Was macht eigentlich... ...Ted Van Kirk?


Er war am 6. August 1945 Navigator an Bord des US-Bombers "Enola Gay", der die erste Atombombe über dem japanischen Hiroshima abwarf.

Mister Van Kirk, was machen Sie am 6. August?

Nichts Besonderes, das ist ein Tag wie jeder andere. Mal sehen, wie das Wetter wird. Ich werde aber kein Golf spielen können, mein linkes Knie macht das nicht mehr mit.

Sie zeigen wenig Emotionen für ein Ereignis, an dem Sie vor 60 Jahren beteiligt waren und bei dem 140000 Menschen starben.

Es ist kein Tag der Freude, auch kein Tag der Trauer. Der 6. August 1945 ist ein einziger Tag in meinem Leben - mehr nicht. Ich war damals 24 und bin vorher schon bei 58 Einsätzen über Deutschland, Rumänien und Frankreich dabei gewesen.

Hatten Sie eigentlich nie Gewissensbisse?

Hätten wir die Bombe nicht abgeworfen, wären vielleicht weitere Millionen Menschen bei der Invasion Japans durch US-Truppen getötet worden. Ich bin wahrlich nicht froh über die Toten von Hiroshima. Ich weiß auch, dass Japan eine fast schon geschlagene Nation war. Aber die Japaner hätten ohne die Atombomben nie so schnell kapituliert. Und was immer gern vergessen wird: Vor dem Abwurf der zweiten Bombe auf Nagasaki und der Kapitulation sind in wenigen Tagen Hunderttausende gestorben. Mit dem Abwurf haben wir viele Leben gerettet.

Also nie ein Wort der Entschuldigung?

Jeder versucht, mich auf die Knie zu zwingen. Ich soll weinen und um Vergebung bitten. Aber das wird nie passieren. Keiner von unserer Truppe hat das jemals getan.

Bedauern Sie irgendetwas in Ihrem Leben?

Nur wenn ich morgens mit Kopfschmerzen aufgewacht bin, weil ich am Abend zuvor zu viel getrunken hatte. Aber das mache ich heute nicht mehr. Dazu bin ich zu alt.

Also sind Sie mit sich im Reinen.

Unsere Kritiker wissen gar nicht, worum es ging. Wir waren doch im Krieg. Übrigens würde ich heutzutage liebend gerne in einer Welt ohne Nuklearwaffen leben. Sie sollten vernichtet werden. Ich bin total gegen Kriege und gegen solche Waffen.

Wie kamen Sie an Bord der "Enola Gay"?

Der Kommandant und Pilot Paul Tibbets kannte mich aus der Armee und wählte mich aus. Und der Bombardier Tom Ferebee war mein engster Freund.

Haben Sie gesehen, wie die Bombe explodierte?

Es gab einen Blitz. Danach wurde die Maschine zweimal kräftig durchgeschüttelt, schlimmer als bei einem Gewitter. Das dauerte aber nur sehr kurz.

Was haben Sie da gedacht?

Gott sei Dank hat die Bombe funktioniert! Sie ist ja vorher noch nie getestet worden. Wir wussten, dass wir nun den Krieg verkürzen und bald wieder zu Hause sein würden. Die Stimmung war ruhig an Bord, sehr professionell.

Haben Sie jemals Hiroshima besucht?

Nein. Warum sollte ich dorthin fahren? Es ist heute eine moderne, lebendige Stadt mit einem gut ausgebauten Verkehrssystem. Und Hiroshima ist von Atlanta ganz schön weit weg.

Halten Sie Kontakt zu Überlebenden?

Ich habe mehrfach Opfer in TV-Shows getroffen. Das waren wirklich nette Gespräche. Es gab überhaupt keine Feindseligkeit.

Was ist aus der "Enola Gay" geworden?

Die B-29 ist seit Dezember 2003 im Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington ausgestellt. Ich habe sie mir dort im vergangenen Herbst angeschaut und mich wieder in sie hineingezwängt. Entweder ist die "Enola Gay" schmaler oder ich bin dicker geworden. In meiner Erinnerung war sie größer.

André Groenewoud print

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