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"Vogue"-Magazin: Gegen die weiße Modewelt

Ihre Idee sorgte für einen Run auf die Zeitungskioske: In der Juli-Ausgabe der italienischen "Vogue" zeigt Magazin-Chefin Franca Sozzani ausschließlich dunkelhäutige Schönheiten. Daneben wirken die hellhäutigen, elfenhaften Models in den Werbekampagnen fast wie austauschbare Puppen.

Von Luisa Brandl, Rom

Franca Sozzani ist dafür bekannt, dass sie Kontroversen nicht scheut. Die Chefin der italienischen "Vogue" hat schon oft mit ihren Themen lebhafte Diskussionen angestoßen. Doch mit dem Juli-Heft hat sie soviel Furore gemacht wie nie zuvor. Die komplette Ausgabe zeigt im redaktionellen Teil ausschließlich dunkelhäutige Models. Der "Vogue"-Titel "The Black Issue" löste in Großbritannien und den USA einen solchen Run auf die Zeitungskioske aus, dass 40.000 Exemplare nachgedruckt werden mussten.

Sozzani ließ den New Yorker Starfotografen Steven Meisel farbige Schönheiten von Naomi Campbell über Tyra Banks, Pat Cleveand und Imam bis hin zu jüngeren Gesichtern wie Alek Wek, Jourdan Dunn oder Liya Kebede in Szene setzen. Auch in den Textbeiträgen geht es um schwarze Frauen in der Kunst- und Unterhaltungs-Branche. Auffällig ist der Kontrast zu den Werbekampagnen im Heft, die ohne Ausnahme hellhäutige, elfenhaft anmutende Models zeigen. Sie wirken mit ihrer glatten, cleanen Schönheit austauschbar neben den ausdrucksstarken farbigen Mannequins.

Inspiration von Barack Obama

Die Idee zu dem Heft kam Sozzani angeblich in einem Gespräch mit Naomi Campbell. Die Chefredakteurin und das Topmodel stellen fest, dass immer weniger farbige Models für Modeschauen und Magazin-Titel gebucht werden. Als Sozzani dann am so genannten "Super Tuesday" in den USA selbst miterlebte, wie Barack Obama zum Kandidaten der Demokraten aufstieg, fasste sie ihren Entschluss. "Wenn Amerika bereit ist für einen farbigen Präsidenten, ist die Modewelt auch bereit für farbige Models," sagte Sozzani in einem Interview.

Seit 20 Jahren führt sie die italienische "Vogue" und machte sie zu einem Trendsetter unter den weltweiten "Vogue"-Redaktionen. Mit Specials über plastische Chirurgie und das Milieu der Paparazzi sorgte sie bereits für Schlagzeilen. Erstmals widmete sich die "Vogue" Italia jedoch in einer ganzen Ausgabe einem bestimmten Model-Typ. Der Erfolg des Hefts widerlegt ein hartnäckiges Gerücht in der Branche, wonach sich Mode an schwarzen Models nicht verkaufen lasse. Denn noch immer dominiert der langbeinige Kindfrauen-Typ aus Osteuropa das Modegeschäft.

Renaissance des Rassismus?

Seit den 60er Jahren waren noch nie so wenige farbige Mannequins zu sehen wie heute. Und wenn schicken Designer afrikanische oder asiatische Models stereotyp im Ethno-Look oder im Kimono über den Laufsteg. Sozzani zeigt die dunkelhäutigen Ikonen dagegen mit eleganten Outfits und in teils opulentem Ambiente. Fotograf Meisel wünscht sich, häufiger farbige Models für die Kampagnen seiner Kunden aus der Werbung buchen zu können. Doch die meisten schreckten davor zurück aus Angst, ihre Produkte nicht verkaufen zu können, so Meisel. "Dabei würden Models unterschiedlicher Hautfarbe viel mehr Abwechslung in die Werbewelt bringen", sagte Meisel in einem Interview. "Es ist lächerlich, Menschen zu diskriminieren. In welcher klein karierten Welt leben wir eigentlich, dass diese ganzen Vorurteile wie Alter, Gewicht, sexuelle Vorlieben, Hautfarbe immer noch eine Rolle spielen."