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Türck-Prozess: Keine Hinweise auf Würgesymptome

Ein medizinischer Gutachter hat im Prozess gegen Andreas Türck ausgesagt, es gebe keine Hinweise darauf, dass der EX-TV-Moderator das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer gewürgt habe. Die Verteidigung brachte indes einen weiteren Zeugen ins Spiel.

Im Vergewaltigungsprozess gegen Andreas Türck hat am Dienstag ein medizinischer Sachverständiger Angaben zu Alkohol- und Drogenkonsum sowie die Verletzungen der Nebenklägerin gemacht. Die Schilderungen der körperlichen Symptome von Katharina B. nach der angeblichen Vergewaltigung zeigten keine Hinweise darauf, dass sie von dem ehemaligen TV-Moderator gewürgt worden sei, sagte der Rechtsmediziner Hans-Werner Leukel. Die konsumierte Alkoholmenge passe zu B.s Aussage, sie sei vom Alkohol beeinflusst, aber nicht beeinträchtigt gewesen.

Zu den von B. und den Zeugen geschilderten Verletzungen sagte Leukel, die Beschreibungen seien zu laienhaft und allgemein. Die Polizei habe nicht kritisch nachgefragt. Zu B.s Angabe, Türck habe sie am Hals gefasst, herunter gezogen und gewürgt, sagte der Sachverständige, je mehr man jemanden mit der Hand nach unten drücke, desto weniger habe dies mit Würgen zu tun. Typische Symptome bei Würgeopfern seien Erinnerungslücken, Einnässen, Schluckbeschwerden und Stauungsblutungen um die Augen herum. Für all dies gebe es bei B. keine Hinweise. B.s Angabe, sie habe Funken gesehen, sei vage, dies könne auch bei einer kurzzeitigen Sauerstoffunterversorgung möglich sein, sagte Leukel. Eine Beule am Kopf, wie B. sie beschrieben habe, entstehe leicht, normalerweise aber nicht bei schwerer Gewalteinwirkung, dann gebe es eine Platzwunde.

Auch schwere Körperverletzung kommt in Frage

Die Staatsanwaltschaft erklärte, es komme auch eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung in Frage. Türck soll Katharina B. in der Nacht vom 24. auf den 25. August 2002 nach einem Barbesuch auf der Honsell-Brücke zu Oralsex gezwungen und ihren Kopf gegen das Geländer geschlagen haben. Seine Verteidigung führte an, dass B. an dem Abend betrunken gewesen sei und in den Tagen zuvor Drogen konsumiert habe. B. hatte den Vorfall nicht angezeigt, die Vorwürfe waren ans Licht gekommen, weil sie sich telefonisch einem Bekannten anvertraut hatte, dessen Telefon abgehört wurde. Weil die Staatsanwaltschaft erst Monate später Ermittlungen einleitete, gab es keine medizinische Untersuchung.

Leukel erklärte, bedauerlicherweise seien keine Blut-, Urin- und Haarproben genommen worden. Eine Haarprobe hätte problemlos auch Monate nach der Tat einen Überblick über eventuellen Drogen- oder Medikamentenkonsum verschaffen können, da B. lange Haare habe. Leukel sagte, nach der angegebenen Menge Alkohol, die B. an dem Abend getrunken habe, habe der Promillewert zum angeblichen Tatzeitpunkt entweder zwischen 0,68 und 0,87 (bei fünf Longdrinks) oder zwischen 1,12 und 1,34 Promille (bei sechs Longdrinks) gelegen. Einen Zahlenwert, ab dem die Wahrnehmung beeinträchtigt sei, gebe es nicht.

Die weiterer Zeuge vorgeschlagen

Die Verteidigigung die Vernehmung eines weiteren Zeugen. Dieser Mann sei am Abend des 25. August 2002 in dem Szene-Lokal dabei gewesen, in dem sich Türck und einer seiner Bekannten sowie das mutmaßliche Opfer vor dem Ausflug auf die Brücke aufgehalten hätten, hieß es in dem Beweisantrag von Türcks Rechtsanwältin Susanne Wagner.

Der Mann habe aber die Bar vorzeitig und verärgert verlassen, nachdem die beiden Frauen "total besoffen" gewesen seien. Die Bankkauffrau habe dabei verkündet, sie werde Türck "aufreißen". Die Staatsanwaltschaft kündigte an, sie werde eine Vernehmung des Mannes nicht blockieren.

DPA / DPA