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Deutschlands neues Supermodel: Toni Garrn - besser als die Schiffer

Sie ist 17, sie ist blond, sie ist deutsch: Toni Garrn wird bereits als würdige Nachfolgerin von Claudia Schiffer gehandelt. Das Mädchen aus Hamburg zeigt: Die wahren Topmodels werden nicht im Fernsehen gemacht, sondern immer noch auf der Straße entdeckt.

Von Mareile Grimm

Ein wenig wie die junge Claudia Schiffer", denkt man, wenn einem Antonia Garrn in Jeans, Turnschuhen und ausgefranstem Wollpulli das erste Mal gegenübersteht. Ein natürliches, 17-jähriges Mädchen, die Schneidezähne ein wenig zu groß geraten, die Gliedmaßen ein wenig zu lang: 1,78 Meter, blond, blauäugig, nordisch. Und dann verwirft man den Gedanken sofort wieder, denn Antonia, Modelname Toni, besitzt eine Ausstrahlung, eine Aura, die die Schiffer nach 20 Jahren im Geschäft nicht entwickeln konnte. Eine Unstimmigkeit, ein minimaler Bruch, der aus einer schönen Oberfläche ein Charaktergesicht macht. Garrn bietet eine Erotik, die ergründet werden will.

Beim stern-Shooting verwandelt sich die Schülerin binnen einer Stunde in eine Femme fatale mit dunkel umschatteten Augen und wild toupierter Mähne. Es geht raus auf die Straßen von Paris - ins 10. Arrondissement, wo das Fototeam im Nu von Passanten, Händlern und Restaurantbesitzern aller Nationalitäten umringt ist. Von links drängen kreischende Kinder ins Bild, rechts hat sich eine Gruppe Inder aufgereiht. Kein Anzeichen von Nervosität ist Toni anzumerken, keine Unsicherheit. Selbst als die Fotografen sie bitten, sich in einem kniekurzen, knallengen Kleid zu Füßen eines in Macho-Manier posierenden Afrikaners zu legen, bleibt Toni ungerührt. So arbeitet ein Vollprofi.

Toni, das Ausnahmetalent

Beim Fanfest der Fußball-WM 2006 auf dem Jungfernstieg in Hamburg entdeckt, nach wenigen Monaten von Top-Fotografen wie Patrick Demarchelier und Steven Meisel gebucht. Dann eine einzige Modenschau in New York für Calvin Klein, und schon hatte sie sich den Exklusivvertrag als CKGesicht gesichert. Inzwischen ist Toni auch Testimonial einer großen Kosmetikmarke und wird bald die neue Kampagne von Boss Black zieren.

Und das Mädchen, die Schülerin, die Tochter Toni? Was für ein Leben führt sie zwischen Familie und Freunden in Hamburg und Fotoshootings in aller Welt, für die Kunden inzwischen bis zu 15 000 Euro Tagesgage zahlen? "Wenn ich nach Hause komme, freue ich mich am meisten auf das Essen bei Oma und Opa." Geradezu unverschämt unspektakulär - wo Heidi Klum der Fernsehnation doch eben beigebracht hat, dass, wer ein German Topmodel werden will, sein Leben verbissen der Karriere unterordnen muss.

Normale 17-Jährige würden schwach werden, sie, die vier Konten, aber immer noch keine Designerhandtasche besitzt, bleibt auf dem Boden. "Ich finde 400 Euro für eine Tasche pervers", sagt sie. "Wo soll ich die tragen? In der Schule bin ich dann sofort unten durch."

Wahrscheinlich ist es gerade das, was Toni so unwiderstehlich macht. Sie missachtet die Regeln, ohne es zu ahnen. Engagement bei der Arbeit ja, aber keine Selbstaufgabe. "Ich habe gemerkt, dass mir das Modeln leichtfällt, aber vielleicht finde ich in ein paar Jahren Gefallen an einem anderen Beruf." Oder sie bleibt einfach noch ein bisschen länger. Dann kann Frau Schiffer sich gern in den verdienten Model-Ruhestand verabschieden.

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