was-macht-eigentlich Walter Eschweiler


Der Schiedsrichter, der sich als 'Schwarze Diva' auf den Fußballplätzen Respekt verschaffte, war 1982 bei der Weltmeisterschaft in Spanien spektakulär zu Boden gegangen

Der Schiedsrichter, der sich als 'Schwarze Diva' auf den Fußballplätzen Respekt verschaffte, war 1982 bei der Weltmeisterschaft in Spanien spektakulär zu Boden gegangen STERN: Wie war das eigentlich damals, als Sie über den Haufen gelaufen wurden?

ESCHWEILER: Der peruanische Spieler Velasquez, mit einer Figur wie ein Orang-Utan, hatte mich einfach übersehen. Ich absolvierte meine berühmte Rolle rückwärts und griff sofort nach meinen Zähnen. Die waren zum Glück noch ganz, schließlich braucht jeder Mensch ein Gebiß zum Beißen und zum Küssen. Dann suchte ich meine Buchhaltung zusammen und bin schnell wieder aufgestanden. Nach dem Motto: Eine deutsche Eiche wankt, aber sie fällt nicht.

STERN: Keine größeren Blessuren davongetragen?

ESCHWEILER: Nein. Nach der ersten Halbzeit kam sofort ein Anruf vom damaligen Außenminister Genscher. Er erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden. Ich antwortete spontan: 'Lieber Herr Minister, außer dem angeborenen Dachschaden liegt keine nennenswerte Beschädigung vor.'

STERN: Wieso hat Genscher Sie angerufen?

ESCHWEILER: Der war damals mein Chef. Ich arbeite seit 40 Jahren im diplomatischen Dienst des Auswärtigen Amtes. Davon 15 Jahre im Protokoll für Staatsbesuche. Seit 1979 bin ich im Arbeitsstab 'Humanitäre Hilfe' und heute vor allem mit dem Flüchtlingswesen befaßt.

STERN: Haben Sie Ihre Pfeife an den Nagel gehängt?

ESCHWEILER: Wo denken Sie hin? Ich werde zu 40 bis 50 Prominentenspielen im Jahr eingeladen. Überall auf der Welt, mit Stars wie Beckenbauer, Platini oder Pele. Außerdem pfeife ich seit 25 Jahren die Bundestagsmannschaft. Da spielen alle mit, die etwas geworden sind: Kohl, Gerhardt, Blüm, Waigel, Fischer und sechs Jahre lang Schröder.

STERN: Was war Ihr lustigstes Erlebnis auf dem Spielfeld?

ESCHWEILER: Der Italiener Bruno Conti ließ sich mal ganz spektakulär im französischen Strafraum fallen. Auf englisch habe ich ihn aufgefordert: 'Bruno, stehen Sie bitte auf. Der heilige Vater schaut zu. Ihr Seelenheil ist in Gefahr.' Wie von der Tarantel gestochen kam er wieder hoch.

STERN: Was halten Sie von Frauenfußball?

ESCHWEILER: Ich habe das erste Pokalfinale der deutschen Damen in Mainz gepfiffen. Damals war ich überzeugt, daß das nur eine Modeerscheinung wird. Aber heute muß ich sagen: Die Frauen leisten Erstaunliches. Sie spielen meist ritterlicher als die Herren.

STERN: Spielen Sie auch Fußball?

ESCHWEILER: Nicht mehr. In jungen Jahren habe ich gekickt. Nach einer Fußverletzung wurde es mir aber verboten. Da bin ich Schiedsrichter geworden. Mein Entdecker war der damalige DFB-Präsident Peco Bauwens.

STERN: Sie saßen schon oft in der Jury bei Miß-Wahlen. Wie kommen Sie denn dazu?

ESCHWEILER: Vor vielen Jahren habe ich mal Hans-Dietrich Genscher in so einer Prominentenjury vertreten. Seitdem rufen die mich immer wieder an. Man meint, ich hätte einen klaren Blick.

STERN: Und welches sind Ihre Kriterien für eine Schönheitskönigin?

ESCHWEILER: Man kann im Vorfeld mit den Damen reden. So bilde ich mein Urteil. Mir kommt es sehr auf das Auftreten an. Eine sportliche Figur ist natürlich auch entscheidend.

STERN: Wie halten Sie sich fit?

ESCHWEILER: Ich trainiere heute noch wie zu Bundesligazeiten. Sechs bis acht Einheiten die Woche, damit der vorolympische Astralkörper griffig und fit bleibt. Außerdem lasse ich mich regelmäßig untersuchen. Beim letzten Belastungs-EKG bat mich der Arzt: 'Lieber Freund, hören Sie bitte auf, Sie treten mir das Rad kaputt.'

Mit Walter Eschweiler sprach STERN-Mitarbeiterin Susanne Schormann.


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