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Promi-Knigge: Mit Mutti zur Berlinale

Mit der Goldenen Kamera beginnen am Mittwoch die Berliner Glamour-Wochen. Damit die Promis beim Publikum gut ankommen, müssen sie einiges beachten.

Das Cocktailkleid wird aus der Reinigung geholt, Festivalchef Dieter Kosslick geht noch einmal zur Kosmetik, und im Terminkalender von Friseur Udo Walz ist kaum noch ein Plätzchen frei. Mit der Goldenen Kamera fällt an diesem Mittwoch der Startschuss zu den Berliner Glamour-Wochen. Während der Berlinale (10. bis 20. Februar) werden dann Stars wie Keanu Reeves und Catherine Deneuve zwischen Hotel Adlon und Potsdamer Platz erwartet, ein Highlight ist die große Benefizgala "Cinema for Peace". Fast zwei Wochen gehört der Rote Teppich zur Stadt wie das Brandenburger Tor. Wer als VIP gesehen und fotografiert werden will, kommt am Schaulaufen vor den Kameras nicht vorbei. Dabei gilt es einige Spielregeln zu beachten.

Im Kleidchen fotogen frieren

Berlin ist nicht Hollywood, besonders was die Temperaturen angeht. Trotz Minusgraden und Schmuddelwetter: Ein Kleidchen macht sich später in der Illustrierten besser als die praktische Steppjacke, und so zieht mancher Promi im dünnen Fetzen zum Berlinale-Palast. Damit alle Fotografen ein gutes Bild bekommen, drehen sich viele Stars minutenlang geduldig vor den Kameras und gehorchen auf zuweilen skurrile Kommandos ("Mach' mal 'ne Geste!"). Am Rande des Teppichs warten im Schnitt 200 Autogrammjäger, wie die Berlinale schätzt. Da heißt es, geduldig zu sein und auch noch in das hinterste Fotohandy brav zu lächeln.

Ein Meister in diesem Parcours ist Hollywoodstar Will Smith, der seine Fans schon mit einem Konzert überraschte und auch diesmal mit dabei ist. "Wenn jemand auf dem roten Teppich gut ankommt, ist das, als ob er auf der Bühne steht", sagt PR-Fachfrau Beate Wedekind, Produzentin der Goldenen Kamera. "Das Können wird dabei mehr gewürdigt als der Ausschnitt", glaubt sie. Bei der Berlinale, dem internationalen Branchentreffen, sei ohnehin wichtiger, was hinter den Kulissen passiert.

"Die Männer zu Hause lassen"

Wie dezent oder wie wild darf sich ein Star verhalten? Die Zeit der großen Faxen ist vorbei, findet Sat1-Kolumnistin und Society-Expertin Sibylle Weischenberg. Sie sieht eine neue Ernsthaftigkeit: "Man macht sich weniger zum Affen." Schade findet sie, dass sich immer noch wenige Frauen trauen, allein zu Galas und Empfängen zu gehen. Als positives Beispiel nennt sie Claudia Schiffer und Cate Blanchett, die ihre Männer zu Hause lassen. Hollywoodstars wie Nicole Kidman und Leonardo DiCaprio nehmen gleich ihre Mutter oder andere Familienmitglieder mit. "Das ist der neue Trend", meint Weischenberg.

Bei der Garderobe heißt es: Man trägt Deutsch. Neben dem Klassiker Escada gehören die hiesigen Größen Talbot Runhof, Unrath & Strano und Anna von Griesheim zu den gefragten Designern bei den deutschen Stars. "Viele Promis geben aber auch Berliner Nachwuchsdesignern eine Chance", hat "Gala"-Reporterin Tatjana Detloff beobachtet. Die große Robe kann bei der Berlinale meist im Schrank bleiben, ein schickes Cocktailkleid im Cineasten-Schwarz tut es auch. Anders bei der Gala "Cinema for Peace": "Da darf es glitzern und flimmern", sagt Weischenberg. Und die Frisuren? Viele Locken und Wellen sind in, erzählt Udo Walz. Was er nicht mag: "Wenn die Frisuren zu barockig sind. Dann sehen die Frauen um zwölf Uhr nachts aus wie beim Almauftrieb."

Caroline Bock/DPA / DPA