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Was macht eigentlich ...: Guillermo Vilas

Der Argentinier zählte von 1974 bis 1983 zu den zehn besten Tennisspielern der Welt und gewann vier Grand-Slam-Turniere. Nur der Sieg in Wimbledon blieb ihm verwehrt

Zur Person:

Der in Monte Carlo lebende Anwaltssohn aus dem argentinischen Mar del Plata gewann 1973 in Buenos Aires sein erstes Grand-Prix-Turnier. Über 60 weitere Titel folgten, darunter zwei Siege bei den Australian Open und je einer in Paris und bei den US Open. 1989 gab der Tennis-Playboy, der sich auch als Buchautor und Musiker erfolgreich versuchte, seinen Abschied aus dem Profizirkus.

Señor Vilas, schreiben Sie noch immer Gedichte?

Ich habe gerade mein viertes Buch beendet. Aber es ist schwierig, für Poesie einen Verleger zu finden, sei es in Argentinien oder in Europa.

Sie waren in Ihrer Heimat der erste berühmte Tennisspieler. Wie ist Ihr Verhältnis zu Argentinien?

Ich fahre gelegentlich hin, aber ich lebe seit 27 Jahren in Monte Carlo. Wenn ich in Buenos Aires bin, sprechen mich die Leute ständig an. Ich vermute, so geht es Boris Becker in Deutschland auch. Die Menschen lieben mich noch immer.

Kennen Sie die jungen argentinischen Spieler, die derzeit Furore machen?

Ich habe in Argentinien eine Tennis-Schule für Begabte. Dort waren sie von klein auf. Sie werden Jahr für Jahr besser, und ich bin überzeugt, dass wir von den Jungs dieser Tage in Wimbledon noch viel hören werden.

Sie haben ein paar Millionen an Preisgeld verdient ...

... und einiges an zusätzlichen Einkünften. Aber heute macht jeder im Tenniszirkus ein Vielfaches davon. Das ist in Ordnung so. Mir jedenfalls reicht mein Geld.

Die Spieler heute verdienen zwar mehr, scheinen aber weniger Spaß zu haben.

Geld und Glück passen selten zusammen. Reiche Leute verlieren den Bezug zu kleinen Dingen, wenn sie nicht aufpassen. Als ich spielte, mussten wir alles alleine organisieren: die Flüge, die Hotels. Wir spielten zusammen, wir reisten und wir tranken abends an der Bar zusammen. Wir hatten stets mit normalen Menschen zu tun und waren selbstständig.

In welchem der derzeitigen Stars erkennen Sie sich am ehesten wieder?

Ich mag die frische Art von Gustavo Kuerten. Er ist in seinem Kopf frei und auf dem Platz genauso kreativ wie außerhalb. Ich mag auch Pat Rafter. Schade, dass er aufgehört hat. Er ist sehr ruhig und lebt mit sich selbst in Frieden. Mit ihm kann man wunderbar ein paar Biere trinken. Das Gleiche gilt übrigens für Leyton Hewitt.

Kennen Sie aktuelle deutsche Spieler?

Ich kenne Tommy Haas und Reiner Schüttler sehr gut. Aber natürlich auch die alte Garde: Wilhelm Bungert, Boris Becker, Michael Stich, Charly Steeb. Ich habe Boris erst kürzlich in Monte Carlo getroffen. Er machte einen entspannten Eindruck und schien glücklich zu sein.

Weil er wieder Single ist?

Ehen kommen und gehen. Das ist im Leben normal.

Sie standen im Ruf, der größte Frauenheld im Tenniszirkus zu sein. Ihre Affären mit Frauen wie Prinzessin Caroline machten nicht weniger Schlagzeilen als Ihre vier Grand-Slam-Erfolge.

Ich rede über meine Beziehungen nie öffentlich, schon aus Respekt gegenüber den Damen.

Waren Sie jemals verheiratet?

Nein, und ich fürchte, allmählich ist es auch zu spät. Ich war mir in meinen Beziehungen nie hundert Prozent sicher, dass ich die Richtige getroffen habe. Aber gerade wenn man älter wird, muss man das absolut sein.

Das heißt, dass der notorische Tennis-Playboy allein ist?

So ist es, und ich bin alles andere als froh darüber. Eine funktionierende Beziehung zu haben ist das Wichtigste im Leben.

Wichtiger als ein Sieg in Wimbledon?

Auf gewisse Weise schon. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf. Eigentlich bringe ich ja die besten Voraussetzungen für eine Beziehung mit. Ich brauche nicht mehr zu arbeiten und könnte die ganze Zeit mit meiner Partnerin verbringen. Aber ich werde immer älter und fürchte allmählich, dass es nicht mehr passieren wird.

Interview: Bernd Dörler