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Tod von Natasha Richardson: Haben die Notärzte gepfuscht?

Natasha Richardson ist an einer Hirnblutung gestorben. Das hat die Autopsie ergeben. Unterdessen werden schwere Vorwürfe gegen die zu Hilfe gerufene Ambulanz laut. Denn wäre Richardson gleich behandelt worden, könnte sie noch am Leben sein.

Von Jens Maier

Natasha Richardson ist an einer Gehirnblutung gestorben. Todesursache sei ein "Blutgerinnsel in der Hirnhaut ausgelöst durch einen schweren Aufprall auf den Kopf", teilte eine Sprecherin der New Yorker Gerichtsmedizin am Donnerstagabend mit. Wäre die britische Schauspielerin nach ihrem Sturz sofort medizinisch behandelt worden, hätte sie nach Angaben von Ärzten eine Überlebenschance gehabt.

Während einer privaten Anfänger-Skistunde im kanadischen Skiort Mont Tremblant war die 45-Jährige am Montag gestürzt. Offenbar hat sie sich dabei eine schwere Kopfverletzung zugezogen, von der sie aber zunächst nichts bemerkt hatte. "Sie hat gelacht und Witze gemacht als sie zurück in ihr Zimmer gegangen ist", sagte Catherine Lacasse, Sprecherin des Skigebiets. Erst zirka eine Stunde nach dem Unfall habe Richardson über Kopfschmerzen geklagt und wurde erst dann ins Sacré-Coeur-Krankenhaus im 130 Kilometer entfernten Montreal eingeliefert.

Hirnblutung ist ein Wettlauf gegen die Zeit

Bis ein Patient die Symptome einer Gehirnblutung bemerkt, kann nach Angaben von Medizinern einige Zeit vergehen. Dann kann es unter Umständen für eine Behandlung aber schon zu spät sein. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte Professor Manfred Westphal vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf zu stern.de. "Eine Hirnblutung ist von außen nicht zu erkennen. Deshalb wird bei solchen Patienten in der Regel eine Computertomographie durchgeführt", beschreibt er die Behandlung von Patienten mit Verdacht auf einen Kopfaufprall.

Eine solche Untersuchung ist bei Richardson nicht sofort erfolgt. Eine Ambulanz, die zu dem Unfall an die Piste gerufen worden war, ist nach Informationen kanadischer Medien wieder zurückgeschickt worden mit der Begründung, sie werde nicht gebraucht. Ob Richardson selbst sie weggeschickt hat, ist bisher unklar. "Die Notärzte haben die Patientin nicht untersucht", sagte der Leiter der Ambulanz von Mont Tremblant, Yves Coderre, der Zeitung "Toronto's Globe and Mail".

Nach Angaben des Ski-Ressorts sei Richardson zwei Mal aufgefordert worden, sich medizinisch untersuchen zu lassen. Richardson habe dies zunächst abgelehnt. Diese Entscheidung könnte sie das Leben gekostet haben, schreibt die britische Tageszeitung "Times". Ob die Sanitäter sie allerdings auch über die möglichen schwerwiegenden Folgen aufgeklärt haben, ist bisher nicht bekannt. Sollte dies der Fall sein, ist den Notrettern wohl kein Vorwurf zu machen.

Erst als Richardson eine Stunde später über Unwohlsein klagte, sei sie auf Drängen des Skilehrers und der Pistenwache zum Arzt gegangen. Vom Sturz bis zu ihrer Einlieferung in das Krankenhaus in Montreal sollen insgesamt vier Stunden vergangen sein.

Debatte um Helmpflicht entbrannt

Richardson erlag am Mittwochabend im Lenox-Hill-Krankenhaus in New York ihren schweren Verletzungen. Ehemann Liam Neeson hatte sie in einem Privatjet dorthin überführen lassen. Vor ihrem Tod nahmen Neeson, ihre Mutter Vanessa Redgrave und die beiden Söhne Michael, 13, und Daniel, 12 am Krankenbett von ihr Abschied. Ob die Familie Klage gegen die zu Hilfe gerufene Ambulanz einreichen wird, ist bisher unklar.

Der tödliche Skiunfall hat auch in Kanada die Debatte um eine Helmpflicht auf Skipisten angeheizt. Richardson trug bei ihrem Sturz auf der flachen Piste keinen Helm. Ein Sprecher des Sportministeriums in Québec sagte am Donnerstag, die Behörden würden die Einführung einer Helmpflicht prüfen. Dabei ist allerdings unklar, ob ein Helm im Fall Richardson die schlimme Kopfverletzung verhindert hätte.

Neeson bricht Dreharbeiten ab

Ehemann Liam Neeson hat nach dem plötzlichen Tod seiner Frau alle Drehbeiten abgebrochen. Wie das Filmblatt "Hollywood Reporter" berichtete, sind die Dreharbeiten zu seinem jüngsten Film "Chloe" vorübergehend eingestellt worden. Neeson stand an der Seite von Julianne Moore und Amanda Seyfried unter der Regie von Atom Egoyan ("Wahre Lügen") in Toronto vor der Kamera, als ihn am Montag die Nachricht von dem schweren Skiunfall seiner Frau erreichte.