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Sex and the City: Eine Hochzeit und vier Fragezeichen

Wie geht es weiter mit dem Damen-Quartett aus "Sex and the City"? In New York wurde die Fortsetzung der Erfolgsserie gedreht - diesmal fürs Kino. Der stern suchte am Set nach Antworten.

Von Ulrike von Bülow

Gute Fernsehserien spiegeln vieles, das Leben, die Liebe, sogar die Zukunft. Sie verdichten das alles, und die besten Serien machen das mit Humor. Es ist grausam, wenn solche wie "Sex and the City" zu Ende gehen, wie eine Trennung im wahren Leben. Für die Süchtigen unter den Fans kann es Jahre dauern, bis sie wieder lachen können, vier Jahre in diesem Fall.

New York im Spätherbst 2007. In Halle eins der Steiner-Studios in Brooklyn soll gleich eine Szene gedreht werden, die bei der Fashion Week spielt. 350 Statisten sitzen neben dem Laufsteg, und vorn in der Mitte die vier Hauptdarstellerinnen aus "Sex and the City". Kristin Davis streichelt Sarah Jessica Parker über den Rücken, die leicht vorgebeugt auf ihrem Blackberry herumdrückt. Ihre blonden Locken sind neuerdings brünett. Cynthia Nixon, das kinnlange Haar wie immer rot, fischt aus ihrer Handtasche eine Tupperdose mit Nüsschen und hält sie Kim Cattrall hin, die ja eigentlich immer gern und gierig nach Nüssen greift. Dann betritt der Juniorchef der Steiner-Studios den Laufsteg, bittet kurz um die Aufmerksamkeit der Berühmtheiten, und alle vier schauen zu ihm hoch. Der Junior sagt, er habe seine Freundin Rachel als Statistin hier untergebracht, sie sitze da drüben in Reihe zwei, und darauf sei er sehr stolz, denn Rachel habe schon ewig davon geträumt, einmal bei "Sex and the City" dabei zu sein. Und nun, große Überraschung, geht er vor Rachel in die Knie und fragt, ob sie ihn heiraten wolle.

Wie geht es weiter mit den Freundinnen?

Wie passend! "Sex and the City" war eine der erfolgreichsten Fernsehserien des vergangenen Jahrzehnts; darin vögelten und/oder liebten sich vier Freundinnen durch New York, die eine (Kristin Davis) mehr, die andere (Kim Cattrall) eher weniger romantisch veranlagt, und als die Serie vor drei Jahren zu Ende ging, hatte jede der vier ihren Mr Right gefunden. Nun also wird eine Fortsetzung gedreht- im Mai 2008 soll "Sex and the City" ins Kino kommen. Die Frage ist natürlich: Wie geht es weiter mit den nun definitiv erwachsenen Freundinnen Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha? Hält das Glück im Mittelalter? Treten Carrie und Herr Big nun vor den Altar, der ihr ja nach sechs Staffeln On-and-off-Beziehung endlich seine Liebe gestand?

Sie sind sehr diskret bei "Sex and the City", wer an das Set darf, muss Zeichen deuten. Und heute, nach dem Heiratsantrag in der Drehpause, scheint es erst einmal, als seien die Rollen im wahren Leben ähnlich verteilt wie in der Serie. Die Damen spielen sich selbst. Kristin Davis, die als bieder-verlegene Charlotte trotz aller Gegenbeweise an das Gute im Mann glaubt, springt auf und hält sich die Hände vor den sprachlosen Mund; "Uhhh!", mehr bringt Davis nicht heraus, als Rachel "yes" sagt. Auch Sarah Jessica Parker schießt aus dem Sitz, die als Carrie smart und sexy, aber, was die Männer angeht, immer etwas unsicher ist. Sie faltet die Hände zum Gebet und wackelt mit dem Oberkörper hin und her, als würde sie jemand durchkitzeln; "It! Was! Wonderful!", juchzt sie.

Bei Cynthia Nixon regt sich nicht viel, ein höfliches Lächeln, ein spöttischer Applaus; als dauerpragmatische, auf keinen Fall jemals gefühlsduselige Miranda würde sie nicht anders reagieren. Und Kim Cattrall zaubert kurz ein breites Grinsen in ihr Gesicht, das ähnlich professionell wirkt wie jenes, das sie als PR-Queen Samantha Jones aufsetzt, wenn die einen Auftrag will. Oder einen Mann.

