Prinzgemahl wider Willen: Prinz Henrik von Dänemark, der royale Rebell

Prinz Henrik, Ehemann von Königin Margrethe, ist im Alter von 83 Jahren in Dänemark gestorben 

DPA

Prinz Henrik von ist tot. Er verstarb am Dienstagabend im Alter von 83 Jahren in Schloss Fredensborg. Der einst charmante und gut aussehende junge Graf Henri de Laborde de Monpezat aus Cahors in Südfrankreich, der sich während seiner Zeit als Diplomat in London in die dänische Prinzessin und späteren Königin Margrethe von Dänemark verliebt, sie 1967 auf Schloss Fredensborg geheiratet hatte und trotzdem 50 Jahre lang nie mit seiner Rolle in ihrem Schatten so richtig warm geworden war, hat nun endlich seinen Frieden gefunden.

Er teilte ein Schicksal mit seinen "Kollegen" von Großbritannien und Prinz Claus der Niederlande, den 2002 verstorbenen Ehemann von Ex-Königin Beatrix: Alle drei waren sie exzellent ausgebildete, ehrgeizige Männer mit großen Aussichten auf eine außergewöhnliche Karriere in der Marine (Prinz Philip) bzw. im diplomatischen Dienst (Prinz Claus und Prinz Henrik). Und trotzdem gaben sie ihren königlichen Gattinnen zuliebe ihre eigenen Ambitionen auf.

Was heutzutage überall auf Bewunderung stoßen würde, war zudem in den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts gesellschaftlich nahezu geächtet. Kein Ehemann, der etwas auf sich hielt, hätte sich zum Hausmann degradieren lassen und zugesehen, dass vor allem seine Frau nach außen die Familie (und das Land!) repräsentiert und dazu die Ernährerin und das Oberhaupt der Familie ist - und auch noch den Kindern ihren Namen gibt statt seinen. Prinz Philip beschwerte sich einmal lautstark bei einem Hofbeamten, er sei wohl schlechter dran als "eine verdammte Amöbe", da sein Nachwuchs nicht einmal Mountbatten (englischer Zweig des deutschen Adelsgeschlechts Battenberg) heißen dürfe.

Ein royaler Rebell

Ähnlich deutliche Worte sind von Prinz Henrik nicht überliefert, doch er rebellierte öffentlich auch mehr an der Titel-Front: Nicht zufrieden mit dem Titel Prinz von Dänemark machte ihn Köning Margrethe 1972 immerhin zum Prinzgemahl. Doch was er eigentlich für sich einforderte, gleichberechtigt König an der Seite der Königin zu sein, das wurde er nie. Da half auch alles Schmollen auf seinem Weingut in Südfrankreich nichts, wohin er sich immer zurückzog, wenn er es im kühlen Dänemark (und in der Nähe seiner willensstarken Frau) nicht mehr aushielt.

Immer mal wieder machte er mit provokanten Äußerungen von sich reden, so zum Beispiel im Jahr 2006, als der in aufgewachsene Königinnengemahl sich öffentlich dazu bekannte, gerne Hundefleisch zu essen. Darauf unterstellten böse Zungen gleich, ein kurz zuvor verschwundener Dackel aus dem königlichen Haushalt sei wohl bei ihm auf dem Teller gelandet.

Zuletzt blamierte er die Königin im Sommer 2017 mit der Aussage, er wolle dereinst nach seinem Tod nicht, wie im dänschen Königshaus traditionell üblich, im Dom zu Roskilde neben Margrethe zur letzten Ruhe gebettet werden – obwohl der von Bildhauer Bjørn Nørgaard prächtig gearbeitete Doppelsarkophag da schon lange fertig war. Sich kurz vor der Goldenen Hochzeit derart von seiner langjährigen Ehepartnerin und bei den Dänen sehr beliebten Königin zu distanzieren, kam weder bei den gemeinsamen Söhnen Kronprinz Frederik, 49, und Prinz Joachim, 48, noch in der Öffentlichkeit gut an. Allerdings ließ der Hof kaum vier Wochen später verlauten, Henrik sei seit einiger Zeit schon an Demenz erkrankt: "Die Diagnose beinhaltet eine Schwächung der kognitiven Funktionen des Prinzen", so erklärte das dänische Königshaus damals. Die Erkrankung könne sein Verhalten und seine Reaktionen verändern, seine Urteilskraft und Gefühle beeinflussen – und so auch die Interaktion mit der Außenwelt. So blieb die Hoffnung, dass der alte Herr nicht mehr recht wusste, was er sagte.

