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Was macht eigentlich...: Hans-Joachim Rauschenbach

Der Journalist moderierte über Jahrzehnte die ARD-Sportschau und kommentierte vor allem Eiskunstlauf, Tanzen und Boxen.

Der Journalist moderierte über Jahrzehnte die ARD-Sportschau und kommentierte vor allem Eiskunstlauf, Tanzen und Boxen.

Zur Person:

Rauschenbach hat zwei Söhne aus erster Ehe, drei Enkel und zwei Urenkel. Der in Dresden geborene Sportreporter kam 1957 zum Hessischen Rundfunk und arbeitete 33 Jahre dort. Er kommentierte unter anderem die Eiskunstlauf-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen und moderierte die Sportschau. 1990 verließ Rauschenbach den Sender, wechselte zu Eurosport und dann zum DSF. Vor vier Jahren setzte er sich zur Ruhe.

Sie waren der Meister der blumigen Sprache. Kleine Kostprobe gefällig?

Bitte, schießen Sie los.

„Das wahre Nettogewicht einer Dame“, sagten Sie mal, „ist immer erst messbar, wenn sie ihr Make-up abgetragen hat.“

Das muss bei einer Tanzveranstaltung gewesen sein. Da tragen die Damen ja besonders dick auf.

Ein Eishockeyteam spielte bei Ihnen „wie ablaufendes Badewasser“, ein anderes „wirkungsvoll wie eine Brotschneidemaschine“. Waren das spontane Einfälle?

Ja, 60 Prozent schon. Es gab aber auch Sätze, die nicht okay waren.

Etwa, als Sie 1974 bei der WM über die Schweizer Eiskunstläuferin Karin Iten sagten: „Wer als Zwiebel geboren ist…

…der kann nicht wie eine Rose blühen.“ Iten lief wieder eine Stolper-Kür, und da sagte ich: Eiskunstlauf ist wie das Leben – da gibt es Handwerker, und es gibt Künstler. Und wer nun mal als Zwiebel… Ich bekam empörte Briefe: So könne man doch nicht umgehen mit dem Mädchen.

Sie haben Eiskunstlauf, Tanzen und Boxen kommentiert. Eine seltsame Mischung.

Als ich anfing, hatte ich mir vorgenommen: Eiskunstlauf machst du nicht. Diese Figuren und Sprünge – das wollte ich alles nicht wissen. Aber dann haben die mich beim Sender bekniet, weil sie jemanden dafür brauchten. Also habe ich zwei Wochen lang dem damaligen Deutschen Meisterpaar beim Training zugeschaut und Sprünge gepaukt.

Ihre Karriere begann 1945 bei der „Fuldaer Volkszeitung“. Wie kamen Sie dann zum Fernsehen?

Ich habe damals selber geboxt, und als ich aufhörte, gab ich den Ansager am Ring. Dadurch lernte ich den Sportchef des Hessischen Rundfunks kennen. Meine Premiere war ein Pokalspiel fürs Radio. Die ersten zwei Minuten redete ich, ohne Luft zu holen. Na ja, irgendwann wurde es besser, und dann kam ich zum Fernsehen.

1990 haben Sie den Hessischen Rundfunk im Streit verlassen. „Die wollten mich mundtot machen, weil ich nicht ins rot-grüne Schema passte“, schimpften Sie.

Der Ärger begann, als Boris Becker bei seinem zweiten Wimbledon-Endspiel gegen Ivan Lendl gewann. Ich sagte hinterher im Studio sinngemäß: Eine Ein-Mann-Demonstration der ganz besonderen Art – anders als viele Massendemonstrationen, die wir hier haben; es hatten gerade wieder irgendwelche Atom-Gegner ein Werk blockiert. Die ARD-Chefredakteure, die alle eher links waren, protestierten: Ich hätte das Demonstrationsrecht infrage gestellt. Das war der Anfang vom Ende.

Sie gingen zu Eurosport und dann zum DSF. Wie war das, nach über 30 Jahren in der ARD bei einem kleinen Sender zu arbeiten?

Herrlich: Ich habe da ja die Klitschkos groß gemacht. Solche Aushängeschilder braucht das Boxen. Die wissen sich zu benehmen. Als ich sie meiner Frau vorstellte, haben sie die mit Handkuss begrüßt.

Sie haben Ihre Moderatorenlaufbahn mit 75 beendet und leben heute im Odenwald. Womit verbringen Sie Ihre Zeit?

Ich schlafe lange. Dann fahre ich in die Stadt oder gehe mit meiner Katze Kati – benannt nach Kati Witt – spazieren; sie wird elf und geht bei Fuß. Und eben habe ich in meine Fernsehzeitung geschaut, um anzustreichen, was ich sehen will.

Die Sportschau?

Nee, die Sportschau von heute muss nicht sein. Da bekomme ich ja nur Ergebnisse und Standbilder vom Fußball. Leider.

Fehlt es den Kollegen heute an Fantasie?

Na klar. Heute kommt ja jeder ans Mikrofon. Bei uns gab es noch Sprechverbot, wenn einer Unsinn geredet hatte: Ein Kollege musste mal 14 Tage pausieren, weil er bei einem Sechs-Tage-Rennen so geklungen hatte, als habe er zu viel getrunken.

Interview: Ulrike von Bülow

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