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was-macht-eigentlich: Petar Radenkovic

Der gebürtige Jugoslawe war von 1962 bis 1970 Torwart von 1860 München. Legendär waren 'Radis' Ausflüge in den gegnerischen Strafraum

Der gebürtige Jugoslawe war von 1962 bis 1970 Torwart von 1860 München. Legendär waren 'Radis' Ausflüge in den gegnerischen Strafraum STERN: Essen Sie gern Rettich?

RADENKOVIC: Als mich damals ein Journalist 'Radi' nannte, wußte ich noch nicht, was es bedeutet. Heute esse ich ihn gern auf dem Oktoberfest.

STERN: Ihre Zeit im Löwentor liegt fast 30 Jahre zurück. Werden Sie auf der Straße noch erkannt?

RADENKOVIC: Nicht nur auf der Straße, überall - und in ganz Deutschland. Natürlich von einem etwas reiferen Publikum. Und die schicken dann ihre Kinder, um Autogramme zu holen.

STERN: Wie erklären Sie sich diese Popularität nach all den Jahren?

RADENKOVIC: Wahrscheinlich, weil ich ein unorthodoxer Torwart war und durch meinen Hit oft im Fernsehen gewesen bin. So haben sich auch Leute für mich interessiert, die gar keine Fußball-Fans waren. Man vergißt die Leistung, aber nicht das, was sie umgibt.

STERN: Persönlichkeit also?

RADENKOVIC: Ich bin ein Mensch, der gern mit Leuten redet - auch wenn mich jemand auf der Straße anspricht. Ich bin eine fröhliche Natur, lache gern, kann aber auch sehr traurig sein. Ich denke, das gefällt.

STERN: Warum sind Sie nach Ihrer Fußballkarriere nicht ins Showbusineß gewechselt?

RADENKOVIC: Mir hat keiner ein Angebot gemacht. Sonst hätte ich darüber nachgedacht.

STERN: Warum sind Sie nicht für die Löwen aktiv?

RADENKOVIC: Nach meiner aktiven Laufbahn hat mir eine Schweizer Textilfirma einen Job im Bereich Verkaufsförderung angeboten. Diese Trennung vom Fußball war für mich wichtig, weil ich immer mit dem Herzen dabei war. Wahrscheinlich hätte ich sonst ein Comeback versucht, das wollte ich nicht.

STERN: Nicht mal ein Comeback als Trainer hat Sie gereizt?

RADENKOVIC: Der deutsche Fußballverband hat es nicht verstanden, Leute für sich zu gewinnen. Die Besten von damals haben sich vom Fußball verabschiedet, nur die 'Anonymen' sind als Trainer geblieben. Auch deshalb steckt der deutsche Fußball in einer tiefen Krise. Bayern München beispielsweise ist vor allem deshalb so weit gekommen, weil Präsident, Vizepräsident und Manager ehemalige Top-Spieler sind.

STERN: Also ein Leben ohne Fußball?

RADENKOVIC: Nein, für den jugoslawischen Fußballverband beobachte ich unsere Spieler im Ausland und begleite die Nationalmannschaft.

STERN: Und was ist mit Ihrem Münchner Hotel und dem Billardsalon 'Radi's Treffpunkt'?

RADENKOVIC: Ich habe gute Angestellte und deshalb viel Zeit, Freunde zu besuchen. Egal, ob in Kitzbühel, Monte Carlo oder Jugoslawien.

STERN: Ist Ihre Familie vom Bürgerkrieg betroffen?

RADENKOVIC: Nein, ich habe dort keine Verwandten. Meine Eltern haben bis zu ihrem Tod in Amerika gelebt, Geschwister habe ich nicht. Der Krieg macht mich nostalgisch: Früher haben die Leute dort harmonisch zusammengelebt, ohne zu fragen: 'Wer bist du, und wo kommst du her?' Heute ist das leider anders.

STERN: Sie haben seit 17 Jahren einen deutschen Paß. Was halten Sie von der doppelten Staatsbürgerschaft?

RADENKOVIC: Ich bin dafür. Damals war ich eine der Ausnahmen, die sie bekommen haben. Viele Leute wollen ihren Paß nicht behalten, um Vorteile zu erlangen, sondern er ist einfach ein Stückchen Heimat - außerdem gibt es die doppelte Staatsbürgerschaft fast auf der ganzen Welt.

STERN: Sie haben zwei Töchter. Traurig, daß kein Sohn in Ihre Fußstapfen treten konnte?

RADENKOVIC: Im Gegenteil. Ich hätte Angst gehabt, daß der Junge nicht so gut ist wie sein Vater. Der Sohn von Beckenbauer soll sehr gelitten haben.

Mit Petar Radenkovic sprach STERN-Mitarbeiterin Julia Garnies.