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Sienna Miller: Vorsicht! Diese Frau ist ein Kunstwerk

Sie war Andy Warhols gefeierter Superstar. Dann stürzte sie ab. Der Film "Factory Girl" erzählt die verrückte, rasante, tragische Lebensgeschichte von Edie Sedgwick. In der Hauptrolle: Sienna Miller. It-Girl spielt It-Girl. Geht es perfekter?

Von Oliver Fuchs

Manche Leute haben so viel Glück, dass man es im Kopf nicht aushält. Edie Sedgwick zum Beispiel. Sie war anbetungswürdig schön, dazu reich, talentiert, cool, gebildet, lustig. Haben wir noch was vergessen? Ach ja, sie hatte diese ganz besondere Gabe. Jeder, dem sie begegnete, verliebte sich auf der Stelle in sie. Ein Augenaufschlag genügte. Ein Fingerschnipsen. Ein Lippenkräuseln.

Sogar der sozial verkorkste, asexuelle Andy Warhol ist verzaubert, als er Sedgwick 1965 auf einer Party in New York kennenlernt. Ein paar Tage später besucht sie ihn in seiner Kunstfabrik "The Factory", wo lauter exaltierte Gestalten herumlungern, Möchtegernmaler, Möchtegernmusiker, Freaks, Drogensüchtige, die alle darauf warten, dass Warhol sie zum Star macht. Aber er sagt zu Edie: "Come on, let's make a movie", Kamera läuft. Sie lacht.

Aber was soll ich denn machen?
Sei einfach du selbst: Edie!
Okay, aber welche Edie?
Sedgwick ist 21 Jahre alt und hat noch nie vor einer Kamera gestanden. Die Aufnahmen werden trotzdem großartig. Typisch Edie: von nichts eine Ahnung, aber in allem weltklasse. Nach außen strahlt sie, aber innerlich ist sie erloschen. Am ersten Abend starrt Warhol sie minutenlang an, fasziniert, elektrisiert, als stünde ein Dinosaurier vor ihm: "Oh mein Gott, ich habe noch nie ein Mädchen mit so vielen Problemen gesehen!"

Miller ist die perfekte Besetzung

So beginnt der Film "Factory Girl", der am 6. August, pünktlich zu Andy Warhols 80. Geburtstag, in die Kinos kommt. Sienna Miller spielt die Frau, für die Warhol den Begriff "Superstar" erfand. Miller ist die perfekte Besetzung. Fast noch charmanter und kapriziöser als das Original-Factory-Girl. Sie legt alle Schichten von Sedgwicks widersprüchlichem Wesen frei, ihre Lebensgier und Gebrochenheit und Todessehnsucht. Also: Sienna Miller Superstar?

Mal abwarten. Im Moment genügt ja die Feststellung, dass sich hier eine Frau, von der niemand so richtig weiß, was sie eigentlich von Beruf ist - Model, Modeschöpferin, Männerfresserin, Klatschspalten- Existenz? -, endlich als Schauspielerin Respekt verschafft. Mit ihren Auftritten in "Layer Cake", "Alfie" und "Casanova" ist ihr das jedenfalls nicht so richtig gelungen. Da durfte sie nur jeweils ein paar Szenen aufhübschen, als Betthäschen von Daniel Craig beziehungsweise Heath Leadger beziehungsweise Jude Law. Durch die turbulente On-off-Beziehung mit Letzterem wurde sie überhaupt erst einem größeren Publikum bekannt: verliebt, verlobt, zerstritten, wieder zusammen, erneut verkracht - ein herrliches Durcheinander. Danach hüpfte Miller nonchalant von Affäre zu Affäre. Gerade ruiniert sie die Ehe des Ölmillionenerben und vierfachen Kindsvaters Balthazar Ghetty. Seine Noch-Frau wird wohl nicht begeistert gewesen sein, als ihr kürzlich Sienna Miller die knabenhaften Brüste aus der Zeitung entgegenstreckte, daneben Ghetty, kniend, in Badehose, auf einer Yacht vor Italiens schöner Amalfiküste.

Im Leben von Edie Sedgwick gab es nur zwei prägende Männer, ihren Vater und Andy Warhol. Der eine war ein manischdepressiver Tyrann, der seine Kinder abwechselnd quälte, ignorierte und sexuell missbrauchte; zwei von Edies Brüdern begingen Selbstmord. Es muss ein Aufatmen für sie gewesen sein, eine Befreiung, der reichen, kaputten Familie zu entkommen. New York! Partys! Glamour!

"Poor little rich girl"

Edie trifft Andy. Gemeinsam hechten sie von Party zu Party, das Leben ein einziger champagnersprühender Rausch. Er: krankhaft schüchtern, pockenvernarbt, calvinistisch bis auf die Knochen. Sie: flatterhaft, übermütig, vergnügungssüchtig. Ihre Tage beginnen mit Amphetaminen als Wachmacher, und sie enden mit Amphetaminen als Schlafmittel. "Drogen sind wie Erdbeeren", sagt Edie.

