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Claudia Effenberg auf Fashion Week Berlin: Posh Spice auf deutsche Art

So viel Rummel wünscht sich jeder Jungdesigner: Ex-Model und Ex-Spielerfrau Claudia Effenberg präsentiert auf der Berlin Fashion Week ihre Kollektion und sorgt für mächtigen Promirummel im "Adlon". Und tragbar sind ihre Sachen auch noch.

Von Sophie Albers

Zuerst ist man ein bisschen verwirrt, weil diese Frau, an deren Name neben Effenberg und Strunz auch immer die Beschreibung Ex-Model klebt, eine wahre Wuchtbrumme ist. Der schwarze Anzug umspielt hier nichts, und aus der Mitte heraus platzt ein pralles Dekolletee. Der Blick wandert aber schnell nach oben, denn auf dem Kopf von Claudia Effenberg - Frau von Ex-Fußballstar Stefan Effenberg, Ex-Frau von Ex-Fußballer Thomas Strunz und wie gesagt Ex-Model - hat das blondierte Haar nach oben toupiert, was mal nach Hahn, mal nach Jedward aussieht. Und dann diese Stimme.

Der Ballsaal im Berliner Hotel Adlon wurde für Modenschauen der Berlin Fashion Week umgebaut. Weiße Stuhlreihen drängen sich um den Lausteg. Es ist "voll, voll, voll", wie die Empfangsdame sorgenvoll bemerkt, denn am Mittwochabend präsentiert Claudia Effenberg ihre erste Modekollektion. Als Partnerin der Designerin Christina Duxa. Aber dass es so voll ist, liegt dann eben doch an Frau Effenberg. Und die pöbelt nun gerade die Fotografen an, die sich als Meute auf ihren Mann und ihre Freundin Simone Ballack, Noch-Spielerfrau, stürzen und Epilepsie-fördernd dauerblitzen. "Jetzt lassen Sie die Simone Ballack einfach mal in Frieden, sonst wird der Saal für die Presse geschlossen, ehrlich." Warum diese leicht kehlige Stimme durch den überfüllten Saal trägt, bleibt Frau Effenbergs Geheimnis.

Sara Nuru im Puffrock

Während diese sichtbar wie hörbar resolute Frau den Platzanweiser zusammenfaltet, weil jemand nicht richtig sitzt, hat sich Ex-"Germany's Next Topmodel"-Juror Peyman Amin neben Stefan Effenberg gekuschelt, der Kaugummi kauend und unverrückbar in der ersten Reihe sitzt. Grund für diese Kombination ist wohl auch, dass viele Models der Effenberg-Show, die just in dem Moment beginnt, als der strasssteinbeklebte Harald Glööckler einschwebt, aus der Castingshow rekrutiert sind. Das berühmteste ist Sara Nuru, Gewinnerin der vierten Staffel, die den Saal zum Johlen bringt, als sie über den Laufsteg stolziert - zuerst im schwarzen Puffrock, am Ende im schmalen, aber wild bestickten Brautkleid, letzteres Seite an Seite mit Effenbergs 13-jähriger Tochter Lucia.

Claudia Effenbergs Kollektion ist komplett tragbar, wenn man von ein paar Riesenstoffrosen, die den Roben mal am Ausschnitt oder am Arm kleben absieht. Zuerst gibt es viel Schwarzes in Seide, Spitze und auch Lack, was die Sparte "sexy" erledigt. Dagegen halten brave Hosenanzüge in Beigetönen, Seidenblusen mit knalligen Blumendrucken und schließlich Abendkleider, die mal so sehr glitzern wie das Gesicht von Glööckler, dann aber plötzlich auch wunderbar schlicht regelrecht nach Haute-Couture im Vintagestil aussehen. "La Vie en Rose" heißt die Linie, was den edlen Blumen geschuldet sein soll, die angeblich der Inspiration dienten.

Schmerzfrei wie Posh Spice

Warum aber ist dieser Saal so voll? Warum wurde die Show überall angekündigt? Warum liefen dann auch noch Udo Walz und Simone Thomalla über den kleinen roten Teppich vor der Tür? Was macht den Namen Effenberg so anziehend?

Weil sie medial sehr gut zu verkaufen sei, sagt eine PR-Agentin, die auf der Fashion Week ganz andere Labels vertritt und aus Neugier hier ist. Dass Effenberg Mode entwerfe, erreiche die breite Masse, denn hier gehe es weniger um Mode als um Prominente. Davon profitieren beide Seiten: Effenberg und die Marke. Diese Synergie funktioniere auch bei anderen Ex-Models wie zum Beispiel Natascha Ochsenknecht.

Das ganz große Vorbild sei dabei natürlich Ex-Popstar und Spielerfrau Victoria Beckham. Claudia Effenberg ist so etwas wie die deutsche Variante - bodenständiger und eben wuchtbrummiger ("In Victoria Beckhams Kleider würde ich nicht mal mit meinem Fuß reinkommen"), mehr München als Berlin (deshalb der ganze Strass und die Bierzeltlaune), aber ähnlich schmerzfrei wie Posh Spice: Auf die "Bild"-Zeitungsfrage ob ihre schrille Sucht nach Aufmerksamkeit peinlich sei, antwortete Effenberg einst: "Das ist nicht peinlich, sondern lustig!"

Als die Jungdesignerin kurz vor Beginn der Show laut geworden ist, hat die PR-Agentin übrigens gelächelt: "Diese Leute wissen doch, dass da ein Blitzgewitter ist - und sie genießen es." Aber damit hat das deutsche Publikum ja nun wieder ein Problem.