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Was macht eigentlich...: Marianne Hege-Boro

Zusammen mit ihrer Familie ließ sich die Berlinerin für zehn Wochen ins "Schwarzwaldhaus 1902" zurückversetzen. Die ARD-Serie wurde ein ungeahnter Publikumserfolg

Zur Person

Zusammen mit ihrer Familie ließ sich die Berlinerin für zehn Wochen ins "Schwarzwaldhaus 1902" zurückversetzen. Die ARD-Serie wurde ein ungeahnter Publikumserfolg. Vater Ismail, 50, promovierter Physiker, ist selbstständiger Unternehmer, Sera, 18, macht Abitur, Akay, 13, geht zur Schule, und Reya, 21, studiert Lebensmitteltechnologie, Marianne Hege-Boro, 47, gebürtige Rheinländerin, leitet einen Kindergarten.

Das Interview mit Marianne Hege-Boro führte Christoph Wirtz

Hand aufs Herz, Frau Boro: Ihre "Fernseh-Zeitreise" - das war doch alles Bluff ...

Wie meinen Sie das?

Zehn Wochen ohne Strom, fließendes Wasser, minimalste Hygienestandards. Täglich 18 Stunden schwere körperliche Arbeit bei Mangelernährung und bar jeder landwirtschaftlichen Vorkenntnisse: Das war entweder für die Kameras inszeniert, oder Sie hatten Hilfe.

Von wegen! Ich hatte eine Blasenentzündung, mein Mann einen Leistenbruch. Sera hat sich die Fingerkuppe abgesäbelt, Reya bekam Sehnenscheidenentzündung, Akay Blutvergiftung. Wir haben 1,5 Tonnen Holz geschleppt und zehn Tonnen Mist entsorgt. Das war alles ziemlich authentisch.

Warum haben Sie diesen Horror mitgemacht?

Ich hatte es mir vielleicht romantischer vorgestellt, wollte, dass die Familie durch ein Abenteuer noch mal zusammengeschweißt wird, bevor die Kinder aus dem Haus sind. Außerdem ist eine Zeitreise das Einzige, das Sie nirgendwo buchen können. Wir haben uns da richtig reinfallen lassen, gefühlt wie die Menschen vor hundert Jahren.

Mit dem Unterschied, dass Sie ständig von Kameras beobachtet wurden...

Von einer Kamera! Und die musste sich entscheiden, wen von uns fünf sie begleitet. Das größere Problem war der Gegensatz zwischen erlebter und erdachter Vergangenheit. Nach ein paar Tagen war mir klar, dass bestimmte Dinge nicht so funktioniert haben können, wie sich die Recherche des SWR das vorher aus Büchern angelesen hat. Da gab´s dann natürlich Diskussionen.

Überhaupt war die Stimmung während der Dreharbeiten angespannt.

Na ja, der Regisseur ist mit seiner Idee eben ziemlich lange schwanger gegangen. Er hatte ein klares Bild vor Augen, und dann kamen die Boros, und die Sache hat sich verselbstständigt. Anfangs hat man wohl nur darauf gewartet, dass wir aufgeben. Da waren wir nur das dekorative Element in historischer Kulisse. Später hat man uns vorgeschlagen, wir sollten uns mal ein bisschen streiten. Das käme beim Zuschauer gut an...

Auch heute gibt es noch Zoff wegen der Serie! Die Besitzer des Kaltwasserhofs, der als Drehort diente, sind sauer.

Es hat eben niemand mit dem riesigen Erfolg gerechnet. Kürzlich ist die zehnte Wiederholung gelaufen, das stille Münstertal ist ziemlich überrollt worden. Aber anstatt am gleichen Strang zu ziehen, fürchten da jetzt viele, vom Kuchen nichts abzubekommen.

Haben Sie wenigstens ordentlich verdient?

Säße ich dann noch hier im Kinderladen? Es wurde ja von Anfang an nur eine Aufwandsentschädigung angeboten. Mein Traum ist immer noch ein Aussteigerleben auf dem Bauernhof.

Im Schwarzwald?

Vielleicht. Wir waren in den letzten zwei Jahren bestimmt 15-mal wieder da. Und die Trachtengruppe Münstertal hat uns nach der Grünen Woche ein Ständchen gespielt - eine 80-köpfige Blaskapelle hier in Lichterfelde! Ich habe Kartoffelsuppe gekocht und Geschirr bei den Nachbarn geliehen...

Werden Sie auf der Straße erkannt?

Manchmal. Aber meistens sind die Leute dann sehr zurückhaltend. Nur einer hat mal gesagt: "Im Fernsehen sahen Sie noch dicker aus."

Ihnen fiel die Rückkehr in die Gegenwart schwerer als die eigentliche Zeitreise...

Das war so! Wir haben uns im Schwarzwald verändert, haben, so kitschig das klingt, unsere Mitte gefunden. Deshalb werde ich auch sicher nicht ewig in dieser Stadt bleiben. Jetzt haben wir erst mal einen Garten gekauft: in einer Laubenkolonie am Mauerstreifen ... Wir werden wieder Selbstversorger!

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