Was macht eigentlich... Scott McKenzie


Der Sänger feierte 1967 mit San Francisco seinen größten Erfolg. Der Song avancierte zur Hymne der Flower-Power-Bewegung und verkaufte sich über sieben Millionen Mal

Zur Person:

Der Sänger feierte 1967 mit San Francisco seinen größten Erfolg. Der Song avancierte zur Hymne der Flower-Power-Bewegung und verkaufte sich über sieben Millionen Mal.
Seine Karriere startete der heute 64-Jährige in den späten Fünfzigern mit seinem Freund John Phillips. Die beiden spielten gemeinsam in verschiedenen Bands, bis sich ihre Wege trennten. Phillips gründete die Gruppe "The Mamas and The Papas". McKenzie versuchte sich solo. 1967 komponierte ihm Phillips den Song "San Francisco", ein Erfolg, an den McKenzie nie wieder anknüpfen konnte.

Das Interview mit Scott McKenzie führte Andrew Berg

Mit "San Francisco" haben Sie den Klassiker der Hippie-Bewegung gesungen. Erzählen Sie uns etwas über den Tag, an dem Sie den Song aufnahmen.

Es war in Los Angeles, und zu der Zeit fuhren einige meiner Freunde total auf Meditation ab. Auf dem Weg zu mir pflückten sie Blumen und flochten daraus einen Kranz, den ich während der Aufnahme im Haar trug. Meine Freunde meditierten, während ich sang. Es herrschte eine ganz besondere, innige Stimmung im Studio. Ich glaube immer noch, dass die Platte so kraftvoll ist, weil meine Freunde daran beteiligt waren.

Hat es Sie überrascht, dass die Aufnahme über Nacht so berühmt wurde?

Ich war erstaunt. Mein bester Freund, John Phillips von der Band „The Mamas and The Papas“ hatte den Song ja ursprünglich nur für die Blumenkinder Amerikas geschrieben. Aber im Laufe der Jahre begriff ich allmählich, dass der Song auf der ganzen Welt verstanden wurde. Im vergangenen November sang ich ihn zum 20. Jahrestag der Errichtung des Vietnam-Denkmals in Washington. Er erinnerte viele der Kriegsveteranen an das Gefühl, nach Hause zu kommen. Ich habe auch mal in Brasilien mit ehemaligen politischen Gefangenen gesprochen. Sie sagten mir, sie hätten das Lied heimlich bei Kerzenlicht gehört.

Also ist es für Sie ein Protestsong?

Ja, er protestiert gegen die Unterdrückung des menschlichen Geistes - was auf der Welt ja noch immer irgendwo geschieht. Darum verbringe ich auch die meiste Zeit damit, mich mit meiner Katze vor der Welt zu verstecken. Die Katze ist übrigens genau so paranoid wie ich.

Für eine ganze Generation von Deutschen sind Sie noch immer eine Pop-Ikone.

In Ostdeutschland wurde man von der Stasi verhaftet, wenn man diese subversive westliche Musik hörte, besonders natürlich "San Francisco". Ich trat 1991 im Osten Deutschlands auf, und die Leute erzählten mir, wie viel ihnen der Song als ein Symbol des Widerstandes bedeutet hat. Ich musste Hunderte von Autogrammen in alte ostdeutsche Pässe und auf wertlose Geldscheine schreiben - genau auf Karl Marx` feistes Gesicht!

Sie singen Ihren Song am 3. Oktober in Berlin. Ihr erster Besuch in Deutschland seit mehr als zehn Jahren. Warum kommen Sie gerade jetzt hierher?

In Berlin werden an diesem Tag bei der Verleihung des Preises "die quadriga" Menschen ausgezeichnet, die ein Zeichen für Aufbruch und Erneuerung gesetzt haben. Und genau um diesen Aufbruch ging es mir ja auch in meinen Songs. Unter anderem wird einer meiner Lieblingsschauspieler, Armin Mueller-Stahl, geehrt.

Im Jahr 1988 haben Sie "Kokomo", den letzten Hit der Beach Boys, mitgeschrieben, und in den späten neunziger Jahren waren Sie noch einmal kurz auf Tour. Womit haben Sie seitdem Ihre Zeit verbracht?

Um ehrlich zu sein: In den letzten fünf Jahren musste ich vor allem mit schweren Depressionen klarkommen. Und man nimmt an, dass ich unter dem Epstein-Barr-Syndrom leide oder unter einer anderen Form chronischer Erschöpfung.

Was tun Sie gegen Ihre Beschwerden?

Unter Depressionen litt ich schon als Jugendlicher. Einige Jahre lang haben mir Medikamente geholfen, aber dann wurden die Nebenwirkungen so schlimm, dass ich sie abgesetzt habe.

Was halten Sie von dem Sprichwort "Was nicht tötet, härtet ab"?

Nonsens! Reine Propaganda. Die Krankheit macht dich schwach, ängstlich, unsicher und lässt dich zittern. Kurz gesagt: Sie macht dich menschlich.

Andrew Berg print

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