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Was macht eigentlich...: Sandra Tigica

Im Januar 1997 bekam das angolanische Mädchen, das durch eine Mine sein linkes Bein verlor, Besuch von Prinzessin Diana. Das Foto der beiden ging um die Welt

Zur Person:

Sandra Tigica, 19, ihr Freund, ihre Großmutter und die vier Wochen alte Tochter Eufrasina Edna Ruth vor dem gemeinsamen Haus im angolanischen Saurimo. Sandra war zehn Jahre alt, als sie im Bürgerkrieg in Angola bei einer Minenexplosion ihr linkes Bein verlor. Im Januar 1997 besuchte Lady Diana im Rahmen ihres Engagements gegen Landminen die Hauptstadt Luanda und traf dabei auch Sandra; ein halbes Jahr nach diesem Treffen starb Lady Di am 31. August in Paris. Sandra erhielt Hilfe von der Vietnam Veterans of America Foundation (VVAF), die zu den Initiatoren der "Internationalen Kampagne zur Ächtung von Landminen" zählt und seit 1996 in Angola aktiv ist. Informationen über die VVAF gibt es unter www.vvaf.org, Kontakt über vvaf@netangola.com

Das Interview mit Sandra Tigica führte Bernd Teichmann

Miss Tigica, Glückwunsch zur Geburt Ihrer kleinen Tochter.

Vielen Dank. Ich bin sehr glücklich, denn ich hatte mir ein Mädchen gewünscht. Und es ging alles leicht und schnell. Ich hatte ein wenig Angst, weil mein erstes Kind kurz nach der Geburt gestorben war.

War Ihr Freund bei der Geburt dabei?

Nein, der hatte Dienst, er ist Krankenpfleger im Kreiskrankenhaus von Saurimo. Aber meine Großmutter und meine Tante waren da. Ich habe Eufrasina Edna Ruth zu Hause zur Welt gebracht.

Eufrasina Edna Ruth? Sie haben mal gesagt, Ihre erste Tochter werde Diana heißen.

Ja, aber ich habe sie dann doch anders genannt. Die nächste werde ich dann Diana nennen. Ich habe ja viel Zeit und werde bestimmt noch ein Mädchen kriegen.

Lady Diana hat also bei ihrem Besuch damals einen tiefen Eindruck bei Ihnen hinterlassen?

Ja, sie redete überhaupt nicht wie eine Prinzessin. Sie war sehr freundlich, ein ganz normaler Mensch.

Worüber hat sie mit Ihnen gesprochen?

Ich berichtete ihr von meinem Leben, und sie erzählte mir, sie sei eine Prinzessin und würde Leute besuchen, die auf eine Landmine getreten sind. Wie ich.

Wussten Sie vorher, wer sie ist?

Nein, ich hatte vor diesem Treffen im Rehabilitations-Center in Luanda nie von ihr gehört. Ich war bereits eine Woche dort, weil ich eine Prothese bekommen sollte, als die Mitarbeiter uns mitteilten, am nächsten Tag würden wir sehr berühmten Besuch bekommen.

Anschließend wurden Sie durch das Foto mit Lady Di weltweit bekannt.

Ich wusste gar nicht, dass Fotos von mir überall auf der Welt in den Zeitungen waren. Das erfuhr ich erst Monate später. Aber dann war ich sehr stolz.

Wie haben Ihre Familie und die Leute in Ihrem Dorf darauf reagiert?

Sie mochten die Fotos und haben sich alle sehr für mich gefreut.

Sie waren plötzlich eine Berühmtheit.

Nicht wirklich eine Berühmtheit, aber ich wusste, dass die Leute über mich sprechen, besonders in den Kirchen und meiner Nachbarschaft. Obwohl nicht viele Leute aus meiner Stadt die Bilder kannten, wussten sie, dass ich eine bekannte Persönlichkeit getroffen hatte.

Haben Sie die Fotos aufbewahrt?

Ja, in einem Album, damit sie nicht beschädigt werden. Wenn ich mal mehr Geld habe, werde ich einige einrahmen und in meinem Haus aufhängen.

Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie von Dianas Tod erfuhren?

Ich war sehr traurig, denn sie war ein guter Mensch und hat viel getan, um Menschen wie mir zu helfen. Wäre sie nicht nach Angola gekommen, wären viel mehr Menschen durch Minen getötet oder verletzt worden. Von ihrem Unfall habe ich erst drei Monate später erfahren, weil die Leute aus dem Orthopädischen Zentrum nicht wussten, wo ich lebe. Als ich dann in Luanda in die Schule ging, besuchten mich viele Journalisten. Manchmal drei an einem Tag, was nicht so angenehm war.

Sie waren zwölf, als Sie Diana trafen. Was passierte in den acht Jahren danach?

Ich bin in Luanda und Saurimo zur Schule gegangen, die ich jetzt wegen der Geburt unterbrochen habe. Eufrasina hält mich ganz schön auf Trab, sie schläft nachts wenig und schreit sehr viel. Außerdem muss ich mein Haus in Ordnung halten, saubermachen, kochen und einkaufen. Und einen kleinen Laden habe ich auch noch, in dem ich Kekse und Getränke verkaufe.

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