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Prozess gegen Böhse-Onkelz-Sänger: Bandmitglieder distanzieren sich von Kevin Russell

Trotz erdrückender Beweise gibt er seine Schuld nicht zu: Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell wird derzeit wegen eines schweren Autounfalls der Prozess gemacht. Sowohl Zeugen als auch Opfer soll er verhöhnt haben. Seine ehemaligen Band-Kollegen distanzieren sich nun von ihm.

Zwei Mitglieder der 2005 aufgelösten Rockband Böhse Onkelz haben sich von dem wegen Straßenverkehrsgefährdung und Fahrerflucht angeklagten Kevin Russell distanziert. "Der Kevin, der dieser Tage auf der Anklagebank sitzt, ist nicht mehr der Kevin, mit dem wir gemeinsam all die Jahre durch dick und dünn gegangen sind", heißt es auf der Homepage der Band.

Die ehemaligen Bandkollegen Stephan Weidner und Peter Schorowsky zeigen sich vor allem über die Aussageverweigerung ihres ehemaligen Sängers vor dem Frankfurter Landgericht enttäuscht: "Wir hatten gehofft, Kevin würde persönlich zu den Vorkommnissen Stellung beziehen". Weidner und Schorowsky befürchten, dass das Verhalten Russells "unsere Glaubwürdigkeit und unser Lebenswerk infrage stellt".

Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafe

Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell steht derzeit in Frankfurt am Main vor Gericht. Der 46-Jährige wird beschuldigt, am Silvesterabend 2009 auf der Autobahn 66 bei Frankfurt einen schweren Unfalll verursacht zu haben. Mit einem Audi RS8 soll er bei einem Überholvorgang einen Kleinwagen gerammt haben. Statt den beiden schwer verletzten Personen zu helfen, soll er zu Fuß geflüchtet sein. Obwohl die Beweislast erdrückend ist, unter anderem wurden seine DNA-Spuren am Airbag des Audi gefunden, bestreitet Russell die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage forderten am dritten Prozesstag am Montag eine Hafstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Es gibt nach Darstellung der Ankläger keine Zweifel, dass der ehemalige Rocksänger am Steuer des Wagens gesessen habe. Am Nachmittag soll das Urteil verkündet werden.

Bandkollegen wünschen Opfern "alles erdenklich Gute"

Anders als Russell, der im Prozess bislang bislang keine Worte des Bedauerns oder des Mitgefühls gefunden hat und stattdessen Zeugen und Opfer im Gerichtssaal mit Lachen verhöhnt, fühlen die beiden Ex-Kollegen mit den Opfern des Unfalls. "Unsere Gedanken sind nach wie vor bei den Opfern. Wir wünschen den beiden von ganzen Herzen, alles erdenklich Gute", heißt es am Ende der Stellungnahme. Die beiden jungen Männer (19 und 20 Jahre alt) leiden nach eigenen Angaben noch heute unter den Folgen des Unfalls. Nur dem beherzten Eingreifen von Unfallhelfern, die sie aus dem brennenden Wrack ihres Opels zogen, ist es offenbar zu verdanken, dass sie noch am Leben sin.

Den langjährigen Drogenkonsum ihres Freundes machen Weidner und Schorowsky auch für die Auflösung der Band Böhse Onkelz verantwortlich. Russells langjährige Drogensucht "war maßgeblich dafür verantwortlich, dass es zur Trennung kam", schreiben sie. Die Böhsen Onkelz hatten sich 2005 nach 25 Jahren aufgelöst. Zu ihrem Abschiedskonzert auf den Lausitzring kamen 100.000 Fans.

Mai/DPA / DPA