Wiegenfest Max Schmeling will 100 werden


Aber erstmal feiert Box-Idol Max Schmeling seinen 99. Geburtstag. Hinter ihm liegt eine einzigartige sportliche Karriere. Fraglos der Höhepunkt - die Weltmeisterschaft im Schwergewicht 1936.

Box-Legende Max Schmeling tritt seit einigen Jahren nicht mehr öffentlich auf und gibt keine Interviews mehr. Er meidet jeden Stress, damit er seinen 100. Geburtstag noch erleben kann. Das berichtet sein Freund Waleri Ripperger in der Zeitschrift "Bunte". Schmeling sei in seinem Haus in der Lüneburger Heide - Hollenstedt im Kreis Harburg - "noch relativ gut auf den Beinen" und lese täglich Zeitungen. Am Dienstag feiert er seinen 99. Geburtstag.

Manchmal komme er sich wie ein wandelndes Monument vor, schrieb Schmeling in seinen Erinnerungen. Bewundert wird er Zeit seines Lebens als bescheiden gebliebener Mann, dem die großen sportlichen Erfolge nie zu Kopf gestiegen sind und der seinen Gegnern immer mit Achtung begegnete.

Historische Ringschlacht

Immer noch ist er als einziger deutscher Schwergewichts-Weltmeister ungeschlagen. Sein Ruhm gründet sich auf einen Triumph: In einer wahrhaft historischen Ringschlacht schlug Schmeling am 19. Juni 1936 in New York den als unbesiegbar angesehenen Joe Louis in der zwölften Runde k.o.

Unangefochtener und von keinem Konkurrenzverband bestrittener Weltmeister aller Klassen war Schmeling aber schon 1930 geworden, weil sein Gegner Jack Sharkey wegen Tiefschlags in der vierten Runde disqualifiziert wurde. Zwei Jahre später verlor er den Titel wieder, denn derselbe Sharkey besiegte ihn nach Punkten.

Sympathie der Nazis kühlte nach der Niederlage ab

Nach seinem Erfolg gegen Louis schmiedete Schmeling Pläne für einen Kampf mit Weltmeister James Braddock. Diese fielen aber Intrigen zum Opfer, und so musste Schmeling bis zum 22. Juni 1938 auf seine Chance warten - auf eine Begegnung mit dem Mann, der inzwischen Braddocks Nachfolge angetreten hatte: Joe Louis eben. Und dieser nutzte seine Chance zur Revanche: Im Yankee-Stadion in New York, in dem 70.000 Zuschauer tobten, schickte Louis den Deutschen in der ersten Runde drei Mal zu Boden, und dessen getreuer Trainer Max Machon warf das Handtuch.

Der zweite Kampf mit Louis, der auf beiden Seiten des Atlantiks zu einer Art politischen Schlacht emporpropagiert worden war, ließ die Sympathie der herrschenden Nazis für das Boxidol abkühlen. Schmeling schrieb später: "Für Hitler wie für Goebbels existierte ich nach dieser Niederlage nicht mehr."

Als Fallschirmjäger verwundet

Nachdem er 1939 im Kampf gegen Adolf Heuser die Europameisterschaft errungen hatte, wurde Schmeling im Krieg zu den Fallschirmjägern eingezogen. Er sprang über Kreta ab, wurde verwundet und im Ausland totgesagt.

Das Kriegsende bedeutete für ihn auch den Verlust seines Gutes in Pommern, und so versuchte er noch einmal, mit Boxen eine Existenz aufzubauen. Nach acht Jahren Pause kehrte er 1947 in den Ring zurück und bestritt mit wechselndem Erfolg vier weitere Kämpfe. 1948 verkündete er in Berlin seinen endgültigen Rücktritt. In seiner 20-jährigen Karriere hatte er 70 Kämpfe bestritten.

Ehrenbürger von Klein-Luckow

Schmeling entwickelte sich danach zum erfolgreichen Unternehmer. Er ließ sich in der Nähe Hamburgs nieder, wo er als Sohn eines Steuermanns aufgewachsen war. Zur Welt kam er am 28. September 1905 in Klein-Luckow bei Prenzlau in der Uckermark. Dort wurde er jetzt zum Ehrenbürger ernannt. Die Ehrenbürgerschaft Hamburgs hatte er 2002 abgelehnt.

Max Schmeling war noch ein Baby, als die Familie nach Hamburg zog. Sein Vater war Steuermann, die Mutter stammte aus einer Bauernfamilie. Als Angestellter eines Düsseldorfer Tiefbauunternehmens im Boxclub Köln-Mülheim den Grundstein seiner Sportkarriere gelegt. 1924 gewann er den Amateur-Vizemeistertitel im Halbschwergewicht, wurde Berufsboxer, 1926 deutscher Meister, 1927 Europameister im Halbschwergewicht und 1928 Meister aller Klassen.

Besser als sein Ruf

Er war mit vielen Schriftstellern und Künstlern der Weimarer Republik befreundet, in der Boxen zum gesellschaftlichen Leben gehörte. Erst 1989 wurde bekannt, dass er 1938 in seiner Berliner Wohnung zwei jüdische Bekannte versteckt und ihnen so die Flucht in die USA ermöglicht hatte. In Amerika hatte man zum Boykott von "Nazi-Schmeling" aufgerufen, und Schmeling stand nach 1945 im Ruf, Nutznießer des NS-Regimes gewesen zu sein.

Mit seiner Frau, der tschechischen Schauspielerin Anny Ondra, baute er sich nach dem Krieg zunächst eine Existenz in der Landwirtschaft (Pelztierfarm, Geflügel, Karpfenteiche) auf. 1957 wurde er Konzessionär für den Vertrieb von Coca-Cola und baute ein Unternehmen mit über 500 Angestellten auf.

1991 gründete er die Max-Schmeling-Stiftung, die nicht nur in Not geratene Sportler unterstützte, sondern auch Senioren in seinem Geburtsort in Mecklenburg-Vorpommern und in seinem Wohnort. Als stiller Wohltäter engagierte er sich auch für die Opfer der Hochwasser-Katastrophe 1997 und für Kinder und Behinderte. Sein hohes Alter erklärte er einmal damit, dass er keinen Alkohol getrunken und nie geraucht habe.

Ulrich Renz/AP AP

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