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TV-Kritik

"2017! Menschen, Bilder, Emotionen": Günther Jauch flötet, aber Hauptsache, den Lombardis geht es gut

Am Ende fasst Günther Jauch das Jahr traditionell noch einmal zusammen. 2017 also: Boris Beckers Geldprobleme, Sebastian Kurz' alternativlose Kanzlerschaft, Thorsten Schröders Ironman und den Lombardis ihr Wohlergehen.

Von Jan Zier

Günther Jauch Menschen Bilder Emotionen

Günther Jauch, hier noch ohne Flöte, gab sich bei "2017! Menschen, Bilder, Emotionen" gewohnt plaudrig

Am Ende versinkt das Jahr, das Leben dann doch wieder in Wehmut, Wohlwollen und Milde. Zieht man erst einmal Bilanz, ist kein Platz mehr für allzu viel Kontroverse. Aus, vorbei und lange her.

Nehmen wir zum Beispiel Boris Becker. Mit spricht er erstmals live im deutschen Fernsehen über die Pleitegerüchte, hieß es vor der RTL-Sendung "2017! Menschen, Bilder, Emotionen". Aber so ganz genau will der gütig gestimmte Familienvater der Nation, so ganz genau also will Günther Jauch dann doch nicht nachfragen. Und so raunt er zwar etwas von "enormen Summen", genaue Zahlen kommen dann aber doch keine auf den Tisch. "Sie wollen Zinsen im hohen zweistelligen Bereich, ich nicht, weil es anders ausgemacht war", sagt Becker unbekümmert. Aber: "Meiner Firma geht es gut, ich bin sehr beschäftigt, die Marke Boris Becker lebt", erklärt der Markenbotschafter, aber das hat er vorher ja auch schon gesagt.

Bei Günther Jauch kommt Becker damit durch

Der Abend ist halt einfach ein weiterer PR-Termin in seinem Leben. Lediglich gegen den Privatmann Becker laufe eben ein Insolvenzverfahren, sagt er - "aber die Uhr läuft für mich", so der Ex-Tennisspieler, und kommt bei Jauch damit auch durch. Der fragt lieber danach, wie es ist, 50 zu werden? ("Es hat verdammt weh getan"). Oder als ewig 17-jähriger Wimbledon-Sieger und "Nationaleigentum" in der Öffentlichkeit zu stehen? ("Ich habe mir dieses Leben ausgesucht"). Jauch ist einer, der auch lieber für seine sportlichen Heldentaten bewundert. "Ich möchte meine Rechnungen bezahlen", sagt Becker mit treuherziger Stimme, in einem Einspieler, der ihn an diesem Abend Mal um Mal ankündigt. Was am Ende bleibt, ist dagegen diese Erkenntnis: "Das kann man sich nicht vorstellen, Boris Becker zu sein."

Etwas in der Art könnte auch Walter Kohl, der Sohn des verstorbenen Alt-Bundeskanzlers, von sich behaupten: Vom Tod seines Vaters erfuhr er aus dem Radio, später bekam er im eigenen Elternhaus und vor laufender Kamera Hausverbot. Aber über all das ist er jetzt hinweg, er spricht nur von einem "Abschied in Würde" von Helmut Kohl, von Frieden und Ruhe und natürlich der Wiedervereinigung, seiner Mutter Hannelore - während alles andere "Schnee von gestern" sei. Von ihm wird man heute auch keine Vorwürfe mehr an Stiefmutter Maike Kohl-Richter hören. Es ist ein eher schweres Gespräch für den plaudrigen Günther Jauch.

Die Politik kommt aus Österreich

Der war zuvor schon en passant über den einzigen, echten Politik-Gast an diesem Abend hinweg getalkt, den österreichischen Außenminister (ÖVP). Dank der rechtspopulistischen FPÖ wird er wohl bald Österreichs jüngster Bundeskanzler werden wird. Wobei das böse R-Wort bei Jauch nicht fällt: Er nennt die FPÖ lieber "nicht sehr fremdenfreundlich" und Kurz antwortet ihm, dass die Koalition im Grunde alternativlos sei, weil die SPÖ, ähnlich wie vor kurzem noch die SPD in Deutschland, nach der Wahl eben lieber in die Opposition wollte. Und in Österreich hat die Große Koalition ja noch eine viel stärkere Tradition als in Deutschland.

Die Sache mit der Alternativlosigkeit leuchtet offenbar Jauch ein, zumal Kurz dann noch sagt: "Diese Regierung wird pro-europäisch sein". Dann kann man auch schon wieder übers Alter reden, Kurz ist ja erst 31 und war mit 24 schon Staatssekretär, mit 27 Außenminister.

Dazwischen singt Nena, die nicht gerne zurück blicken, aber auch nach 40 Jahren auf der Bühne keinesfalls aufhören will, was ein bisschen wie eine Drohung klingt. Oder es kommt eine Familie, deren Kind im Auto geboren wurde, deshalb tagelang "B 217" hieß und bei Geburtsort unter anderem "Auffahrt Hottenbergsfeld" in den Papieren stehen hatte.

Youtube-Stars wider Willen

Überlebende des Attentats von Las Vegas erzählen mit Tränen in der Stimme und eine Tierheilpraktikerin aus Hamburg, deren Auto bei den Krawallen rund um den G20-Gipel abgefackelt wurde, fordert indirekt ein bisschen den Rücktritt von Bürgermeister Olaf Scholz, von dem sie sich "verarscht" fühlt.

Der Tagesschausprecher ist da, weil er dieses Jahr den Ironman-Triathlon in Hawaii geschafft hat, dazu der Sieger Patrick Lange, der glaubt, in zwei Jahren könne auch einer wie Jauch soweit sein, das zu schaffen. Und dann noch das unfassbar coole Ehepaar Ehrentraut, er 70, sie Mitte 60, die brillant gut Boogie Woogie tanzen können und deshalb 65 Millionen Mal bei YouTube angeklickt wurden, obwohl sie von dem Video selbst anfangs gar keine Ahnung hatten.

Selbstverständlich kommt aber auch in dieser vielstündigen Sendung das wichtigste zum Schluss: Das Comeback des Jahres - also die Kelly Family - die mit dem Flötisten Günther Jauch in vorweihnachtlicher Stimmung "Stille Nacht" vortragen und 2018 wieder gemeinsam auf Tour gehen. Und natürlich - Trommelwirbel! - die Ex-DSDS-Sternchen Sarah und Pietro Lombardi! Die gute Nachricht: Sie sind wahnsinnig stolz auf sich und ihr Kind, mit dem sie zusammen Weihnachten feiern. Die schlechte Nachricht: Sie sind nicht wieder zusammen. Gemeinsames Sorgerecht: Ja. Aber: "Mehr ist da nicht!"

Gut, dass wir das in diesem Jahr noch klären konnten.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo