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Was macht eigentlich ...: ... Tooske Ragas?

Die Holländerin - von "Bild" als "Käse-Tussi" tituliert - moderierte 2005 bis 2007 zwei Staffeln von "Deutschland sucht den Superstar".

Die sechste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" geht dem Ende zu. Was halten Sie von den aktuellen Kandidaten der Castingshow?

Keine Ahnung. Wir empfangen RTL nicht. Schicken Sie mir ein Videoband, dann kann ich mir ein Urteil bilden.

Sie lösten 2005 Michelle Hunziker als Moderatorin bei DSDS ab. Und mussten sich bald harsche Kritik gefallen lassen. "Bild" beschimpfte Sie als "Käse-Tussi". "Schickt sie nach Hause", hieß es da.

Das war einfach nur primitiv und feige, nicht besonders originell.

Fühlten Sie sich persönlich verletzt?

Da ich in den Niederlanden wohne, bekam ich relativ wenig mit von dieser Dreckschmeißerei. Trotzdem wollten mein Mann Bas und ich uns das nicht gefallen lassen.

Also beschlossen Sie, die Redaktion des Blattes in Hamburg zu besuchen.

Die "Bild"-Leute reagierten positiv. Der Chefredakteur hatte zwischenzeitlich selbst beschlossen, die Hetze zu stoppen. Seine Frau hatte ihn offenbar ermahnt, diesen Mist zu beenden. Der Boss von "Bild" hörte auf seine Gattin, ha, ha. Zehn zu null für uns.

Nun wollen deutsche TV-Manager Sie zurück. Aber Sie mögen nicht.

Mein Familienleben lässt sich leider nicht kombinieren mit der Arbeit im Nachbarland. Ich müsste Mann und Kinder eine halbe Woche im Stich lassen. Das will ich jetzt nicht. Die Familie gehört zu mir. Wenn die Kinder größer sind, stehe ich für Deutschland wieder bereit.

Angefangen haben Sie als Sängerin, Model, Videojockey, dann Musicalstar, Schauspielerin und später Moderatorin …

Wenn Sie das so auflisten, kommt meine Laufbahn ziemlich kapriziös rüber. Aber ich habe auch meine solide Seite.

Und die wäre?

Dass ich nach dem Studium der Englischen Literatur meine Abschlussarbeit über die englische Buchautorin und Emanze Jane Austen geschrieben habe. Das Diplom bekam ich übrigens an dem Tag, als ich in meiner Geburtsstadt Zwolle im sexy Bikini zur Miss Overijssel gekürt wurde.

Aber das Studium hat Ihrer Karriere ja nicht geschadet.

Der wirkliche Erfolg kam 2002 mit "Idols", der holländischen Variante von "Deutschland sucht den Superstar". Die Show war in den Niederlanden ein Superhit. Und machte deutsche Fernsehmacher darauf aufmerksam. So kam das Programm als DSDS zu RTL nach Deutschland.

Und wie kamen die auf Sie als Moderatorin?

Die Produzenten liebten angeblich meine emphatische Natur, die lockere Art, für die wir Niederländer bekannt sind.

Aber heute spielt sich Ihre Karriere wieder nur in den Niederlanden ab?

Vorläufig ja. Meine Aufgaben beim Fernsehen sind inzwischen auch größer geworden. So moderiere ich zum Beispiel "Gerettet". In dieser Sendung führe ich ein Opfer und seinen Retter zusammen. Etwa zwei Menschen, die einen Herzstillstand überlebten beziehungsweise erlebten. Ein sehr emotionales Format.

Wäre das auch eine Idee für eine deutsche Fernsehanstalt?

Für Sender, die anrührendes Fernsehen zeigen möchten, ist "Gerettet" ein außerordentliches Konzept.

Einer Ihrer Schwäger starb sehr jung durch plötzliches Herzversagen. Wollten Sie deshalb "Gerettet" machen?

Das ist Zufall. Allerdings spielte dieser Tod eine große Rolle in unserem Privatleben. Bas und ich fragen uns immer wieder, ob wir mit unserer Lebensgestaltung auf dem richtigen Weg sind. Wollen wir wirklich das, was wir machen? Auf all unsere Lebensfragen gab es eine klare Antwort: Ja, wir liegen auf Kurs. Das zu wissen, gestärkt von meinem Glauben, ist ein unendlich reiches Gefühl.

Interview: Albert Eikenaar / print