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ROYALS: »Sie war die zauberhafteste Oma der Welt«

In einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache an die britische Bevölkerung hat der britische Thronfolger Prinz Charles Abschied von seiner Großmutter »Queen Mum« genommen.

Der britische Thronfolger Prinz Charles hat am Montag in einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache an die Bevölkerung Abschied von seiner Großmutter Elizabeth genommen. Er habe sie rückhaltlos bewundert, sagte der Kronprinz im britischen Fernsehen.

Königin Elizabeth II. ließ ihre Mutter mit 41 Salutschüssen der Artillerie im ganzen Land ehren. Die Königinmutter, »Queen Mum«, wie sie von den Briten liebevoll genannt wurde, starb am Samstag im Alter von 101 Jahren. Sie wird am nächsten Dienstag neben ihrem Mann, König Georg VI., beigesetzt werden.

Trauer und Unglauben

Charles trug einen dunkelblauen Anzug mit schwarzer Krawatte, als er mit Trauer in der Stimme und gelegentlichem ungläubigen Kopfschütteln von seiner Großmutter erzählte. An einer Stelle hatte er hörbar Mühe, seine Stimme in der Gewalt zu behalten. »Mir bedeutete sie alles. ... Und ich hatte Angst vor diesem Moment. ... Irgendwie dachte ich, er würde nie kommen«, sagte Charles, der mit seinen Söhnen William und Harry beim Skifahren in der Schweiz war, als ihn die Nachricht vom Tode seiner Großmutter erreichte. Er eilte mit seinen Söhnen gleich heim.

»Sie schien auf gloriose Weise unaufhaltsam zu sein. Und seit ich ein Kind war, habe ich sie bewundert. Sie war ganz einfach die zauberhafteste Großmutter der Welt, und ich war ihr zutiefst ergeben«, sagte Charles in der Übertragung von seinem Landsitz Highgrove im Süden Englands.

Ihr Herz gehörte England

Charles erinnerte an ihren Humor und an die Jahrzehnte der Pflichterfüllung im Dienste des britischen Volkes. »Sie verstand den britischen Charakter, und ihr Herz gehörte diesem alten, traditionsreichen Land und seinen gleichermaßen unbeugsamen und humorvollen Bewohnern, denen sie mit Schwung, Stil und unerschütterlicher Würde fast 80 Jahre lang diente.«

Die Briten liebten ihre »Queen Mum« - auch deshalb, weil sie im Zweiten Weltkrieg nicht vor den Bombenangriffen der Deutschen aus London floh, sondern ausharrte.

Gedenken auch an Prinzessin Margaret

Charles' Abschied von seiner Großmutter erinnerte an den Tribut, den er seiner Tante, Prinzessin Margaret, zollte, die im Februar im Alter von 71 Jahren gestorben war. Die öffentlichen Trauerbekundungen schienen Teil einer Kampagne zu sein, das Königshaus näher an die Bevölkerung heranzuführen. Nichts erinnerte jedoch an 1997, als die Königin fünf Tage in distanziertem Schweigen verharrte, ehe sie sich zum Unfalltod ihrer ehemaligen Schwiegertochter Prinzessin Diana äußerte. Sie hatte Diana nicht geliebt; das Volk tat dies umso mehr.

Seine Großmutter war dem Kronprinzen ein Leben lang eine treue Stütze gewesen. Doch auch im Leben anderer werde ihr Tode »eine unüberwindbare Lücke« reißen, sagte er. »Gott sei Dank aber sind wir reicher geworden durch die reine Freude ihrer Anwesenheit und durch alles, wofür sie einstand.«

Die Königinmutter wird am kommenden Dienstag beigesetzt werden, in der Georgs-Kapelle von Schloss Windsor neben ihrem Mann. König Georg VI. starb 1952 im Alter von 59 Jahren. Ihre Tochter Margaret hat sich einäschern lassen, und die Urne soll einen Platz neben den Särgen ihrer Eltern finden.

Ab Freitag können die Briten Abschied nehmen

Am Dienstag wird der Leichnam der Königinmutter zunächst zum St. James-Palast im Herzen Londons gebracht. Ab Freitag soll er in der Westminster Hall aufgebahrt werden, dem Teil eines abgebrannten Königspalastes, der ins Parlamentsgebäude integriert wurde. Einen Tag vor der Beisetzung findet in der Westminster Abbey auf der anderen Straßenseite der Trauergottesdienst statt.

Queen Mum hielt die Windsors zusammen

Sie hatte die Windsors sieben Jahrzehnte lang zusammengehalten - von der Abdankung ihres Schwagers wegen einer geschiedenen Amerikanerin im Jahre 1936 bis zur Scheidung Charles' von Diana 1996. Bis zum 9. April, dem Tag ihres Begräbnisses, herrscht Staatstrauer und wehen die britischen Flaggen auf halbmast. Für Mittwoch wurde das Parlament zu einer Trauersitzung einberufen.

Am Ostermontag legten die britischen Fussballer und ihre Fans Schweigeminuten ein. Die Jockeys trugen schwarze Armbinden zum Gedenken an eine Frau, zu deren Leidenschaften Pferderennen gehörten.