Streitereien um Millionengagen

Um Kim Cattrall gab es ja ein bisschen Theater. Zuerst hieß es immer wieder, der Film könne nicht gedreht werden, da Miss Cattrall absurde Vorstellungen habe zum Thema Gage. Nun, da der Film gedreht wird, heißt es immer wieder, sie werde von den drei Kolleginnen geschnitten, sobald die Kamera aus sei. Heute allerdings hocken die Damen mehr oder weniger einträchtig zusammen; einmal, in einer Pause, verlässt Cattrall die Runde - da sind neben Parker auch Davis und Nixon mit ihren Blackberrys zugange; ob sie sich gegenseitig Mails schreiben? Sie habe es beängstigend gefunden, sagt Cattrall, diesen Film zu drehen, "nachdem wir auf dem Höhepunkt aufgehört hatten. Und wenn wir uns noch mal darauf einlassen sollten, dann musste Geld ein Thema sein". Angeblich sind es sechs Millionen Dollar, die Cattrall erhielt, mehr als Nixon und Davis, die je zwei Millionen bekommen haben sollen, und weniger als Parker, bei der von 15 Millionen die Rede ist. Aber Parker ist auch Co-Produzentin, sie bewegte sich schon immer in anderen Geldsphären.

Am Mittag sitzt Sarah Jessica Parker im Schneidersitz auf dem Boden, sie trägt ein graues Jackett und schwarze Jeans und sagt, der Film sei eine "wundervolle Bürde". Bei ihr ist alles wonderful, wahlweise gorgeous (hinreißend), was nicht a lot of fun (viel Spaß) ist. Sie habe viel Spaß daran, all die Designerkleider anzuprobieren, die Carrie trägt. Dass sie und die Damen wieder zusammenarbeiten, und überhaupt, das ganze Team - wundervoll. Und die neue Kollegin Jennifer Hudson, die einen Oscar gewann für die beste Nebenrolle in "Dreamgirls" und nun ihre Assistentin spielt - hinreißend.

Sarah Jessica Parker ist ein nettes All American Girl, das mit "Sex and the City" zum Star wurde. Sie redet noch immer wie ein All American Girl, und sie sagt, dass der Star des Films die Stadt New York sei, die ja größer ist als jeder und alles andere. Parker wohnt in Greenwich Village, "und es gibt so viele Menschen hier, die um ihr Überleben kämpfen und denen es egal ist, was für ein Bohei um unseren Film gemacht wird", sagt sie. "Es ist ja schön, dass uns die Leute auch nach drei Jahren noch anziehend finden, aber wenn wir auf der Straße drehen, haben wir da Hunderte von Fans, Hunderte von Paparazzi - und einen Polizisten. Ich schaue meistens auf den Boden, weil es schwierig ist, wenn man sich umsieht, und alle drehen durch."

Wer wartet am Altar auf Carrie?

Und alle wollen wissen, wie es weitergeht. "Wir drehen eine Szene, und abends schalte ich dann zu Hause ein Klatschmagazin ein", sagt der Drehbuchautor Michael Patrick King, "und da sehe ich die Paparazzifotos, anhand derer mir erklärt wird, was wir angeblich heute gedreht haben." King, der mit seinem kleinen Kopf und seinen großen Augen ein bisschen aussieht wie Oskar Matzerath in dem Film "Die Blechtrommel", sagt, seine Story sei geheim, aber, so viel dürfe er verraten: "Sex and the City", der Film, spielt 2008, die vier Damen sind also vier Jahre älter und reifer, "und natürlich geht es auch um Sex. Aber Frauen um die 40 schleppen sich keine Jungs mehr ab für eine Nacht, oder?" Charlotte wohl nicht, sie ist endlich schwanger; Kristin Davis läuft hier mit einem Film-Babybauch rum, den sie pausenlos streichelt, als sei sie tatsächlich in anderen Umständen. Und Miranda lebt noch immer mit Mann und Sohn in Brooklyn, und noch immer hasst sie Brooklyn. Und Samantha ist nach Los Angeles gezogen und kommt zur Fashion Week nach New York. Carrie arbeitet an ihrem dritten Buch, "sie hat sich zurückgezogen, aber heute gehen wir vier endlich wieder zusammen aus!", sagt Sarah Jessica Parker.

Auf Fotos sieht man Carrie in einem Brautkleid von Vivienne Westwood vor der St.-Patricks-Kathedrale - wer wartet da am Altar auf sie, Mr Big? "Nun, da ist ein Schritt, den die beiden machen", sagt King, "aber wer weiß? Vielleicht hat Carrie das mit der Kirche ja auch nur geträumt?"

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