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Was macht eigentlich ...: ... Detlef Schrempf?

Der Leverkusener war der erste Deutsche, der erfolgreich in der amerikanischen Basketball-Liga NBA spielte. 1996 stand er mit seinen Seattle SuperSonics im Finale gegen Chicago - und verlor.

Herr Schrempf, hat sich Dirk Nowitzki mal bei Ihnen bedankt?

Bedankt? Wofür?

Ohne Sie wüssten die Amerikaner vielleicht bis heute nicht, dass in Deutschland auch Menschen mit dem Basketball umgehen können. Sie waren der erste erfolgreiche Deutsche in der NBA.

Ach, das ist doch lange her. Dirk und ich reden hin und wieder miteinander, und ich schreibe ihm mal eine Mail, wenn er gut gespielt hat. Zu meiner Zeit gab es noch nicht so viele Ausländer in der NBA, aber für mich war das auch kein großes Thema. Ich bin ja in Seattle zur Uni gegangen und wurde damals wie jeder andere gesehen.

Sie spielten ab 1993 in Seattle, standen drei Jahre später im NBA-Finale. Die schönste Zeit Ihrer Karriere?

Die Saison hat jedenfalls am meisten Spaß gemacht. Rückblickend war die Runde davor, das Halbfinale gegen Utah, schöner als das Finale. Es war ein schwieriger Kampf, wir haben erst im siebten Spiel zu Hause gewonnen …

… es gilt ja: "best of seven"…

… und die Fans stürmten anschließend aufs Feld - das war schon sehr speziell! Im Finale hatten wir dann keinen guten Start, waren noch ein bisschen grün hinter den Ohren und lagen nach drei Spielen 0 : 3 hinten.

Sie kamen noch bis auf 2 : 3 ran, aber es ging gegen die Chicago Bulls, damals die Übermannschaft der Liga, mit dem großen Michael Jordan. Wurde man da ehrfürchtig, wenn "his Airness" vor einem stand?

Nein. Ich weiß noch, wie ich in meinem allerersten Profi- Spiel gegen eins meiner Idole spielte: Julius Erving.

Auch so ein Basketball-Genie.

Das war ein Vorbereitungsspiel, und ich dachte: Wow, da ist "Dr. J", vor dem hast du verdammt viel Respekt! Aber man kommt schnell drüber hinweg, sonst hat man keine Chance.

Sie haben Ihre Karriere 2001 beendet.

Ich war 38, fühlte mich ziemlich fit, hätte vielleicht noch zwei Jahre spielen können. Aber ich war inzwischen bei den Portland Trail Blazers, und es machte nicht mehr so viel Spaß. Es gab Spieler, die Probleme mit Drogen hatten, mit der Polizei. Und ich wollte nicht umziehen müssen nach San Antonio oder L. A., also hab ich mir gesagt: Hör halt auf und mach andere Sachen.

Was für Sachen?

Ich habe meine Stiftung, die "Detlef Schrempf Foundation", wir sind jetzt im zwölften Jahr und haben über acht Millionen Dollar gesammelt für Kinder und Familien, die Hilfe brauchen. Wir unterstützen kleinere Organisationen, die nicht so viel Zuwendung bekommen.

Ganz ohne Basketball geht's nicht, oder?

Ich spiele selbst wieder ein bisschen, und ich war die vergangenen zwei Jahre Assistenztrainer in Seattle, aber Seattle ist in einer transmission phase … wie heißt das denn? Mein Deutsch ist leider nicht mehr so gut … Also, noch einmal: Die sind gekauft worden von einer Gruppe in Oklahoma City und werden wohl umziehen müssen. Aber meine Kinder sind hier in der Highschool …

… Ihre Söhne sind 15 und 17 …

… und ich möchte mehr von ihnen haben. Mein Ältester spielt an der Highschool Basketball, ziemlich gut, das macht mir viel Spaß, aber ich habe ihn vergangene Saison nur in 5 von 28 Spielen gesehen.

Wenn man heute die NBA guckt, meint man, die Spieler seien athletischer, kräftiger geworden. Was hat sich noch verändert?

Das Spiel ist schneller. Und es ist unglaublich, wie viel Geld die Spieler heutzutage machen. Das Problem ist nur, dass viele nach der Karriere trotzdem kein Geld mehr haben, weil sie es schlecht investiert oder ausgegeben haben.

Das Problem haben Sie nicht?

Nein. Noch nicht. Aber man weiß ja nie.

Interview: Ulrike von Bülow

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