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Wasserspringer outet sich: Tom Daley liebt einen Mann

"Es ist ein Mann." In einem Video hat sich Turmspringer Tom Daley zu seiner neuen Liebe geäußert. Sein Coming-out ist ein mutiger Schritt. Sportler, Prominente und Fans zollen ihm dafür Respekt.

Es sei keine einfache Entscheidung gewesen. Aber: "Ich will euch etwas sagen." Mit diesen Worten kündigt Tom Daley sein Video an. Auf ein Sofa mit Kissen gelümmelt, erzählt der 19-jährige Turmspringer aus Großbritannien von seinem Leben. "Die vergangenen Jahre waren eine Achterbahnfahrt", sagt der bei den Olympischen Sommerspielen von London gefeierte Sportler. 2011 habe er um seinen Vater getrauert, der an Krebs verstarb. "Das war der härteste Einschnitt in meinem Leben", so Daley. Dann habe er 2012 über seine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in London gejubelt. "Darauf bin ich stolz." Schließlich wird der junge Sportler noch persönlicher. Er spricht offen über seine Gefühle und erklärt, warum er das sagt, was er gleich sagen wird.

"Im Frühjahr dieses Jahres hat sich mein Leben komplett verändert", erklärt Daley in dem gut fünfminütigen Video, das er am Montag auf seinem Youtube-Kanal online gestellt hat. Der Grund dafür sei eine neue Beziehung. "Ich habe jemanden getroffen, der mich glücklich macht und mir Sicherheit gibt. Es fühlt sich großartig an", sagt Daley. Dann ringt er um Worte, holt tief Luft, zieht die Augenbrauen nach oben und lässt die Bombe platzen: "Dieser jemand ist ein Mann!"

Die Erkenntnis, auf Männer zu stehen, habe ihn selbst ein wenig überrascht. "Es war immer in meinem Hinterkopf, dass dies passieren könnte. Aber erst im Frühjahr hat es Klick gemacht." Ob er schwul oder bisexuell ist, lässt der in Plymouth geborene Wasserspringer offen. "Es gibt fantastische Mädchen, aber im Moment treffe ich mich mit einem Jungen und könnte nicht glücklicher sein."

Daley verärgert über "Nicht schwul"-Interview

Noch Anfang September wurde in britischen Medien berichtet, Daley habe Gerüchte über seine vermeintliche Liebe zu Männern dementiert: "Ich bin nicht schwul - aber mir ist es auch egal, wenn jemand das denkt", zitierte ihn die britische Tageszeitung "Mirror" (das komplette Interview finden Sie hier).

Der Artikel war offenbar einer der Auslöser für sein Coming-out. "Ich wurde falsch wiedergegeben", sagt Daley. Das habe ihn sehr wütend gemacht. "Ich habe mich vielleicht bei manchen Fragen nur vage ausgedrückt, aber ich war immer ehrlich."

Coming-out im Spitzensport gilt als Tabubruch

Mit seinem Coming-out ist Daley einer der wenigen aktiven Spitzensportler weltweit, der offen über seine Homo- beziehungsweise Bisexualität spricht. Aus Furcht vor Ausgrenzung und Diskriminierung ziehen es viele schwule oder lesbische Athleten vor, ihre sexuelle Orientierung zu verheimlichen. Tennisspielerin Martina Navratilova, Fußballer Robbie Rogers oder Olympiasieger Greg Louganis - sie alle sprachen erst nach dem Ende ihrer Karriere offen über ihre Homosexualität.

Umso mutiger ist der Schritt des erst 19-jährigen Tom Daley, der auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro dabei sein möchte. Auf die Unterstützung des britischen Schwimmverbands kann er dabei zählen. "Wir müssen Tom Daley bei seiner Entscheidung für ein Coming-out unterstützen", twitterte Edward London, Vorsitzender der Amateur Swimming Association (ASA). "Er ist sehr mutig und als ASA-Vorsitzender bin ich stolz auf ihn."

Unterstützung von Sportlern, Fans und Prominenten

Auch auf seine Fans kann sich Daley verlassen. Mehr als 88.000 User haben sein Video bereits geliked. Unter dem Hashtag #RespectTom haben auf Twitter hunderte Nutzer dem Sportler Respekt gezollt, darunter auch Sängerin Kylie Minogue. "Begeisternd und mutig … wie immer!", twitterte die Australierin. Auch der englische Ex-Fußballnationalspieler Gary Lineker gratulierte Daley: "Entzückt, dass Tom Daley in seiner neuen Beziehung glücklich ist. Sehr gut, dass du es uns gesagt hast. Viel Glück für beide."

Daley selbst bedankte sich vor allem für die Unterstützung seiner Familie und seiner Mutter. "So glücklich eine Mutter zu haben, die mir hilft", schrieb er auf Facebook. Via Twitter bedankte er sich bei allen Fans. "Überwältigt von all der Unterstützung. Das bedeutet die Welt für mich. Danke euch vielmals, Leute."

mai