Prinz Henrik, der französischste aller Dänen

Ähnlich wie Prinz Philip hatte er sich da schon offiziell aus dem öffentlichen Leben verabschiedet, während seine Frau weiterhin ihren repräsentativen Pflichten nachging. Zu 100 Prozent angekommen und akzeptiert war er vielleicht nie in seinem zweiten Heimatland, obwohl er sich über die Jahrzehnte bei den Dänen durchaus Respekt erworben hatte.

Mit seiner "Daisy" (so der Kosename von Königin Margrethe in der Familie) unterhielt er sich bis zuletzt meist auf Französisch. Als geflügeltes Wort in Bezug auf sein nur teilweise erfolgtes Einleben in seine neue Heimat galt die Beschreibung: er sei der französischste aller Dänen oder der dänischste aller Franzosen – also weder das eine noch das andere so richtig. Vielleicht rührte seine gefühlte Heimatlosigkeit aber auch daher, dass er schon während seiner Kindheit mehrmals mit den Eltern, die geschäftliche Interessen in Vietnam hatten, zwischen Hanoi und Südfrankreich hin und her zog, bis er schließlich 1952 seine Reifeprüfung in Indochina ablegte, um darauf zunächst an der Pariser Sorbonne Jura und später in Saigon (beziehungsweise Ho-Chi-Minh-Stadt) und Hongkong unter anderem noch Orientalistik zu studieren. Seinen französischen Militärdienst leistete er in den frühen 60er-Jahren in Algerien ab. Dementsprechend machte er sich später mit seinen Kultur- und Sprachkenntnissen des Chinesischen und Vietnamesischen um die dänisch-asiatischen Beziehungen immer wieder verdient.

Zu seinen beachtenswerten Aktivitäten gehörten ansonsten unter anderem seine Präsidentschaft beim WWF Dänemark, sein Vorsitz in verschiedenen Stiftungen und beim dänischen Rote Kreuz. Wenig bekannt ist hierzulande seine Liebe zur Literatur: So veröffentlichte er selbst mehrere französichsprachige Gedichtbände, übersetzte zusammen mit der Königin unter einem Pseudonym ein Buch von Simone de Beauvoir ins Dänische und verfasste 1996 seine Memoiren ("Destin Oblige"). Auch schrieb er als begeisterter Gourmet an mehreren Kochbüchern mit. 

Er starb im Kreise seiner Familie in Dänemark

Anfang Januar dieses Jahres hatte sich der königliche Pensionär im Ägypten-Urlaub eine Lungenentzündung zugezogen, und wurde schnell zurück in Dänemark ins Krankenhaus gebracht. In diesem Zusammenhang entdeckten die Ärzte dann einen gutartigen Tumor im linken Lungenflügel. Schon Ende letzter Woche wurde sein Zustand als so ernst eingeschätzt, dass sein älterer Sohn Kronprinz Frederik seinen Aufenthalt als Funktionär bei den Olympischen Spielen in Südkorea abbrach und vorzeitig nach Kopenhagen zurückkehrte. Die letzten Tage über sah man immer wieder Mitglieder der königlichen Familie zum Krankenhaus fahren, um dort bei ihm zu sein.

Sie haben gut daran getan: gestern, am Dienstagabend, starb Prinz Henrik im Kreise seiner Familie.