Was macht eigentlich... ...Mickey Rooney?


Der nur 160 Zentimeter große New Yorker gab schon mit 15 Monaten sein Bühnendebüt, drehte mit fast allen Hollywood-Legenden - und ist heute noch immer als Schauspieler gefragt.

Sie werden im Guinness Book als Schauspieler mit der längsten Filmkarriere geführt ...

... und ich habe die Absicht, diesen Rekord auszubauen.

Sie sind 86. Haben Sie nach mehr als 80 Jahren im Showbiz nicht langsam die Nase voll?

Nein, ich habe noch so viele Pläne. Ruhestand kommt nicht infrage. Wenn Gott nicht mehr will, dass ich arbeite, muss er mich schon holen. Ich gehe in diesem Jahr mit meiner Frau Jan wieder auf Theatertour. Und hoffentlich kommt auch bald ein neues spannendes Filmangebot.

Sie haben mehr als 300 Rollen verkörpert. Gibt es eine, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Oh je, das ist fast so, als hätte man 300 Kinder und müsste eines herausheben. Ich habe viele schöne Erinnerungen, der Film "Der schwarze Hengst" aus dem Jahr 1979 war sicher einer der Höhepunkte, dafür habe ich eine von insgesamt vier Oscar- Nominierungen bekommen.

Sie haben mit vielen großen Stars der goldenen Ära Hollywoods gedreht ...

... entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber ich habe mit allen großen Stars dieser Ära gearbeitet. Clark Gable, John Wayne, Marlene Dietrich, Marilyn Monroe, Elizabeth Taylor ...

... und natürlich Judy Garland, zu der Sie ein besonderes Verhältnis hatten.

Judy und mich verband eine enge Freundschaft. Wir haben viele Musicals zusammen gedreht, sie war mir eine der liebsten Kolleginnen. Allerdings war es grauenhaft, mit ansehen zu müssen, wie sehr sie gelitten hat. Sie konnte nie akzeptieren, wie sie war, und griff schließlich zu Drogen. Es hat mir das Herz gebrochen.

Haben Sie noch Kontakt zu anderen Kollegen von einst?

Die Taylor schreibt jedes Jahr eine Weihnachtskarte. Und mit Anthony Hopkins habe ich auch noch Kontakt. Meine Frau und ich waren übrigens auf der Hochzeit von Judy Garlands Tochter Liza Minnelli, als sie diesen David Gest heiratete. Eine seltsame Veranstaltung. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.

Stimmt es, dass Walt Disney seine berühmte Mickey Mouse nach Ihnen benannt hat?

Er zeigte mir eine seiner ersten Zeichnungen der Maus und fragte mich nach meinem Namen. Kurz darauf las ich, dass er seine Kreation Mickey Mouse genannt hatte. Darauf bin ich mächtig stolz, wie auch darauf, Norma Jean Baker zum Künstlernamen Marilyn Monroe verholfen zu haben.

Haben Sie das?

Oh ja, ich habe ihr den Namen Marilyn Monroe vorgeschlagen, und ab 1946 hat sie ihn tatsächlich als Künstlernamen verwendet. Marilyn war gut befreundet mit meiner ersten Frau Ava Gardner, und 1950 haben wir zusammen den Film "Fireball" gedreht. Sie war ein tragisches Wesen, ähnlich wie Judy Garland.

Sie haben achtmal geheiratet und neun Kinder in die Welt gesetzt ...

... Entschuldigung, wenn ich Ihnen schon wieder ins Wort falle. Liebe ist einfach etwas Seltsames: Erst brennt sie wie Feuer, dann verglüht sie zu Asche. Aber ich habe dazugelernt, mit meiner achten Frau Jan bin ich jetzt schon fast 30 Jahre liiert, länger als mit allen anderen sieben Frauen zusammen. Uns verbindet sehr vieles, und wir haben viele ähnliche Interessen.

Zum Beispiel?

Wir malen gemeinsam. Und wir engagieren uns für die Rechte der Tiere in diversen Tierschutzorganisationen, unter anderem der meiner Freundin Doris Day. Musik ist ebenfalls eine unserer Leidenschaften, im vergangenen Jahr haben wir sogar zusammen ein Weihnachtsalbum aufgenommen. Ich habe Ihnen ja gesagt: Mich kriegt das Showgeschäft noch längst nicht los.

Interview: Andreas Renner

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