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Prozess gegen Conrad Murray: Richter verhängt Höchststrafe gegen Jackson-Leibarzt

Conrad Murray muss wegen fahrlässiger Tötung für vier Jahre ins Gefängnis. Der Richter verurteilte Michael Jacksons früheren Arzt zur höchstmöglichen Strafe – und griff dabei zu scharfen Worten.

Von Frank Siering, Los Angeles

Frisch rasiert, grauer Anzug, dunkle Krawatte. Die manikürten Hände gefaltet. #link;http://www.stern.de/lifestyle/leute/conrad-murray-90281559t.html?sort=datedown; Dr. Conrad Murray# hatte sich fein gemacht zur Urteilsverkündung am Dienstagmorgen. Dann ging alles relativ schnell. Vier Jahre im LA County Jail. Die Maximalstrafe für den einstigen Leibarzt von Michael Jackson. Die Augen des Kardiologen zuckten kurz, dann war alles vorbei.

Absitzen wird Murray von dieser Strafe - 46 schon eingesessene Tage wurden ihm gutgeschrieben - wohl, wenn überhaupt, nur die Hälfte. In Kalifornien wurde unlängst ein neues Gesetz (Realignment Act) eingeführt. Weil die Gefängnisse im Bundesstaat gnadenlos überfüllt sind, werden Vergehen wie fahrlässige Tötung dieser Tage oftmals mit Hausarrest abgestraft.

"Er ist verantwortlich für den Tod eines anderen Menschen"

Richter Michael Pastor war aufgebracht, kurz bevor er Murray verurteilte. Vor allem die Tatsache, dass der einstige Leibarzt von Jackson bis heute keinerlei Schuldgefühle oder Bedauern zeige, mache ihn sehr nachdenklich, so der Richter. "Michael Jackson war ein Experiment für Dr. Murray", sagte Pastor.

Und weiter: "Einige meinen, Dr. Murray ist ein Heiliger, andere halten ihn für den Teufel. Die Wahrheit ist: Er ist keines von beiden, er ist ein Mensch. Aber als solcher ist er verantwortlich für den Tod eines anderen Menschen."

Murray lehnte es erneut ab, vor Gericht ein Statement abzugeben. Obwohl der Richter ganz offensichtlich gern vom Arzt selbst ein paar Worte gehört hätte.

"Noch immer noch eine Bedrohung für die Öffentlichkeit"

Pastor war außerdem sehr erboßt über die Tatsache, dass Murray eine Unterhaltung mit Michael Jackson aufgezeichnet hatte. Die Aufnahme war während der Verhandlung mehrfach abgespielt worden. Die Geschworenen hörten einen kaum verständlichen und deutlich unter Einfluss von Medikamenten oder Drogen stehenden "King of Pop".

"Es ist ganz eindeutig, dass Dr. Murray das Vertrauen zum Patienten in grober Form missbraucht hat", so Pastor. "Diese Tonbandaufnahme war eine Versicherungspolice für Dr. Murray. Eine Police, die später vielleicht an eine Medienorganisation weitergeleitet werden sollte, für einen finanziellen Gegenwert, der schwer einzuschätzen ist."

Bei der Höhe des Strafmaßes spielte auch eine gravierende Rolle, dass Murray während des Prozesses von einer TV-Crew für eine Dokumentation begleitet wurde. "Dr. Murray zeigt keinerlei Bedauern. Und er ist meiner Meinung nach auch deshalb noch immer noch eine Bedrohung für die Öffentlichkeit. Ja, Dr. Murray hat in dieser Dokumentation deutlich gemacht, dass er sogar gekränkt ist, weil sein Patient gestorben ist", sagte Pastor unwirsch. Und feuerte gleich hinterher, was er von den Praktiken des Mediziners wirklich hält: "Das war 'Money for Madness Medicine' ("Geld für medizinische Wahnsinnstaten"), was da betrieben wurde."

"Wir sind nicht hier, um uns zu rächen"

Noch im Saal wurde Murray mit einer 800-Dollar-Strafe belegt, die er sofort zahlen muss, einer Gerichtsgebühr von 30 Dollar und einer weiteren Gebühr von 40 Dollar. Über die vom Michael Jackson Estate geforderten 100 Millionen Dollar Entschädigung für geschätzte verlorengegangene Einnahmen der "This is it" Tour sowie die Rückerstattung von 1.8 Millionen Dollar für die Beerdigung des Popstars wollte Richter Pastor am Dienstag nicht entscheiden. Eine weitere Anhörung am 23.Januar soll über die "angebrachte Höhe der Entschädigung entscheiden". Murrays Anwalt Ed Chernoff: "Diese Summe ist so illusorisch hoch, ich weiß gar nicht, wie wir da überhaupt drüber diskutieren können."

Brian Panish, Anwalt der Jackson-Familie, verlas ein Statement vor Gericht. Darin hieß es, dass "wir nicht hier sind, um uns zu rächen. Nichts kann Michael zurückbringen. Wir vermissen ihn jeden Tag. Und wir hoffen, dass jetzt endlich deutlich wird, dass Ärzte ihren Service nicht an den verkaufen können, der das meiste Geld bietet."

In einem Brief an das Gericht hatte Milta Rush, die Mutter von Murray gefleht, Gnade im Urteilsspruch walten zu lassen. Auch, weil ihr Sohn "zuvor noch niemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten war". Es half alles nichts. Richter Pastor kannte keine Gnade.

Conrad Murray ist, so hat es auch sein Anwalt Chernoff wohl richtig erkannt, ab sofort nicht länger als "der Kardiologe, der Menschen hilft", sondern als der Mann, "der Michael Jackson umgebracht hat", bekannt.