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TV-Komiker Ricky Gervais soll Golden Globes aufmischen


Die Entscheidung dürfte so manchen Star zittern lassen: Der Komiker Ricky Gervais soll erneut die Golden Globes moderieren. Im vorigen Jahr hatte er auch große Namen nicht mit scharfen Sprüchen verschont. Und der Brite ist weiter bissig - wie er via Twitter bewies.
Von Frank Siering, Los Angeles

Kaum war die Nachricht draußen, da legte Ricky Gervais auch schon los. "Ich hab schon mit Billy Crystal gesprochen und ihm gesagt, dass er mein Holocaust- und mein Pädophilen-Material bei den Oscars nicht benutzen darf", twitterte der englische Hardcore-Komiker.

Gervais wird am 15.Januar die Golden Globes in Los Angeles moderieren. Zum dritten Mal steigt der Mann, dessen Humor so scharf schneiden kann wie ein Steakmesser, für die Rentnervereinigung der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) in den Ring.

Die Entscheidung war keine leichte, zumal Gervais im vergangenen Jahr mit seinen ungemein witzigen, aber stets unter die Gürtellinie zielenden Kommentaren Werbevertreter wie auch Prominente verärgert hatte.

"Nicht alle in der HFPA sind mit dieser Entscheidung einverstanden", bestätigt dann auch ein Mitglied der Vereinigung ausländischer Journalisten in Los Angeles auf Anfrage von stern.de.

Awards gegen Konzerte?

Gervais hatte sich im vergangenen Jahr nicht nur über Mel Gibsons Hang zum Antisemitismus und die Drogenvergangenheit des im Saale anwesenden Robert Downey Jr. lustig gemacht, auch nahm er ganz frech seinen Arbeitgeber, die HFPA, auf die Schippe. Er unterstellte der Organisation, Schmiergelder für Nominierungen anzunehmen.

Eine Vermutung, die in der Vergangenheit tatsächlich immer wieder für Aufregung gesorgt hat. Die HFPA besteht aus knapp 90 meist längst pensionierten Schreiberlingen und Hobbyjournalisten, die sich gerne von den Arbeitgebern der potentiellen Globe-Preisträger zu Business Class Flügen und exklusiven Hotelübernachtungen mit feinen Abendessen und kostenlosem Entertainment einladen lassen.

Christina Aguilera gab im vergangenen Jahr sogar ein Privatkonzert für Vertreter der HFPA in Los Angeles. Der Dank: eine Golden-Globe-Nominierung für Aguilera, Cher und "Burlesque", jenes quietschige Sony-Musical, das von den Kritikern als cineastisches Disaster zerrissen wurde.

Gervais polarisiert

Im vergangenen Jahr schreckte Gervais auch nicht davor zurück, sich über den Vorsitzenden der HFPA, Philip Berk, lustig zu machen, als er ihn vor versammeltem Publikum aufforderte, "von der Toilette runterzukommen und die Zähne wieder in den Mund zu setzen".

Keine Frage, Gervais, der Erfinder von Shows wie "The Office" und "Extras", polarisiert. Ursprünglich hatte er vielleicht auch deshalb "keine Lust mehr, die Globes noch einmal zu machen". - Aber nach diversen Meetings hinter verschlossenen Türen mit dem austragenden und quotenhungrigen Sender NBC ließ sich der Brite dann doch breitschlagen.

Gervais ist die zweite große Personalie, die dieser Tage aus Hollywood in die Welt schwappt. Die andere war die kurzfristige Auswechslung von Eddie Murphy als Oscar-Gastgeber. Er trat nach einem Skandal um den Produzenten und Murphy-Vertrauten Brett Ratner zurück und machte Platz für Crystal.

In Erwartung einer komödiantischen Großoffensive

Obwohl Gervais im Vorfeld verspricht, "dieses Mal zahmer zu sein", will ihm das in Hollywood niemand so wirklich abkaufen. Und warum auch? - Die Skandale des ablaufenden Jahres schreien geradezu nach einer komödiantischen Großoffensive.

Von Schwarzeneggers Haushälterinnen-Baby über Lindsay Lohans Leichenhaus-Wache bis hin zu Ashton Kutchers Sex-Skandal und Michael Jacksons Leibarzt; für Ricky Gervais scheint sich das Skript fast von alleine zu schreiben.

Und einige geladene Gäste überlegen es sich diesmal sicherlich zweimal, ob sie sich einer Gervais-Tortur live und unzensiert unterziehen - oder das Gemetzel lieber aus sicherer Entfernung vom Fernsehsessel aus verfolgen wollen.


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