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Verstorbenes Topmodel: Daul Kim klagte über Einsamkeit

Der Druck in der Modelbranche soll enorm sein. Doch ob der Tod des koreanischen Topmodels Daul Kim damit in Verbindung steht, kann noch niemand genau sagen. Auf ihrem Blog finden sich dennoch zahlreiche Einträge, in denen das Mannequin über große Einsamkeit und Überlastung sprach.

Von Estelle Marandon, Paris

Viele Mädchen träumen davon: vom Leben als Topmodel, von Designer-Laufstegen, vom Leben in Paris. All das hatte die Koreanerin Daul Kim mit zarten 20 Jahren erreicht. Ihre Karriere begann bereits im Alter von 11 Jahren, mit 17 war Daul Kim in Korea längst ein erfolgreiches Model. 2006 war sie auf mehreren Covern der koreanischen Vogue zu sehen. Und gerade erst wurde sie von Karl Lagerfeld höchstpersönlich für eine Chanel-Kampagne fotografiert. Sie war auf dem besten Wege eines der gefragtesten Mannequins in Paris zu werden und führte ein Leben aus dem Bilderbuch - doch an genau diesem Leben könnte Daul Kim keine Freude mehr gehabt haben.

"Ein Freund hat sie erhängt in ihrer Wohnung aufgefunden", sagte der Sprecher der koreanischen Botschaft Lee Seung Yoo in Paris. "Die französische Polizei hat uns mitgeteilt, dass sich die koreanische Staatsbürgerin Daul Kim gestern (Donnerstag) in ihrer Wohnung das Leben genommen hat." Angeblich soll dort auch ein Abschiedsbrief gefunden worden sein. Indizien, die auf einen Suizid schließen lassen.

Wenn es tatsächlich Selbstmord war, so ist es bereits der zweite in diesem Jahr im 10. Arrondissement in Paris. Im Frühjahr nahm sich wenige Straßen weiter Lucy Gordon das Leben. Die 28-jährige Schauspielerin, die früher modelte, wurde ebenfalls erhängt in ihrer Wohnung aufgefunden. Wie im Falle Daul Kims hatte ein Freund sie dort gefunden und die Polizei alarmiert. Zwei erfolgreiche, viel zu jung verstorbene Frauen, die möglicherweise den gleichen Kummer in sich trugen.

"Sie war uns allen eine gute Freundin"

In der Modelagentur Next in Paris, bei der Daul Kim seit Oktober unter Vertrag stand, ist man geschockt. Die Mitarbeiter suchen nach einer Erklärung für den tragischen Vorfall, galt Kim doch als äußerst fröhlicher Mensch. "Sie war ein großartiges Model und uns allen eine gute Freundin", sagte ein Sprecher der Agentur. Ein wenig schräg sei sie allerdings gewesen. Wie es heißt, sammelte die verschrobene Koreanerin Gabeln und schrieb einen Blog, den sie "I like to fork myself" nannte. Doch war sie tatsächlich depressiv und wollte sich das Leben nehmen?

Im Internet wird darüber spekuliert, dass Daul Kim möglicherweise dem Druck im Modelbusiness nicht standhalten konnte. Das Leben eines Topmodels kann sehr anstrengend sein, sagen Kenner der Branche. Oft bereist man in einer Woche mehrere Länder, arbeitet lange und hart und hat kaum Zeit für Freunde und Familie. Ob Daul Kim für das Business tatsächlich zu sensibel war, ist schwer festzustellen. Dazu möchte sich auch ihre Agentur nicht äußern. "Die Privatsphäre ihrer Familie ist in dieser Zeit der Trauer zu respektieren", sagte dazu ein Sprecher der Agentur.

Auch wenn die immerböse Modelbranche sicher nicht für alles herhalten kann, auf Kims Blog finden sich doch eine ganze Reihe Einträge, in denen sie über schweren Terminstress und große Einsamkeit klagt. Im April 2007 zeigte sie ein Bild von sich, auf dem sie sich einen Hammer vor ihr Gesicht hält. Ihr Kommentar dazu: "Ich werde mir mit diesem Hammer mein Gesicht zerschlagen... Mein Leben als Daul war so elend und einsam. Trefft mich in meiner Einsamkeit in einer anderen Welt. Ich liebe Euch alle. Daul." Am Ende fügt sie dann aber hinzu: "SPASS. Mir geht's gut. Bin nur müde." Am 30. Oktober schrieb sie weiter: "Schwer deprimiert und überarbeitet." Am 5. November: "Je mehr ich verdiene, desto einsamer wird es." Einen Tag vor ihrem Tod stellte sie ein Video von Jim Rivers ("I go deep") auf ihre Seite. Den Eintrag nannte sie "Say hi to forever" (Grüß die Ewigkeit).

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