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Was macht eigentlich ...: ... Lily Tomlin?

Die Schauspielerin gehört seit mehr als 30 Jahren zu Hollywoods beliebtesten Komödiantinnen und Charakterdarstellerinnen und stand mit vielen prominenten Kollegen vor der Kamera.

Man nennt Sie in Los Angeles liebevoll "Elefantenmama".

Es geht um Billy, den einzigen noch lebenden Elefanten des Zoos. Das Tier wird nicht artgerecht gehalten und zeigt schwere Verhaltensstörungen. Mit Kolleginnen wie Cher und Tippi Hedren suche ich für Billy ein anderes Zuhause. Doch der Stadtrat will lieber ein neues, 42 Millionen Dollar teures Elefantengehege bauen und weitere Tiere anschaffen.

Für Sie ist das Tierquälerei?

Elefanten gehören nicht in einen Zoo. "Zoo" bedeutet in der Elefantensprache "Guantánamo".

Und jetzt ist Billy Ihr Schützling?

Ich unterstütze wie viele andere Prominente "Voice for the Animals". Regisseur Wolfgang Petersen und seine Frau sind übrigens auch Mitstreiter. Wir geben den Tieren eine Stimme.

Sie sind auch Aktivistin für eine Initiative, die das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe fordert.

In Kalifornien wurde im November ein Bürgerentscheid gegen gleichgeschlechtliche Ehen angenommen. Derzeit laufen mehrere Initiativen, dies wieder zu kippen. Es ist falsch, Menschen das Grundrecht auf Gleichberechtigung abzusprechen.

Würden Sie und Ihre Partnerin Jane Wagner heiraten wollen?

Wir sind seit 38 Jahren zusammen, da fühlt es sich eh schon so an, als wären wir verheiratet.

Sie haben sich erst in den vergangenen Jahren öffentlich zu Ihrer Homosexualität bekannt.

Ich habe es aber auch nie geleugnet. Doch die 70er Jahre waren eine andere Zeit. Ich erinnere mich an einen Auftritt in der Talkshow von Johnny Carson. Der fragte mich, ob ich mal Kinder haben wollte, und ich sagte: "Nein." Fast ein Skandal, weil ich nicht bereit war, die traditionelle Rolle der Mutter und Hausfrau anzunehmen.

Der Karriere hat das aber nicht geschadet?

Nein. Ich habe mit vielen tollen Menschen gearbeitet - allen voran Robert Altman. Er hat mir meine erste Filmrolle in "Nashville" beschafft, und ich hatte die Ehre, in seinem letzten Film "A Prairie Home Companion" mitzuwirken. Ein sagenhafter Mensch.

Es heißt, Sie würden mit Dolly Parton und Jane Fonda über eine Fortsetzung von "Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?" nachdenken.

Ich fände das witzig, bin aber nicht sicher, ob es klappt. Jada Pinkett Smith, die Ehefrau von Will Smith, hält Rechte an dem Film. Sie hat wohl eigene Pläne.

Der Film sorgte in den frühen Achtzigern für einigen Wirbel.

Oh ja, es war ein richtiger Frauenpower-Film. Wir forderten indirekt gleiche Löhne für gleiche Arbeit. Das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und die Forderung nach Kindertagesstätten waren weitere Aufreger.

Derzeit kehren Sie zu Ihren Wurzeln als Komikerin zurück und sind mit einer Stand-up-Show unterwegs.

Ich habe mich auf der Bühne immer am wohlsten gefühlt. Viele Kollegen haben das Tingeln satt, für mich ist es das Beste, um am Puls der Zeit zu bleiben. Zuletzt habe ich auch in Folgen von "Desperate Housewives" gespielt, und ich wirke im zweiten Teil von "Der rosarote Panther" mit.

Wenn Sie gerade nicht Elefantenmama spielen …

… spiele ich Katzen- und Hundemutter. Vor Jahren hatte ich auch mal eine Ziege, die dachte, sie wäre ein Hund. Die ist immer mit mir und meinen vier Hunden Gassi gegangen. Ziemlich anstrengend, denn ich musste alle paar Meter die Kötel aufsammeln. Ziegen sind ständig am Kacken.

Interview: Andreas Renner / print