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Was macht eigentlich ...: ... Sepp Maier?

Der Grantler unter den deutschen Fußball-Torhütern wurde 1974 Weltmeister. Später trainierte der Ex-Bayern-Profi die Torwarte der Nationalmannschaft - bis Jürgen Klinsmann ihn feuerte.

Der Maier Sepp bei der Volksmusik - sind Sie alt und brauchen das Geld?

Das tät Ihnen so passen!

Seit Januar sind Sie auf Tournee mit Florian Silbereisen, Patrick Lindner und dem MDR-Fernsehballett.

Wir feiern das "Überraschungsfest der Volksmusik". Eine der Überraschungen bin ich, als rechte Hand vom Florian. Ich lauf als roter Faden durchs Programm, hol Zuschauer auf die Bühne, mach Zaubertricks. Schauen Sie's an, dann sehen Sie's.

Ihre Zornausbrüche gegen Spielerkollegen sind legendär. Kriegen jetzt die Volksmusikanten Ihre Wut ab?

Dazu gibt's keinen Grund. Hier halten alle zusammen. Das ist eine Einheit, wie ich sie nicht mal beim Fußball erlebt hab. Wir haben auf der Tour meinen 65. gefeiert, bis um sieben in der Früh. Alle haben für mich gesungen - mein schönster Geburtstag.

Spüren Sie Ihr Alter?

Es zwickt mal hier und da. Und wenn ich mich aufreg, krieg ich's mit dem Kreislauf. Deshalb reg ich mich nimmer auf.

Der Maier wird altersmilde?

Ich wurde immer dann aggressiv, wenn Unrecht geschehen war. Manchen hat das nicht gefallen. Das war, um mal auf das Thema zu kommen, mit dem Klinsmann genauso …

… dem "schwäbischen Dingsbums", wie Sie ihn genannt haben.

Und bitte: Nach zehn Monaten bei Bayern ist er wieder weg.

Und Sie haben vor Freude die Korken knallen lassen?

Wir haben uns längst ausgesprochen. Wenn Bayern mit sechs Punkten Vorsprung auf Platz eins stehen würde - das wär ein Grund zum Feiern!

Bundestrainer Klinsmann hat Sie als Torwarttrainer gefeuert. Für seinen Geschmack hatten Sie Ihren Schützling Oliver Kahn zu sehr protegiert, als es darum ging, wer bei der WM 2006 im Tor stehen soll.

Der Olli war dreimal Welttorhüter, hat alle Titel gewonnen mit Bayern. Der Lehmann hat gar nicht gespielt bei Arsenal. Und der ist dann bei der WM die Eins! Da soll man nix sagen?

Jetzt bringt Lehmann sich wieder als Nationaltorwart ins Gespräch.

Soll er doch.

Wer ist unser bester Mann im Tor?

Es gibt gute Leute, aber ob das der Enke ist oder der Neuer oder der Adler oder der Rost oder der Wiese - es sticht keiner so hervor, dass man sagt, der muss unbedingt ins Tor. Früher gab es nicht so viele, die infrage kamen. Und solange ich gespielt hab, hat sowieso kein anderer spielen können. Hätten sie den Kahn nicht vergrault, hätten wir jetzt keine Torwartsorgen.

Sie waren immer von irrsinnigem Ehrgeiz getrieben. Wohin fließt Ihre Energie heute?

Ich kümmer mich um meinen Tennispark in Anzing. Ich bin eingeladen zu Promi-Tennisturnieren, zu Veranstaltungen in Supermärkten und Baumärkten. Oder ich spiel Golf. Man kann net einfach so dahinsiechen!

Vor einem Jahr haben Sie geheiratet. Wie fühlt sich die junge Ehe an?

Ach, wir kennen uns ja seit über 20 Jahren. Der Hauptgrund für die Hochzeit war, dass die Besitzverhältnisse geregelt sind. Die Monika hätte nichts bekommen, wenn mir was passiert wär.

Im Juli ist es 30 Jahre her, dass ein Autounfall Ihre Karriere beendet hat. Denken Sie oft daran?

Höchstens, wenn ich zu Hause was such, und mir kommen die Bilder in die Hand von dem Trümmerhaufen. Dann lach ich und sag: Da hast ein schönes Glück gehabt!

Wann standen Sie zuletzt im Tor?

An meinem Geburtstag in Berlin: im Brandenburger Tor.

Interview: Alexander Kühn / print