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Scheidung auf Italienisch: "Papi" Berlusconi und die jungen Mädchen

Ihr Gatte ist einer der reichsten Männer der Welt. Er hält große Teile der italienischen Medien unter Kontrolle, und lange Zeit gelang ihm das scheinbar auch mit seiner Frau. Doch nun will Veronica Lario sich von Silvio Berlusconi scheiden lassen - und bekommt zu spüren, was es heißt, sich mit dem Premier anzulegen.

Von Luisa Brandl, Rom

Sie muss ihn endgültig satt haben: seine ewigen Mätzchen und Machosprüche, sein gockelhaftes Gehabe und seine Turteleien mit jungen Frauen, die allesamt seine Enkelinnen sein könnten. Veronica Lario bestätigte am Sonntag, dass sie sich von ihrem zwei Jahrzehnte älteren Ehemann scheiden lassen will. Silvio Berlusconi, 72, sonst nie um einen Spruch verlegen, hüllte sich in Schweigen. Es hieß, er sei auf dem Weg von Rom nach Mailand. Außerhalb der Stadt bewohnt Berlusconi das Herrenhaus Villa Arcore, während seine Gattin einige Kilometer weiter in der Villa Maccherio lebt.

Die Eheleute Berlusconi gehen schon lange getrennte Wege. Veronica begleitete ihn nie bei öffentlichen Auftritten oder auf Auslandsreisen. Man konnte den Eindruck haben, die Ehe existiere nur noch auf den opulent inszenierten Hochglanzfotos, die Berlusconi in den hauseigenen Klatschblättern mit schöner Regelmäßigkeit abdrucken ließ, um dem Volk sein Familienglück vorzugaukeln.

Keine Gemeinsamkeiten im Hause Berlusconi

Doch hinter der Fassade brodelte es seit langem. Schon vor zwei Jahren platzte Veronica Lario der Kragen. Berlusconi, mit dem sie seit 30 Jahren zusammen ist, machte dem früheren Nacktmodel Mara Carfagna bei einer Fernsehshow scherzhaft einen Heiratsantrag. Lario forderte in einem Brief, den die Tageszeitung La Repubblica auf der Titelseite druckte, eine öffentliche Entschuldigung ein. Heute sitzt Mara Carfagna als Ministerin für die Gleichstellung an Berlusconis Kabinettstisch.

Die Episode soll die eher zurückhaltende Signora als Warnung an ihren Gatten gemeint haben. Doch dieser stolperte weiter von einem Fettnäpfchen ins andere. Auch politisch gab es keine Gemeinsamkeiten im Hause Berlusconi. Immer offener sympathisierte Lario mit der linken Opposition. Gerüchte kursierten um eine Affäre mit dem linksdemokratischen Bürgermeister von Venedig Massimo Cacciari. Der frühere Oppositionsführer Walter Veltroni wollte sie als Kandidatin für die Parlamentswahlen anwerben. Bei den umstrittenen Themen künstliche Befruchtung und Sterbehilfe gab sich Lario zudem äußerst liberal.

Doch die Signora hatte zunächst andere Sorgen. Es ging um die Verteilung des Vermögens - die sechs Milliarden Euro schwere Holding Fininvest und den Immobilienbesitz Berlusconis. Lario fürchtete, dass ihre Kinder Barbara, 24, Eleonora, 22 und Luigi, 20, im Erbfall gegenüber den Kindern aus Berlusconis erster Ehe, Marina und Piersilvio, benachteiligt wären. Nun wird gemunkelt, die Erbfragen seien geregelt worden, bevor Lario vorige Woche zum großen Schlag ausholte.

Als Berlusconi die Kandidatur einer Riege von fünfzehn Showgirls, Sängerinnen und Siegerinnen von Schönheitswettbewerben bei der Europawahl ankündigte, lästerte sie, wie könne man nur mit ein paar hübschen Gesichtchen sein Image in Europa aufpolieren wollen. Berlusconi konterte, seine Kandidatinnen seien eben keine "schlecht angezogenen und übel riechenden Menschen wie Vertreter anderer Parteien, die im Parlament sitzen". Berlusconis Empfindlichkeit für menschliche Gerüche ist legendär. Schon einmal ließ der Premier Sprays für frischen Atem unter seinen Parteigängern im Parlament verteilen.

Opfer dieses "schamlosen Schmuddelkrams"

Zum Auftakt überraschte Berlusconi dann eine der Bewerberinnen bei ihrem 18. Geburtstag in Neapel und beschenkte sie mit Gold und Brillanten. Von soviel Aufmerksamkeit angestachelt verriet die Blondine den Journalisten, sie habe sich mit "Papi" Berlusconi schon länger in Rom und Mailand getroffen. Was Signora Lario zu der bitteren Stellungnahme veranlasste: "Ich kann nicht mit einem Mann zusammen sein, der mit Minderjährigen verkehrt." Berlusconi sei auf keinem 18. Geburtstag seiner Kinder erschienen, obwohl er eingeladen worden sei. Lario sehe sich selbst und ihre Kinder als Opfer dieses "schamlosen Schmuddelkrams".

Was es heißt, sich mit dem reichsten und mächtigsten Mann des Landes anzulegen, bekam Lario prompt zu spüren. Es geht um das Selbstbild des Premiers, der keinen nennenswerten Widerstand mehr im Land erfährt - außer von seiner Frau. Und es geht um viel Geld. Das rechte Schundblatt "Libero" veröffentlichte auf Seite eins Nacktfotos von der jungen Veronica Lario aus ihrer Zeit als Schauspielerin. In Berlusconis Medien wird die Noch-Gattin als miese Heuchlerin niedergemacht. Ihrer hochschwangeren Tochter Barbara soll Lario anvertraut haben: "Ich mache mir Sorgen, was jetzt passiert. Aber ich habe die Freiheit weiterzumachen."