Was macht eigentlich... Adamo


Der Italo-Belgier gilt als einer der bekanntesten Sänger Europas. In Deutschland wurde er vor allem mit Titeln wie "Inch'Allah" oder "es geht eine träne auf reisen" bekannt

Zur Person:

Der Chansonnier Salvatore Adamo, 60, lebt mit seiner Frau Nicole in Brüssel. Das Paar hat zwei Söhne, Adamo noch eine Tochter aus der Liaison mit dem deutschen Mannequin Annette Dahl. Seinen ersten Erfolg feierte Adamo als 16-Jähriger bei Radio Luxemburg, zwei Jahre später folgte die erste Schallplatte. Inzwischen hat er mehr als 400 Titel komponiert, 22 Goldene Schallplatten bekommen und wurde zum Ritter geschlagen.

Das Interview mit Adamo führte Albert Eikenaar

Im Dezember 1959 schafften Sie nicht mal die Vorrunde eines Talentwettbewerbes von Radio Luxemburg. Trotzdem gewannen Sie den Wettbewerb. Wie das?

Ein Mitglied der Jury überzeugte die Kollegen, dass ich eine neue Chance verdiente. Er schätzte es, dass ich nicht nur sang, sondern selbst komponierte und textete.

Und dank dieser "Intervention" wurden Sie einer der bekanntesten Sänger in französischer Sprache?

So schnell ging es nicht. Meine erste Platte hatte es schwer. Ein belgischer Discjockey rief schon nach 15 Sekunden: "Müssen wir uns dieses Gekrächze weiter anhören" - und legte die nächste Scheibe auf.

Und dann?

Mein Vater griff ein. Er überzeugt die Bosse der größten Plattenfirma Belgiens, dass ich für meine kratzende Stimme nur die richtige Orchesterbegleitung bräuchte - als Abwechslung zu den Yéyé-Bands wie den Beatles, Geigen gegen Gitarren.

Das war Anfang der sechziger Jahre. Ein Star sind Sie immer noch.

Das wundert mich auch. Denn ich habe meinen Stil über diese lange Zeit hinweg ja nicht verändert. Ich bin mir treu geblieben. Und mein Publikum mir.

Wie erklären Sie sich das?

Durch den Inhalt meiner Lieder. Sie sind sozial, romantisch, politisch und poetisch, aktuell, kritisch. Ich singe über Rassismus, den Holocaust, den Bürgerkrieg im Kosovo, über Recht und Unrecht.

Woher kommt dieses Engagement?

Die Eltern flüchteten nach dem Krieg vor der Armut in Italien. Im belgischen Kohlenpott schuftete mein Vater als Bergarbeiter; wir lebten in Baracken. Auch diese Not sollen meine Chansons widerspiegeln.

Sie blieben, sagten Sie, Ihrem Stil treu, aber...

... ja ja, ich weiß, die Treue. Tatsächlich habe ich eine 24-jährige Tochter aus einer Liaison mit dem deutschen Mannequin Annette Dahl. Amélie heißt sie. Sie trägt meinen Familiennamen.

Jahrelang dachten viele, dass Amélie aus Ihrer Ehe stammen würde.

Für mich galt nur, sie zu schützen. Die Identität von Amélies leiblicher Mutter hätte ich nie preisgegeben, wenn nicht vor kurzem eine Biografie über mich erschienen wäre. Aus Respekt vor Annette und meiner Tochter fand ich, dass ich die wahren Verhältnisse offenbaren musste.

Sie stehen überall in der Welt auf der Bühne, nur nicht in Deutschland.

So ganz stimmt das nicht. Viele Tausende Deutsche kaufen meine Platten oder besuchen meine Konzerte. Nur die Fernsehsender stufen mich als Schlagermusiker, als Charmesänger ein. Und das passt heute nicht mehr.

Fühlen Sie sich deswegen ausrangiert?

Ich bleibe bei dem, was ich zu bieten habe, Chansons. Keine Schnulzen.

Sie sind nun 60, gute 40 Jahre im Geschäft, eine graue Eminenz, mit 90 Millionen verkauften Platten. Hat Adamo denn weiter Lust, auf der Bühne zu stehen?

Ich bin kein müder Mann, der mit den alten Titeln tingelt. Nein, ich fühle mich als lebendiger Senior, der Jung und Alt ständig neu begeistert, eben weil seine Lieder sich der Zeit immer anpassen - und er etwas zu sagen hat.

Als Prediger?

Als Mensch.

Und wenn Sie nicht auftreten, womit beschäftigen Sie sich dann?

Dann arbeite ich an Texten, Musik oder schreibe Bücher. Ein Roman wurde schon veröffentlicht. Seit einiger Zeit male ich auch, so zum Spaß. Und ich setze mich für Amnesty International und Unicef ein. Für solche Organisationen gibt es immer etwas zu tun. Am liebsten inkognito.

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