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Was macht eigentlich...: ...Anthony Yeboah?

Der Ghanaer galt in den 90er Jahren als einer der besten Stürmer Europas - und war der erste Afrikaner als Kapitän einer Bundesligamannschaft.

Wo erreiche ich Sie gerade?

In Kumasi, wo ich mein zweites Hotel baue, nachdem das erste in Accra so gut läuft. Ich bin jetzt Geschäftsmann.

Packen Sie selbst mit an?

Nein, aber ich habe während meiner Karriere in so vielen Betten geschlafen, da weiß ich, was die Gäste wollen.

Bei der Eröffnung Ihres ersten Hotels haben viele Bekannte mitgefeiert...

Ja, zum Beispiel waren Sammy Kuffour und Gerald Asamoah da, wir sind befreundet, telefonieren fast jede Woche miteinander. Und in der Winterpause kommen immer alle zurück nach Ghana. Dann treffen wir uns und feiern.

Während Ihrer Frankfurter Zeit gehörten Sie mit Andreas Möller und Uwe Bein zu einem magischen Dreieck.

Das war unglaublich! Ich schaue mir heute noch oft Videos von unseren Spielen an und kann kaum fassen, was für Tore ich geschossen habe. Mein Talent war ein Geschenk Gottes.

Diese Tore haben Sie in Ghana zu einem Volkshelden gemacht...

Vielleicht. Aber hier kennt auch jeder Andy Möller und Uwe Bein. Ohne die zwei wäre ich nicht so weit gekommen. Darum sind die Leute hier auch Fans von Uwe und Andy. Wir haben damals großen Fußball gezeigt und den Namen "Eintracht Frankfurt" in die ganze Welt geschickt.

Verfolgen Sie, wie Ihre alten Mannschaften Eintracht Frankfurt und HSV spielen?

Ich gucke jede Woche die Bundesliga; mit einem Tag Verspätung zeigt "Supersport" aus Südafrika die Highlights. Der HSV steht momentan super da, und auch Frankfurt ist nach dem Aufstieg ganz erfolgreich.

Ghana hat sich jetzt zum ersten Mal für die WM qualifiziert. Haben Sie eine offizielle Position im Fußballverband?

Nein. Aber es gibt eine Art Komitee aus ehemaligen Spielern, dem gehöre ich an. Ich werde während der WM definitiv in Deutschland sein, reise zusammen mit der Mannschaft an. Die brauchen mich.

Was würden Sie Ihrem Verband sagen, wenn er nach Ihrer Meinung über Deutschland fragen würde?

Deutschland ist eines der erfolgreichsten Länder Europas. Jeder träumt davon, dort zu leben und zu arbeiten. Darum gehen immer wieder Landsleute von mir nach Deutschland. Aber bei allem, was du in Deutschland tust, musst du sehr gut sein und Ehrgeiz zeigen.

Ein Freund Ihrer Familie wird vielleicht ebenfalls zur WM fahren - und sogar spielen...

Ja, Freddy Adu. Ich bin mit seiner Mutter aufgewachsen. Er lebt jetzt in Amerika, spielt für die USA und gilt dort als großes Talent. Doch kurz vor der WM wird er erst 17 Jahre alt. Man muss sehr behutsam sein, deshalb habe ich ihm auch abgeraten, als Klubs wie Manchester United und Real Madrid angefragt hatten.

Freddy ist so gut, dass manche ihn für älter halten. Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie haben sich mal in Frankfurt in die Winterpause verabschiedet und sind zwei Jahre jünger zurückgekommen...

Als 16-Jähriger sollte ich in der Nationalmannschaft spielen, da hat mich der Verband einfach zwei Jahre älter gemacht. Und das habe ich damals halt rückgängig gemacht.

Sie sind also wirklich am 6. 6. 66 geboren...

Da gibt es eine einfach Erklärung: Meine Geburt war seit zwei Wochen überfällig. Und es war klar, dass ich per Kaiserschnitt geholt werden musste. Da hat sich meine Mutter dieses ungewöhnliche Datum ausgesucht.

Interview: Richard Jürgens

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