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"Kinky Boots" in Hamburg: Sexy und intelligent – diese hohen Hacken nehmen es mit Trump und AfD auf

Cindy Lauper kam als Ehrengast: Das Musical "Kinky Boots" feierte am Sonntagabend an der Hamburger Reeperbahn Premiere. Das Stück um Schuhfabrikerbe Charlie Price und Drag Queen Lola ist intelligent und sexy.

Kinky Boots Premiere in Hamburg

Die Darsteller des Musicals "Kinky Boots" während der Deutschland-Premiere auf der Bühne in Hamburg

Cyndi Lauper betritt den Saal als Letzte. Unter dem Beifall des Publikums nimmt die Sängerin mit den rosafarbenen Haaren ihren Platz im Operettenhaus an der Hamburger Reeperbahn ein. Nicht in der ersten Reihe, neben Promis wie Natascha Ochsenknecht oder Jenny Elvers, sondern unauffällig am Rand von Reihe zwölf. Lauper ist nach Hamburg gekommen, um bei der Premiere ihres Musicals "Kinky Boots" dabei zu sein. "Das war fabelhaft" wird sie hinterher über die deutsche Erstaufführung sagen. Und das trotz der gewöhnungsbedürftigen Eindeutschung ihrer Songs.

"Kinky Boots" feierte am Sonntagabend im Hamburger Operettenhaus Premiere. Nach etlichen deutschen Produktionen ("Hinterm Horizont", "Rocky") setzt Veranstalter Stage Entertainment wieder auf eine Lizenzproduktion vom Broadway. "Kinky Boots" läuft seit 2013 erfolgreich in New York. Das Stück von Harvey Fierstein (Musicallibretto) und Cyndi Lauper (Musik und Liedtexte) gewann konnte bereits sechs Tony Awards gewinnen, darunter eine Auszeichnung als "Bestes Musical". Doch kann auch die deutsche Version überzeugen?

"Akzeptiere jemanden so, wie er ist"

Die Handlung hält sich ans Original: Charlie Price erbt die vor der Pleite stehende Traditionsschuhfabrik seines Vaters. Als er zufällig in London der extrovertierten Drag Queen Lola begegnet, kommt ihm die Idee zur Rettung: Er will das Sortiment auf Damenschuhe für Herren umstellen - "Kinky Boots". Die Mitarbeiter können sich nur schwer an den Gedanken gewöhnen, künftig Stilettos mit Stahlabsatz für Männer herzustellen. Als Charlie Drag Queen Lola als Chefdesignerin in die Provinz holt, beginnt eine humorvolle und zugleich bewegende Geschichte um Vorurteile, Akzeptanz und Freundschaft.

In Zeiten von Donald Trump und AfD scheinen die "Kinky Boots" von Drag Queen Lola und ihren "Angels" umso heftiger aufstampfen zu müssen. "Akzeptiere jemanden so, wie er ist", lautet Lolas Forderung. Doch keine Angst, trotz Botschaft und Tiefgang kommt auch bei diesem Musical die Unterhaltung nicht zu kurz. Dank der Musik von Lauper wird das Stück zur großen Party. Und manch ein Zuschauer wird sich selbst an der Reeperbahn verwundert die Augen reiben, wenn er die "Angels" in Frauenklamotten auf ihren High Heels sieht. Sind das wirklich Männer mit diesen endlos langen Beinen? Ja, sind es. Wow!

"Kinky Boots": Witzig, sexy, verrucht

Um die Handlung verständlich zu machen, wurden sämtliche der 16 Songs ins Deutsche übersetzt. Das Ergebnis ist teilweise holprig. So wird aus "Sex Is In The Heel" ein schnödes "So'n Sexy Hohes Teil" und aus "What A Woman Wants" ein "Wovon Frauen Träumen". Doch wie bei der deutschen Version von "Mamma Mia" setzt die Gewöhnung schnell ein. Auch deshalb, weil in dem Musical nicht Laupers alte Hits wie "Girls Just Wanna Have Fun" oder "Time After Time" zu hören sind, sondern neue und eigens komponierte Stücke.

Hauptdarsteller Dominik Hees (Charlie Price) macht seine Sache gut, doch es ist Gino Emnes (Lola) zu verdanken, dass die deutsche Produktion mit Broadway und West End mithalten kann. Der in Den Haag geborene Sänger überzeugt mit Stimme und Schauspiel. Wie er in Kostümen und High Heels über die Bühne stöckelt, ist halsbrecherisch und atemberaubend. Er verkörpert diese extravagante und zugleich zerbrechliche Lola perfekt. Große Show. Mit "Kinky Boots" bekommt Hamburg neben den Disney-Familien-Musicals "Aladdin", "König der Löwen" und "Mary Poppins" endlich wieder ein Stück, das nicht einfach nur dem Mainstream gefallen will. Diese

"Kinky Boots" sind witzig, sexy, verrucht, aber trotzdem intelligent. Oder wie hatte Cyndi Lauper es schlicht genannt: Fabelhaft!

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