HOME

Was macht eigentlich: Tony Sheridan

Anfang der 60er Jahre stand der irische Musiker mit den Beatles im Hamburger Starclub auf der Bühne. Mit Skinny Minny hatte er dann 1964 seinen Solohit

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit den Beatles?
Das war 1960 im Studio X, einem Strip-Schuppen auf der Großen Freiheit. Ich machte mit meiner Gitarre den Pausenfüller, wenn die Mädchen sich umzogen. Irgendwann kam dann diese Truppe aus Liverpool vorbei, um mir zuzusehen. Na ja, vielleicht auch wegen der Frauen. Aber sie wollten mich spielen hören.

Wussten Sie, wer sie waren?


Nein, die Beatles kannte damals kein Mensch. Aber die Jungs waren sympathisch und hatten die gleiche Vorstellung von guter Musik wie ich. Wir sind dann häufig gemeinsam aufgetreten. Für ein paar Monate haben wir sogar zusammen gewohnt. Nette Kerle, aber keine übermäßig begabten Musiker ...

Die Beatles - ein Haufen Stümper?!


Das nicht, sie hatten jede Menge Talent. Nur mussten sie noch viel lernen. Dafür war die Zeit in Hamburg ideal: Die haben geklaut und abgeguckt, wo sie konnten. Auch bei mir.

Ihr Erfolg dagegen blieb verhalten. Was stand denn Ihrer Karriere im Weg?


Ich hatte nie einen so unstillbaren Ehrgeiz wie John Lennon. Als die Beatles schon mit "Love me do" die Charts stürmten, blieb ich in Hamburg und machte weiter meine Konzerte. Einen Plattenvertrag bekam ich auch, einen ziemlich schlechten. Ich musste grauenhafte Schnulzen singen - schrecklich! Immerhin hatte ich ja dann doch noch einen richtigen Hit: "Skinny Minny".

1967 sind Sie für zwei Jahre nach Vietnam gegangen, um für die US-Truppen zu spielen...


Das hatte aber nichts mit meiner politischen Einstellung zu tun - so etwas habe ich gar nicht besessen. Ich hätte damals einfach alles gemacht, um von St. Pauli wegzukommen. Sieben Jahre zwischen Dreck und Drogenszene waren genug. Ich brauchte dringend ein anderes Publikum! Den Hamburgern hätte man alles vorsetzen können, die wollten sowieso nu r tanzen. Die Soldaten dagegen haben meiner Musik richtig zugehört.

Trotzdem sind Sie wieder nach Deutschland zurückgekehrt.


Schon, aber ich war sehr viel auf Tour in ganz Europa. Für eine Weile habe ich auch in London gelebt. Das war eine sehr rastlose Phase, immer auf der Suche nach mir selbst.

Und? Fündig geworden?


Ich habe mich viel mit Religion und spirituellen Themen beschäftigt. Vor allem der Buddhismus hat mich sehr fasziniert. 1982 wurde ich zu einem "Sannyasin", habe angefangen, viel zu medi-tieren auf der Suche nach der inneren Ruhe. Ich habe mir sogar einen neuen Namen geben lassen: Swami Prabhu Sharan. "Tony Sheridan" heiße ich eigentlich nur noch auf Plattencovern und Konzerten.

Wovon leben Sie heute?


Von Musik natürlich. Im Sommer habe ich eine CD mit neuen Liedern rausgebracht, außerdem trete ich weltweit auf Beatles-Festen auf - im Dezember geht es nach Brasilien. Als Schauspieler habe ich mich gerade auch versucht: Am 20. Dezember kann man mich im ZDF bei "Stubbe" bewundern, als Beatles-Spezialist.

Warum hängen in Ihrem Haus überall Wappen?


Ich bin Heraldiker, das heißt, ich beschäftige mich mit Wappenkunde. Ich bin auch Mitglied in der offiziellen "Society of Heraldic Arts". Ich kreiere persönliche Wappen.

Interview: Daniel Sander

print
Themen in diesem Artikel