HOME

Alta Moda Rom: Der gezähmte Widerspenstige

Letztes Jahr hatte er Rom noch mit essbaren Entwürfen auf den Kopf gestellt. Mit seiner neuen Kollektion eifert das Enfant terrible der Alta Moda, Alessandro Consiglio, jetzt den Designern in Paris nach.

Das Enfant terrible der Alta Moda, Alessandro Consiglio, scheint erwachsen geworden zu sein - auch wenn seine neue Kollektion alles andere als brav ist. Hatte der 30-Jährige in den vergangenen Jahren noch mit Zigarettenkleidern aus zehntausenden Glimmstängeln und essbaren Entwürfen aus Gemüse und Fisch für Aufsehen gesorgt, präsentierte er jetzt mit bunten Blumen, Pailletten und Perlen bestickte Hüftjeans aus Satin, Jäckchen, Tops und Korsetts: Eine Schau, "die sich ohne Probleme in die Pariser Defilees von Lacroix und Dior eingereiht hätte", schrieb die Zeitung "Il Messaggero". Einzige wirkliche Extravaganz: Die Frisuren der Modelle - mit Kilos von Haaren und riesigen Vogelnestern.

Höhepunkte der Modewoche waren die Altmeister: Renato Balestra und seine glamourösen Abendroben in allen Regenbogenfarben, Fausto Sarli und seine am Jugendstil und Sarah Bernhardt inspirierten Nostalgie-Entwürfe sowie der "Mitsommernachtstraum" aus Kaschmir, Bouclé und Kristallverzierungen von Lorenzo Riva. Nicht zu vergessen natürlich Alberta Ferretti, die Grande Dame der italienischen Mode. Sie erhielt einen Preis für ihr Lebenswerk und dankte ihren Fans mit einer bezaubernden Schau auf dem Kapitol.

Kritik an zu vielen Jungdesignern

"Bei den Alta-Moda-Tagen sind zu viele Jungdesigner dabei. Eigentlich sollte ja das Talent ausschlaggebend sein, aber dem ist wohl nicht so", mäkelte Renato Balestra vor seinem bejubelten Defilee auf der Pincio-Terrasse. Tatsächlich sagen immer mehr berühmte Modeschöpfer "Addio" zur Modewoche in der Ewigen Stadt und ziehen nach Paris und Mailand. "Hier sind nur noch wenige historische Namen der Alta Moda dabei - ich, Fausto Sarli und Renato Balestra. Wir halten die Stellung", brachte es Lorenzo Riva auf den Punkt. Dennoch: Nicht nur die gereiften Herren zeigten Kreationen der Extraklasse, auch die neue Generation bewies in der vergangenen Woche, dass sie durchaus tragbare Mode machen kann.

Allen voran der Italo-Portugiese Francisco Rosas, der mit seinen seidigen Cocktail-Kleidern in Grau, Schwarz, Elfenbein und Beige das Publikum überzeugte. Aber auch die von Engeln, Liebe und Nude Look beherrschte Schau der Russin Ziyazova Sumbel Failevna gefiel, ebenso wie das kapriziöse, verführerische Defilee des Libanesen Tony Ward.

Sempre Roma

Unangefochtener Liebling der Besucher bei den Alta-Moda-Tagen in Rom ist unterdessen - Rom selbst. Auch wenn die ganz großen Namen der Designerszene weiter auf dem Programm fehlen, das einmalige Szenario des Kapitolshügels, der Pincio-Terrasse oder des Hadrianstempels entschädigen für das Fehlen von Valentino, Armani und Ferré.

DPA / DPA