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Fashion Week: Die Deutschen erobern New York

Deutsche Modedesigner sind in diesem Jahr erstmals bei der Fashion Week in New York dabei und wollen triumphieren. "Wir lieben es zu überraschen", sagt Michael Michalsky von Adidas.

Deutsche Mode erobert verstärkt die Laufstege von New York. Wenn dort am 9. September der Startschuss zur Fashion Week (bis 16. September) fällt, werden Gabriele Strehle von Strenesse sowie Y-3 aus dem Hause Adidas zum ersten Mal mit dabei sein. Ihre Entscheidung ist eine Mischung aus strategischen Gründen und der Strahlkraft, die die wohl einzige Weltmetropole nach den September-Anschlägen 2001 längst wieder erreicht hat.

"Für uns ist der US-amerikanische Markt sehr wichtig. Mit unserer Show in New York wollen wir das unterstreichen", sagt Peter Kappler, frisch ernannter Vorstandsvorsitzender der Strenesse AG aus dem süddeutschen Nördlingen. Zehn Jahre lang präsentierte sich die von Gabriele Strehle entworfene Linie in Mailand. Der nun anstehende Wechsel sei jedoch kein endgültiger Abschied von dieser italienischen Plattform. "Allerdings passt unsere Kollektionsausrichtung im Moment besser zu der Modernität New Yorks. Den Kulturmix und das Lebensgefühl dieser Stadt empfinden wir als sehr positiv."

Die Szene verjüngt sich

Traditionell eröffnet New York in jeder Saison den Reigen der internationalen Designer-Defilees. Doch die Veranstalter konnten diesen strategischen Vorteil bisher kaum nutzen; New York stand stets im Schatten der später folgenden Schauen von Mailand und Paris. "An dieser Hierarchie hat sich zwar noch nichts geändert, aber New York holt auf", meint Peter Kappler. "Die Musikstars mit ihren eigenen Kollektionen und die hohe Prominentendichte in der ersten Reihe haben für einen frischen Wind gesorgt." Hinzu kommt, dass sich Amerikas Designerszene verjüngt. Dominierten jahrelang die arrivierten Namen wie Calvin Klein oder Ralph Lauren, kristallisiert sich nun eine neue Generation um das Duo Proenza Schouler heraus.

"New York ist der perfekte Ort für junge, innovative Labels wie Y- 3", findet auch Michael Michalsky, Kreativdirektor bei Adidas. Hinter dem Signum verbirgt sich eine exklusive Sportswear-Linie, die von dem japanischen Topdesigner Yohji Yamamoto unter dem Dach des Sportartikel-Giganten aus Herzogenaurach entworfen wird. Seit dem Debüt 2002 fand die Präsentation immer in Paris statt. Nun wechselt man die Seite des Atlantiks. "Wir waren eigentlich nie ein Teil des traditionellen Pariser Modesystems", resümiert Michalsky. Im Schritt nach New York sieht er einen "Sprung in eine höhere Dimension". Y-3 sei inzwischen ein den Kinderschuhen entwachsenes Designerlabel. "New York repräsentiert am besten den Geist der Marke. Denn die Wurzeln der Sportswear liegen in Amerika."

Deutsche Designer schwirren ins Ausland

Der deutschen Designer-Mode fehlt weiter ein nationales Defilee-Forum mit Promi-Flair, auf dem sie sich einheitlich darstellen könnte. Deshalb schwirren die Designer ins Ausland aus. In der Regel lautet die Wahl Paris oder Mailand. Die meisten der jungen Kreativen wie Bernhard Willhelm oder das Label Lutz entscheiden sich dabei für die kosmopolitischer ausgerichtete französische Hauptstadt. Mailand hingegen zieht vor allem die etablierten Häuser wie Jil Sander oder Aigner an. Auch das extrovertierte London hat Fans.

Wolfgang Joop jedoch gab schon immer New York den Vorzug, einst unter eigenem Namen, jetzt auch mit Wunderkind. "In Paris und Mailand geht es stets mehr um die Inszenierung als um die Innovation der Produkte", stellt er fest. Die New Yorker Laufstege sind in der Tat weitgehend exzessfrei und voll tragbarer Kleidung. "Immer noch hoffe ich jedoch, eines Tages den kürzeren Weg nach Berlin gehen zu können", formuliert der in Potsdam lebende Designer seinen Wunsch für die Zukunft.

"Wir lieben es, zu überraschen"

Doch noch boomt die Modemetropole Berlin allein dank ihrer Messen, allen voran der jungen Bread & Butter. Trotz der stark beachteten Show von Hugo Boss im Sommer zeichnet sich noch nicht ab, dass hier ein weiteres Zentrum für internationale Designer-Defilees entstehen könnte. Offen ist die Branche jedenfalls. "Berlin? Sie wissen ja, wir lieben es zu überraschen", lässt Michael Michalsky Raum für Spekulationen.

Axel Botur/DPA / DPA