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Thronwechsel in Spanien: König Juan Carlos dankt ab

Mit dem Tod Francos am 20. November 1975 war der Weg für die Thronbesteigung durch Juan Carlos frei. Nun dankt Spaniens König ab. Dies kündigte Ministerpräsident Mariano Rajoy an.

Der spanische König Juan Carlos hat sich überraschend nach fast 40 Jahren zur Abdankung entschlossen. Der 76-jährige Monarch teilte seine Entscheidung dem Ministerpräsidenten Mariano Rajoy mit. In einer "institutionellen Erklärung" gab der Regierungschef am Montag in Madrid bekannt, dass der König das spanische Volk in Kürze persönlich über die Gründe seiner Entscheidung informieren werde.

Kronprinz Felipe werde neuer König. Juan Carlos hat seit langem gesundheitliche Problem. Seine Popularität hatte zuletzt durchmehrere Skandale gelitten. Der Finanzskandal um seine jüngste Tochter Cristina und Schwiegersohn Iñaki Urdangarin und die Elefantenjagd während einer Luxussafari beschädigten das Ansehen der Monarchie. Die Entscheidung des Königs traf die Spanier dennoch völlig überraschend. Der Monarch hatte eine Abdankung bislang strikt ausgeschlossen. Sein Sohn wird nun Felipe VI.

Neues Gesetz notwendig

Damit eine Abdankung wirksam und der Thronfolger zum neuen König gekrönt werden kann, muss allerdings noch eine Nachfolge-Regelung vom Parlament verabschiedet werden. Eine Abdankung des Monarchen ist im spanischen Rechtssystem bislang nicht vorgesehen. In der Verfassung wird dazu auf ein gesondertes Gesetz verwiesen, das aber bisher nicht verabschiedet wurde.

Rajoy kündigte eine Sondersitzung des Kabinetts an, um das gesetzgeberische Verfahren in die Wege zu leiten. "Ich hoffe, dass das Parlament in kurzer Frist den Kronprinzen zum neuen König ernennen kann", sagte der Regierungschef. Er würdigte Juan Carlos als einen "unermüdlichen Verteidiger" spanischer Interessen. Der Prozess der Abdankung werde ein Beweis für die Reife der spanischen Demokratie sein, sagte er.

Prinz Felipe übernimmt

2012 hatte der König für Empörung gesorgt, als er inmitten der heftigsten Wirtschaftskrise in Spaniens Geschichte für eine teure Elefantensafari nach Botsuana reiste. Zudem beschädigte ein Korruptionsskandal um seinen Schwiegersohn das Ansehen der Königsfamilie. Im Februar musste Infantin Cristina in Palma de Mallorca vor Gericht erscheinen - ein für die spanische Monarchie beispielloser Vorgang. Sie steht im Verdacht, in Steuer- und Geldwäschevergehen ihres Ehemanns, des früheren Handballspielers Iñaki Urdangarin, verwickelt zu sein.

Gesundheitsprobleme von Juan Carlos befeuerten die Debatte über eine mögliche Abdankung den Königs. Seit Mai 2010 musste er neun Mal operiert werden. Ihm wurde ein gutartiger Tumor aus der Lunge entfernt, außerdem wurde er am Knie und mehrfach an der Hüfte operiert, weshalb er zwischenzeitlich nur an Krücken laufen konnte.

Prinz Felipe überstand die Turbulenzen im Königshaus dagegen relativ unbeschadet. Obwohl er distanzierter wirkt als sein lockerer Vater, war seine Popularität zuletzt stetig gewachsen. Bislang führt der hochgewachsene 46-Jährige mit seiner Frau Letizia, einer ehemaligen Nachrichtenmoderatorin, und seinen Töchtern Leonor und Sofia ein relativ normales und bescheidenes Leben. Zuletzt hatte Felipe aber bereits einige Aufgaben von seinem gesundheitlich angeschlagenen Vater übernommen. Im Oktober nahm er erstmals die traditionelle Militärparade zum spanischen Nationalfeiertag ab.

Spaniens Kronprinz Felipe ist nach Überzeugung der Regierung bestens vorbereitet, nach der Abdankung seines Vaters Juan Carlos den Thron zu besteigen. "Er ist eine solide Garantie dafür, dass er bei der Ausübung seines Amts als Staatschef die Erwartungen erfüllen wird", sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag in Madrid. "Davon bin ich fest überzeugt."

Felipe sei gut ausgebildet, habe eine große Erfahrung in öffentlichen Angelegenheiten und sei auch vom Charakter her bestens für die Aufgabe vorbereitet. Er hat in Madrid Jura studiert und in den USA einen Master in Internationalen Beziehungen gemacht. Zudem ist er Offizier des Heeres, der Luftwaffe und der Marine.

ivi/Reuters/AFP / Reuters