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"Fulla": Barbies arabische Konkurrenz

Sie ist eitel, konservativ und fromm. Fulla, die arabische Konkurrentin der westlichen Barbie-Puppe trägt einen Schleier und ist der letzte Schrei in muslimischen Kinderzimmern.

Fragt man ein siebenjähriges Mädchen in New York, Berlin oder Madrid, was es sich zum Geburtstag wünscht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sich später im Geschäft vor einem Regal voller Puppen mit güldenem Plastikhaar wieder findet. Die Puppen tragen Reiterhosen, Miniröcke oder Prinzessinnenkleidchen. "Barbie" mit der Wespentaille ist seit Jahrzehnten der Traum aller kleinen Mädchen, die gerne rosa Schleifen im Haar tragen. Und sie ist das Feindbild vieler moderner Mütter. Doch neben ihrer neuen arabischen Konkurrentin "Fulla" wirkt das dauerlächelnde Blondchen aus den USA geradezu emanzipiert.

"Fulla", deren Siegeszug in arabischen Kinderzimmern vor zwei Jahren begonnen hat, und die sich in einigen Staaten der Region inzwischen sogar besser verkauft als die blonde Cousine aus den Staaten, ist zwar genauso eitel wie "Barbie" und trägt braune Strähnchen im langen schwarzen Haar. Doch knappe Röckchen und enge Hosen findet man nicht im Kleiderschrank der muslimischen Puppe. "Fulla" trägt im Haus lange Röcke und langärmelige Blusen. Ihre Straßenkluft besteht aus einem schwarzen Gewand ("Abbaja") mit Kopftuch, so wie es das Gesetz in Saudi-Arabien vorschreibt. Es gibt die Puppe auch in der Gebets-Version, mit kleinem Teppich, Gebetskette und einem bestickten weißen Gewand, unter dem nicht nur die Haare, sondern auch die Schultern gänzlich verschwinden.

Ihr Name bedeutet "arabische Jasminblüte"

Schon 1,5 Millionen Mal soll sich das von der syrischen Firma New Boy in China gefertigte fromme Mädchen mit den Rehaugen in diesem Jahr bereits verkauft haben. Ähnlich wie bei "Barbie" gibt es inzwischen auch von "Fulla" dutzende Accessoires und sogar Badeschlappen und Federballschläger. Die arabische Puppe hat zwar etwas weniger Oberweite als ihre amerikanische Konkurrentin, ist aber genau wie diese auch deutlich schlanker als die meisten Frauen in den arabischen Staaten. Ihr Name bedeutet "arabische Jasminblüte".

Selbst bei Nicht-Musliminnen kommt "Fulla", die nicht so blass ist wie Barbie, gut an. "Ich habe mir die singende Fulla mit Batterie von meinen Eltern gewünscht. Sie hat so schöne Augen", sagt Joana, eine christliche Schülerin aus Jordanien, die in ihrem Regal ein Dutzend "Barbies" liegen hat. Dass "Fulla" ein muslimisches Mädchen sein soll, stört sie nicht. Das Modell mit dem Gebetsteppich käme für sie allerdings nicht in Frage.

Wie ein arabisch-muslimisches Mädchen sein sollte

Die Kairoer Grundschullehrerin Asmaa Mustafa würde die Puppe dagegen vor allem kaufen, "weil sie so ist, wie ein arabisch-muslimisches Mädchen sein sollte." Die Erzieherin, die selbst ein Kopftuch trägt, würde nicht wollen, dass ihre Tochter "mit so etwas fremdartigen wie der Barbie spielt". Die Hersteller von "Fulla" profitieren davon, dass politische Frustration in fast allen arabischen Ländern in den vergangenen Jahren zu einer Re-Islamisierung geführt hat. So trägt inzwischen die überwältigende Mehrheit der Ägypterinnen Kopftuch, ein Teil verhüllt auch das Gesicht.

"Wenn eine Frau mit Gesichtsschleier in die Puppenabteilung kommt, dann weiß ich, dass sie garantiert mit Fulla zur Kasse geht und nicht mit Barbie", erklärt Hala Ibrahim, Verkäuferin in einem der größten Spielwarengeschäfte von Kairo. Die Ägypterin, die zu Jeans und T-Shirt ein Kopftuch trägt, kichert. "Fulla ist bestimmt schon 25 Jahre alt, da müssten wir, weil sie doch ein braves arabisches Mädchen ist, einen Ehemann für sie finden", sagt sie. Denn eines ist klar, ein Freund wie "Ken", der mit "Barbie" eine außereheliche Liebesbeziehung hat, kommt für "Fulla" nicht in Frage. Ob es irgendwann "Ahmed" aus Kunststoff geben wird, der "Fulla" dann einen Ring an ihren zarten Finger stecken wird, ist aber noch offen.

Anne-Beatrice Clasmann/DPA/DPA

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