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Was macht eigentlich ...: ...Helô Pinheiro?

Die Brasilianerin war 1962 das lebende Vorbild für den Bossanova-Welthit Girl from Ipanema. Ein Nachmittag am Strand von Rio de Janeiro veränderte ihr Leben.

Wie war das damals, als …

… ich mit meinem wackelnden Hintern Vorbild für einen Welthit wurde? Ich bin einfach die Straße entlangspaziert. Meine Mutter hatte mich zum Zigarettenholen geschickt.

Von einer Bar aus sahen das der Musiker Antônio Carlos Jobim und der Dichter Vinicius de Moraes. Und schrieben prompt das Lied "Girl from Ipanema".

Ich weiß nicht, ob das Lied wirklich in der Bar geschrieben wurde, vielleicht ist das auch nur eine Legende. Die beiden waren furchtbar betrunken. Aber ich habe den beiden gefallen - dabei war ich so schüchtern.

Jobim haben Sie sogar sehr gefallen. Er wollte Sie später heiraten.

Es ist wahr, dass er mich gefragt hat. Ich saß auf einer Bank am Strand, und er stand plötzlich vor mir und hat mir einen Antrag gemacht. Ich sagte nur: "Das geht nicht. Du bist schon verheiratet, und ich bin außerdem noch Jungfrau."

Was hat sich durch das Lied verändert?

Die Presse interessierte sich für mich, und ich wurde schnell bekannt. Ich bekam Aufträge als Model und Schauspielerin.

1987 ließen Sie sich für den "Playboy" fotografieren.

Da fühlte ich mich grauenhaft. Das hat sich allerdings geändert. 2003 habe ich mich zusammen mit meiner Tochter noch mal für den "Playboy" ausgezogen.

Warum?

Das Geld kam zu einem günstigen Zeitpunkt, und es war genug, um nicht Nein sagen zu können. Die wirtschaftliche Lage in Brasilien ist nicht gerade rosig. Und ich habe einen gewissen Lebensstil, den ich halten will.

Ihr Privatleben hat aber nichts von einer Diva.

Das stimmt schon. Mir ist Treue wichtig. Mit meinem Mann Fernando bin ich seit über 40 Jahren verheiratet. Ich bin ein Familienmensch.

Heute betreiben Sie Ihr eigenes Modelabel.

Die Bikini-Kollektionen verkaufen sich natürlich am besten.

Wegen des Namens wurden Sie von den Erben von Jobim und de Moraes verklagt.

Ich habe mir für den Laden den Namen "Garota de Ipanema" – das heißt "Girl from Ipanema" in Brasilien – schützen lassen.

Das gefiel den Erben überhaupt nicht.

Es kam zum Prozess, und damit ich da nicht betrogen werden konnte, habe ich mit über 60 Jahren noch ein Jurastudium angefangen. Ich benutze den Namen heute noch.

Haben Sie an den Millionenverkäufen des Songs mitverdient?

Keinen Cent! Es ist nicht mein Lied. Aber als Muse will ich den Namen nutzen. Der Song läuft ja immer noch im Radio, ich habe ihn gerade neulich beim Autofahren gehört – und nicht ausgeschaltet.

Die Schönheitschirurgie ist in Brasilien sehr verbreitet. Sie selbst machen sogar Werbung für eine solche Klinik.

Ich finde an Silikonbrüsten nichts Schlimmes, wenn sie das Selbstbewusstsein einer Frau heben.

Haben Sie sich einmal gefragt, wie Ihr Leben ohne das Lied verlaufen wäre?

Vielleicht wäre ich heute Lehrerin oder Journalistin. Aber man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen, und ich bin eben das "Girl from Ipanema" geworden. Als das Lied so bekannt wurde, war ich plötzlich kein normales Mädchen mehr.

Zur Person
Helô Pinheiro wurde 1945 als Heloísa Eneida Menezes Paes Pinto in Rio de Janeiro geboren. Mit zehn zog ihre
Familie in den Stadtteil Ipanema. Im Alter von 17 Jahren inspirierte sie zufällig den Musiker Antônio Carlos Jobim und den Dichter Vinicius de Moraes zum Welthit "The Girl from Ipanema". Durch das Lied wurde der Musikstil des Bossanova mit seinem nahezu geflüsterten Gesang zu einer der populärsten Musikrichtungen der 60er Jahre. 1965 wurde "The Girl from Ipanema" als beste Single mit dem Grammy ausgezeichnet. Bis heute gibt es mehr als 200 Versionen, die berühmteste ist jene mit
Interview: Christoph Wöhrle / print
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