VG-Wort Pixel

Peinlich Ali Stroker erhält als erster Mensch im Rollstuhl einen Tony Award - und kann nicht auf die Bühne kommen

Ali Stroker bei den Tony Awards
Ali Stroker auf der Bühne der Tony Awards. Bei ihrer Auszeichnung musste sie von hinten auf die Bühne gebracht werden.
© Charles Sykes / DPA
Mit ihrer Dankesrede rührte sie die Zuschauer zu Tränen: Ali Stroker gewann am Sonntagabend bei der Verleihung der Tony Awards den Preis als beste Darstellerin. Das Besondere: Sie sitzt im Rollstuhl. Welche Probleme damit verbunden sind, zeigte die Veranstaltung auf peinliche Weise.

In Cowboystiefeln, mit Jeansrock und einem engen, roten Top sieht sie aus wie ein echtes Countrygirl: Ali Stroker spielt die Hauptrolle in der Broadway-Neuauflage des Musicals "Oklahoma". Die 31-Jährige verkörpert die Rolle der "Ado Annie", einer becircenden und attraktiven jungen Dame, die gerne mit den Cowboys flirtet. Keine Besonderheit für eine junge Schauspielerin - wäre da nicht ein ungewöhnliches Detail: Stroker spielt die Rolle im Rollstuhl. Sie ist von der Wirbelsäule abwärts gelähmt.

Bei der Verleihung der Tony Awards, des wichtigsten US-amerikanischen Theaterpreises, wurde Stroker am Sonntagabend mit dem Preis als beste Darstellerin in einem Musical geehrt. Die aus New Jersey stammende Frau ist damit der erste Mensch in einem Rollstuhl, der mit diesem Preis ausgezeichnet wird. In ihrer Dankesrede machte sie deutlich, wie wichtig ihr der Preis ist - und für alle Menschen mit Behinderung.

Ali Stroker macht Behinderten Mut

"Dieser Preis ist für jedes Kind mit einer Behinderung oder Einschränkung, das heute Abend zuschaut und darauf gewartet hat, sich in dieser Halle vertreten zu sehen", sagte Stroker in der Radio City Music Hall und erhielt dafür viel Applaus. Die Schauspielerin ist seit einem Autounfall im Alter von zwei Jahren von der Wirbelsäule abwärts gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Obwohl die Rolle der "Ado Annie" nicht auf eine Frau im Rollstuhl ausgelegt ist, erhielt das Engagement.

In Interviews forderte Stroker, dass Broadway-Theater offener für Menschen mit Behinderung sein müssten - und zwar nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne. "Ich möchte Theaterbesitzer und Produzenten bitten zu prüfen, wie sie den Backstage-Bereich zugänglich machen können, damit Künstler mit Behinderung sich dort ohne Einschränkung bewegen können", sagte sie.

Kein Rollstuhlzugang zur Bühne

Wie schwierig es für behinderte Menschen am Broadway ist, wurde während der Show deutlich. "Oklahama" wurde ebenfalls mit einem Tony Award ausgezeichnet - als Beste Wiederneuaufnahme eines Musicals. Alle Beteiligten kamen auf die Bühne - bis auf Ali Stroker. Der Grund: Es gab schlicht keine Rampe, die sie aus dem Zuschauerraum heraus hätte benutzen können. Für ihre eigene Auszeichnung musste sie durch einen Hintereingang auf die Bühne gefahren werden.

mai

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker