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Trauerfeier am Dienstag: Michaels letzter Moonwalk

Endlich stehen die Modalitäten für die große Gedenkfeier zu Ehren von Michael Jackson am Dienstag fest. 17.500 Fans haben die Chance auf eine Karte und können sich im Internet registrieren. Allerdings weiß noch niemand, wer das Riesenspektakel bezahlen soll.

Von Frank Siering, L.A.

Eigentlich soll Amerika an diesem Wochenende seinen Unabhängigkeitstag feiern. Doch das traditionelle "Fourth of July"-Wochenende avanciert zum letzten großen Michael-Jackson-Spektakel. Mit einer eigens einberufenen Pressekonferenz kündigten Sprecher des toten Popstars und Vertreter der Stadt Los Angeles an, dass am kommenden Dienstag die große Gedenkfeier für Michael Jackson im Staples Center stattfinden wird. "Die Fans sind der Grund, warum wir diese Veranstaltung abhalten", sagte Kenn Sunshine, Sprecher der Jackson-Familie.

Für die Fans wird es 17.500 Tickets geben - doch mehr als eine halbe Million wollen live vor Ort dabei sein. Eine Chance hat nur, wer sich unter www.stapelscenter.com im Internet registriert. Tim Leiweke, Chef des Veranstalters AEG, erklärt: "Bis Samstagabend können sich die Fans im Internet eintragen. 8750 Namen werden am Sonntag in einer Lotterie gezogen und erhalten jeweils zwei Tickets. 6500 Fans werden im Nokia-Center untergebracht, wo es eine Live-Übertragung der Veranstaltung geben wird.

Weiterhin wurde bekanntgegeben, dass es keine "Beerdigungs-Parade" durch die Stadt geben wird. Die Veranstaltung im Staples-Center wird live im Internet übertragen, weitere Tickets werden nicht mehr verkauft. Ein Sprecher des Los Angeles Police Departments warnte, dass Fans ohne gültiges Ticket noch nicht einmal in die Nähe des Staples-Centers gelassen werden.

Seit Tagen schwillt in den USA eine wahre Pilgerschar von Jacko-Jüngern an: Von Texas, Florida, Idaho und anderen Bundesstaaten machen sich Jackson-Imitatoren in glitzernden Army-Outfits mit ihren weißen Handschuhen und übergroßen Ray-Ban-Sonnenbrillen auf, um ihren musikalischen Gott noch einmal zu feiern.

"Hier war Michael glücklich"

Ihr erster Stopp ist Neverland. Und das, obwohl bereits seit zwei Tagen klar ist, dass es keine Feierlichkeiten auf dem Jackson-Anwesen geben wird. Der Santa Barbara County hatte dem Jackson-Clan keine Erlaubnis für eine Trauerfeier und für ein anschließendes privates Begräbnis erteilt. Dennoch pilgern immer mehr auch Jackson-Anhänger dorthin. "Wo sollte ich sonst sein im Moment?", fragt Kevin aus Texas. "Hier auf Neverland war Michael glücklich, hier will auch ich es sein." Das sieht auch Jenny aus Florida so: "Ich bleibe hier noch bis Sonntag, erinnere mich mit Liedern und Tänzen an Michael, dann fahre ich weiter nach Los Angeles."

Michaels Bruder Jermaine zog es ebenfalls nach Neverland. In einem Interview mit einem amerikanischen TV-Sender sagte er, dass "Neverland eine Bastion für Michael war, ein heiliger Ort, an den er immer gerne zurückkehrte. Es war sein Zuhause." Jermaine Jackson bestätigte, dass die Kinder von Michael ihren toten Vater im Krankenhaus noch einmal sehen durften. "Wir wollten es so, jetzt wissen sie alles, jetzt sind sie okay", erzählte ein sichtlich trauriger Jermaine.

Wer soll das bezahlen?

Währenddessen rüstet sich Los Angeles für Fan-Ansturm am Dienstag. Bürgermeister Antonio Villaragosa, gerade erst in eine zweite Amtszeit gewählt, hat sich für eine Woche nach Afrika abgesetzt. Vielleicht auch, weil der harsch in der Kritik stehende Politiker weiteren unangenehmen Fragen aus dem Weg gehen will.

So ist immer noch unklar, wer das Gedenkfest eigentlich bezahlen soll. Erst kürzlich hatte sich dieselbe Frage gestellt: Als die Los Angeles Lakers die NBA-Meisterschaft gewonnen hatten, sollte die traditionelle Parade durch die Innenstadt wegen der hohen finanziellen Belastung für die Stadt eigentlich ausfallen. Nur weil sich die Lakers selbst bereit erklärten, eine Millionen Dollar selbst zu bezahlen, kam diese dennoch zustande.

Prominente Freunde sollen helfen

Das Fest für Jackson dürfte sich in ähnlichen Preissphären bewegen, muss die Stadt zusätzliche Polizeikräfte einsetzen, Straßen absperren und Toiletten aufstellen. Derzeit wird angeblich hinter den Kulissen Spenden von Prominenten aus der Entertainment-Branche eingesammelt, um das finanzielle Risiko für den Steuerzahler zu mindern. So sollen Quincy Jones, Elizabeth Taylor, Diana Ross und andere enge Jackson-Freunde ihr Scheckbuch zücken.

Politisches Geplänkel

Was sich genau am Dienstag im Staples-Center abspielen wird, ist noch immer nicht ganz klar. Fest steht, dass sich die beiden Bürgerrechtler Al Sharpton und Jesse Jackson schon im Vorfeld darum streiten, wer die Nachrufe auf Jackson halten darf. Beide Männer sind gleichermaßen umstritten wie wohlgelitten in der African American Community. Viele Jackson-Fans fürchten nun, dass die Abschiedsfeier politisch instrumentalisiert werden könnte.