HOME

Fußball-Weltmeister von 1974: Was macht eigentlich ... Sepp Maier?

Als Torhüter wurde Sepp Maier mit dem FC Bayern viermal Deutscher Meister – und mit der Nationalmannschaft 1974 Weltmeister.

Sepp Maier: Was macht der Weltmeister von 1974 eigentlich heute?

Sepp Maier, 74, in einem Wirtshaus in München. Er lebt mit Ehefrau Monika im oberbayerischen Hohenlinden

Wer gesund ist und a Gaudi hat, ist nicht alt. Kennen Sie diesen Spruch?

Klar! Den hab ich erfunden.

Was ist das für Sie, a Gaudi?

Ich habe seit zig Jahren einen festen Freundeskreis, so um die zehn Mann. Früher sind wir gemeinsam Ski gefahren. Extreme Touren waren das, auch Heliskiing in Kanada und so. Jetzt, da die Blessuren langsamer heilen, spielen wir gemeinsam Golf. Da wird wie früher viel gelacht und gelästert. Mit meiner Frau war ich gerade auf einer Golf-Kreuzfahrt; drei Wochen lang zu den schönsten Plätzen am Mittelmeer. Das ist es, was ich meine.

Sie waren Weltmeister, Europameister, Deutscher Meister, Fußballer des Jahres. Was ist für Sie der wichtigste Titel?

Das sind insgesamt 472 Bundesligaspiele für den FC Bayern, davon 442 in Folge. Und die 95 Einsätze in der Nationalmannschaft. Beide Rekorde gelten bis heute.

Warum haben Sie eigentlich den FC Bayern nie verlassen?

Schön dumm wäre ich gewesen. Wir waren die beste Mannschaft Europas, also mindestens eine der besten. Und fast alle Spieler kamen aus der eigenen Jugend. Und wir hatten eine Gaudi wie kein anderer Verein.

Sind Sie immer noch ein Fan der Bayern?

Ich war nie einer. Ich war Angestellter des Vereins. Ich wollte gute Arbeit abliefern. Ich sitze auch heute nicht mit roter Mütze oder Vereinsschal auf der Tribüne. Ich bin ein Freund des FCB. Nicht mehr.

Und wie war das mit der Angst des Torwarts beim Elfmeter?

Gab es bei mir nicht. Und die Schützen waren auch alle sehr entspannt, weil ich kaum mal einen Elfer gehalten hab. In meiner ganzen Laufbahn waren es, glaub ich, nur zwei oder drei. Und das waren dann Freundschaftsspiele.

Dabei haben Sie eine Art Wunderwaffe der Torhüter erfunden.

Ja, der spezielle Handschuh. Den habe ich mir ausgedacht. Darauf bin ich stolz. Ich war einer, der die Bälle hielt, nicht wegschlug. Wer richtig steht, der muss nicht fliegen, habe ich mir gedacht. Doch als die Lederbälle durch Plastik ersetzt wurden, ging das nicht mehr so gut. Wenn die nass waren, flutschten die einem nur so durch die Hände. Ich hab dann ein Frotteehandtuch zerschnitten und auf die Innenseite der Handschuhe geklebt. Das war schon besser. Richtig gut wurde es aber erst, als ich mir von unserem Masseur so einen Schaumgummi geben ließ, mit dem er unsere Schrammen abgedeckt hat. Jeder Hersteller von Sportartikeln bietet heute solche Handschuhe für Torhüter an.

Verdienen Sie ein paar Euro daran?

Nicht einen Cent. Ich ließ mir das nicht schützen. Die Handschuhe habe ich immer nur verschenkt, wenn sich wer dafür interessierte. Toni Schumacher zum Beispiel.

Zu Beginn Ihrer Zeit beim FCB blieb den Spielern nach ihrer Karriere meist eine Lotto-Toto-Annahmestelle. Als Sie aufhörten, gab es die ersten Millionen. Wie war das bei Ihnen?

Ich gehörte eher noch zur Lotto-Toto-Fraktion. Nach meiner aktiven Karriere hatte ich in Anzing eine Tennisanlage. Die wurde vor fünf Jahren verkauft. Jetzt bin ich Herr meiner Zeit, Opa, Rentner.

Erinnern Sie Ihr Anfangsgehalt beim FCB?

Das waren, glaube ich, 1200 Mark. Pro Punkt gab es 50 Mark extra. Ein Bier hat damals aber auch nur 60 Pfennig gekostet.

Können Sie sich heute noch nach einem Ball schmeißen?

Jederzeit, überall. Nur das Aufstehen, das ist problematisch. Könnte leicht zwei Minuten dauern.

Brasilien: Torwart hält Elfmeter - doch er freut sich viel zu früh
Interview: Rupp Doinet

Wissenscommunity