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Was macht eigentlich...: Bill Ramsey

Mit Schlagern wie "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" oder "Pigalle" hatte der Jazzmusiker, der 1952 als US-Soldat nach Deutschland gekommen war, unzählige Hits

Zur Person

Bill McCreery Ramsey lebt mit seiner vierten Ehefrau, einer Ärztin, in Hamburg. Ramsey, Sohn eines Werbemanagers aus Cincinnati, hatte schon als Schüler erstes Geld als Jazzsänger verdient. Später kam er mit der Airforce als Truppenbetreuer nach Europa und über den Soldatensender AFN nach Frankfurt. 1957 erkannte ein deutscher Produzent sein Talent. Einer seiner ersten Hits: "Souvenirs, Souvenirs". Es folgten Spielfilme, Fernsehmoderationen, später produzierte Ramsey auch Jazz- und Folkplatten.

Das Interview Bill McCreery Ramsey führte Claus Lutterbeck

Waren Sie mal in Wuppertal?

Oft. Warum?

Weil Elfriede, die Zuckerpuppe, da herkommt.

Ach, ich habe so viele Elfriedes getroffen, über die Jahre, es gibt sie überall. Die Zuckerpuppe musste aus Wuppertal kommen, sonst hätte sich die Zeile nicht gereimt. Und sie musste aus dem Ruhrgebiet sein, denn das Lied war die Anspielung auf ein Mädchen aus Essen, das damals Schlagzeilen machte, weil es einen Scheich geheiratet hatte. Alle diese Lieder hatten einen aktuellen Bezug.

Sind Ihnen die Songs heute peinlich?

Überhaupt nicht! Ich singe sie zwar nur selten, aber wehe, es schreibt wieder einer von diesen versnobten Journalisten, ich stünde nicht dazu. Vollkommener Blödsinn. Das waren witzige Nummern, sie sind es immer noch, und ich finde es wunderbar, dass die Leute sie bis heute gern hören.

Nervt das nicht, wenn die Leute dauernd die alten Lieder verlangen?

Ich singe lieber Jazz, das ist wahr, weil man doch jeden Abend improvisiert, immer etwas Neues kreiert. Aber selbst wenn auf dem Plakat fett draufsteht: Jazzkonzert!, sagt immer einer aus dem Publikum: Und jetzt bitte die Zuckerpuppe!

Und dann singen Sie die?

Nein, das passt nicht in ein Jazzkonzert. Außerdem braucht man dafür eine ganz andere Band, sieben Leute, darunter drei Bläser. Die Zuckerpuppe war eine reine Big-Band-Swing-Nummer, die damals von den besten Musikern aus Kurt Edelhagens Band gespielt wurde.

Dieser amerikanische Akzent, der Sie so berühmt gemacht hat, kultivieren Sie den?

Es ärgert mich maßlos, wenn die Leute das sagen. Ich würde gern perfekt Deutsch sprechen, aber ich kann es einfach nicht.

Was haben die Jazzfans gesagt, als Sie plötzlich den Wumba-Tumba-Schokoladen-Eisverkäufer gesungen haben?

Die Jazzpolizei war fanatisch gegen alles, was kommerziellen Erfolg hatte, wachte streng über die Reinheit und hat es mir sehr übel genommen. Eigentlich traurig.

Sie sind schon als Kind aufgetreten. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftritt?

Das war 1939. Mein Vater war Werbechef des größten Waschmittelkonzerns der Welt, Procter & Gamble. Er hat damals auch die Soap-Opera erfunden. Ich habe damals schon gern gegessen, hatte also die Figur von heute, war nur ein bisschen kürzer. Mein Vater hat mich bei einer Vertretertagung auf der Bühne einen Schokoladenkuchen essen lassen, der mit einem Fett seiner Firma gebacken wurde.

Das hat Sie nicht gereizt, ein erfolgreicher Werbemann an der Ostküste zu werden?

Und im Alkoholismus zu enden, wie so viele von denen? Niemals. Ich wollte raus aus dieser weißen, sehr oberflächlichen, rassistischen Gesellschaft in Cincinnati - nicht meine Familie, die war sehr liberal. Diese Oberschicht hat sich was drauf eingebildet, reich zu sein. Mich hat die Musik der Schwarzen interessiert.

Als Sie in den 50er Jahren nach Frankfurt kamen, wurden die Amerikaner noch freudig begrüßt. Wie ist das heute?

Komisch, das ist eine Frage, die nur Journalisten stellen. Die Leute sehen mich lange nicht mehr als Amerikaner. Ich bin in meiner ganzen Einstellung Europäer, bin seit 1984 Deutscher, meine Rente, meine Frau, mein Hund - alles ist hier!

Dann ist George Bush auch nicht Ihr Präsident?

Der Mann ist ja nicht mal demokratisch gewählt worden. Er ist eine Katastrophe, nicht nur für die Welt, sondern vor allem für sein eigenes Land, diese ehedem demokratischen Vereinigten Staaten.

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