Edie und Andy: Da haben zwei sich gesucht und gefunden. Sie wird die First Lady am Hofe Warhols. Er filmt sie beim Aufwachen. Er filmt sie beim In-der-Küche- Sitzen. Kamera an, sie muss nichts machen, einfach Edie sein. Aber wer ist Edie? "Poor little rich girl" nennt er sie (und den ersten gemeinsamen Film). Armes reiches Mädchen.

Die Freundschaft hält ein knappes Jahr. Oder sollte man besser sagen: das Arbeitsverhältnis? Beides gehört ja untrennbar zusammen in der "Factory". Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Hippie- Kindergarten, ist in Wirklichkeit eine Art Überwachungsstaat. Warhol, der große Kunst-Diktator, regiert mit harter Hand. Er macht absolute Nobodys zu Stars. Wenn sie dann beginnen, ihn zu langweilen, wirft er sie weg wie ein benutztes Taschentuch.

"Factory Girl"

Verliert Andy also irgendwann das Interesse an Edie? Kaum anzunehmen. Dazu ist sie zu unterhaltsam. Eher ärgert sich der eifersüchtige Warhol wohl darüber, dass sie irgendwann zu viel Zeit mit Bob Dylan verbringt - diesen Schluss legt jedenfalls der Film "Factory Girl" nahe. Oder es wurmt ihn, dass alle Welt über Edie redet, sich wie Edie anzieht, ihr zu Füßen liegt. Vielleicht ist Sedgwicks bloße Existenz eine Provokation für Warhol, den Arbeiterklassejungen, der schuften musste, um nach oben zu kommen, und jetzt keine Göttin neben sich duldet - nicht einmal wenn er sie selbst geschaffen hat. Am Ende lässt er Edie fallen. Und sie stürzt in einen Albtraum aus Elend und Verzweiflung.

Von der Factory verstoßen, von der Familie enterbt, von allem Glamour verlassen, landet sie ganz unten. Nervenheilanstalt, Elektroschocks. Die erhoffte Modelkarriere scheitert, auch ihre Hollywoodträume zerbröseln. Edie müsste jetzt arbeiten, sich anstrengen - aber wie denn? Ihr ist doch immer alles zugeflogen. Sie weiß gar nicht, wie das geht: Kunst machen. Das Kunstwerk war sie doch immer selbst. Irgendwann prostituiert sie sich, um an den nächsten Heroinschuss zu kommen.

Auch wenn man noch nie irgendwas von Sedgwick gehört hat, kommt einem das alles ziemlich bekannt vor. Es scheint, als hätte sie die Blaupause geliefert für den selbstzerstörerischen Lebensstil, mit dem all die Lindsaylohans und Petedohertys und Amywinehouses heute Schlagzeilen produzieren. Wobei Sedgwick auch im Niedergang noch mehr Stilbewusstsein im kleinen Finger hatte als all die Gegenwarts-Kaputtniks zusammen. Paparazzi-Fotos oben ohne? Gar unten ohne? Gott bewahre! Edie verließ das Haus fast nie ohne schwarz-weiß geringeltes Oberteil und ihre berühmte blickdichte Strumpfhose. "Seit Hamlet", schrieb 1966 das Magazin "Life", "hat niemand mehr so viel für die Strumpfhose getan wie Edie Sedgwick."

Ein It-Girl, wie Edie Sedgewick eins war

Die ergreifendste Szene in "Factory Girl", das ist die, in der Edie am Ende in einem Café auf Andy zugeht und ihn zur Rede stellt. Sie ist so zerstört, dass sie kaum noch sprechen kann. Du schuldest mir Geld, lallt sie. Andy sagt, Schätzchen, was hast du bloß, ich hab dir doch 50 Dollar gegeben. Sie schluchzt und wimmert. Sie brüllt. Sie verliert die Kontrolle, aber nicht die Contenance. Ein Wutanfall mit unendlicher Grazie.

Mag sein, dass erfahrene Schauspielerinnen wie Cate Blanchett oder Nicole Kidman diesen Ausbruch noch einen Tick virtuoser gestaltet hätten. Aber irgendwie ist man dann doch froh, dass Sienna Miller die Rolle bekommen hat. Weil sie ein It-Girl ist, so wie Edie Sedgwick eins war. Aus wohlhabendem Elternhaus, vom Glück reich beschenkt, mit ausschweifendem Sozialleben. Sienna ist genauso süchtig nach Fotos von sich selbst wie Edie, wobei sie offenbar barbusige Wackelbilder bevorzugt. Noch sind bei Miller keine Anzeichen von Verfall zu erkennen. Aber so was geht schnell. In beinah jeder Szene ist ihre Angst vorm Verschwinden spürbar. Was, wenn sie plötzlich keiner mehr halbnackt sehen will? Was tun, wenn da plötzlich nichts mehr ist außer Dunkelheit und Leere? Dann hilft auch das verführerischste Lippenkräuseln nichts.

Edie Sedgwick ist bester Laune, als sie am 15. November 1971 auf eine Party in Santa Barbara, Kalifornien, geht. Ihr Zustand scheint sich stabilisiert zu haben. Sie stirbt noch in derselben Nacht an einer Überdosis Tabletten, mit 28 Jahren. Der Mann, den sie kurz zuvor überstürzt geheiratet hat, findet sie kalt im Bett neben sich. Es ist ein klarer Novembermorgen. Armes reiches Mädchen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(