Hausschuhe Der verschämte Furz der Männergarderobe


Es gibt nichts Peinlicheres als muffige, schluffige Hausschuhe, findet Autor David Pfeifer. Und plädiert überhaupt dafür, die stoffgewordene Domestizierung des Mannes abzuschaffen.

Die Garderobe eines Mannes, das wissen Anzugträger und Diskothekenbesucher, entscheidet sich an den Füßen. Jeder Türsteher, jeder Chef und vor allem: jede Frau sieht auf die Schuhe, wenn es darum geht, zu entscheiden - rein oder raus, heuern oder feuern, mitnehmen oder nach Hause schicken.

Also haben sich in den vergangenen Jahren die meisten Männer irgendwann mal die Mühe gemacht, sich gute Schuhe zu kaufen, bei denen gilt: Je weniger man ihnen ihren hohen Preis ansieht, desto besser kommen sie an. Und, wirklich, Männer, hier noch mal: keine Schuhe, die vorne eckig sind, keine Naht in der Mitte des Schuhs, keine "Camper", keine merkwürdigen Farben! All das zeigt zu viel Ambition in Tateinheit mit zu wenig Geschmack. Niemals Flipflops oder Turnschuhe zur Arbeit, sonst sieht man aus wie TV-Moderator Cherno Jobatey, und das ist natürlich eine Horrorvorstellung - für alle Männer außer Cherno Jobatey. Mit diesen Regeln kommt man durch die Welt, aber wie kommt man durch das eigene Leben?

Trend Richtung Privatheit

Im Sommer des vergangenen Jahres hat man mehr Privatsphäre erleben dürfen, als einem recht sein konnte. Die Fußball-WM machte die Deutschen zu Mega-Gastgebern, und plötzlich war man bei Menschen zu Hause, die man sonst nur vom Wegsehen in der Kantine kannte. Bei einer solchen Gelegenheit habe ich einen ausgewachsenen Mann erlebt, der seine ausgiebig behaarten, ansonsten aber kalkweißen Füße in Adiletten durch die Wohnung schleppte. Auch barfuß wurde manchmal empfangen, weil es ja ein sehr heißer Sommer war. So heiß, dass offenbar alle Fußpflegestudios Sommerpause hatten. Und wenn der Bauch die Beugung zum Fußnagelschneiden verunmöglicht, dann muss man halt warten, bis die Nägel sich am Boden abstoßen. Von den "Sandalen", wie ein Gastgeber seine etwa 93 Jahre alten Birkenstocks mit Schnallriemen euphemistisch nannte, will ich hier nicht ausführlicher berichten. Es gruselt mich immer noch.

Nun geht der Freizeittrend in Deutschland in Richtung Privatheit. Man lädt sich gegenseitig zum Essen ein, anstatt in eine Bar zu gehen - vor allem ab einem gewissen Alter. Überhaupt wird ja tüchtig was weggekocht in Deutschland, und jeder Mann, der bei einer Frau Eindruck schinden will, hat mittlerweile gelernt, ein paar Speisen zuzubereiten, in denen Zutaten vorkommen, deren Aussprache er erst seit wenigen Monaten beherrscht. Doch so ein Dinner ist schneller ruiniert, als ein Soufflé in sich zusammenfällt, wenn man dabei nicht darauf achtet, was man anzieht - gerade wenn es privat wird. Denn draußen Geschmack zu zeigen ist einfach. Es gibt ja genügend andere Männer, mit denen man sich abgleichen kann. Aber wie man sich privat kleidet, gibt preis, wie man wirklich ist. Wer nach Hause einlädt, sagt mehr über sich, als er im Gespräch wieder zurücknehmen könnte. Deswegen wird alles besonders scharf begutachtet, das Bücherregal, die Ablage im Bad und die DVDSammlung. Wer in ein paar ausgelatschten Hausschuhen empfängt, kann auch gleich den Nasenhaarschneider stehen lassen und muss das "Sex für Dummies"-Buch nicht verstecken. Und nach dem Abendessen (vermutlich Nudeln mit Ei) kann man zügig dazu übergehen, die Bud-Spencer-und- Terence-Hill-DVD-Box rauszuholen. Die Frau, die bis dahin geblieben ist, hat vermutlich ohnehin was an den Augen. Oder an den Geschmacksnerven.

Gute Sachen anziehen so oft es geht

Hausschuhe, ausgefranst und abgewetzt wie ein altes Kuscheltier, sind tatsächlich noch schlimmer als die berühmten Slipper mit weißen Socken drin. Sie sind die stoffgewordene Nachlässigkeit, der versehentlich entwichene Furz der Männergarderobe. Wer so was trägt, bekundet, dass er vollständig domestiziert ist und darüber hinaus nur dann Anstand zeigt, wenn er sich einen beruflichen Vorteil davon verspricht.

Ist das nun zusätzlicher Stress, auch in den eigenen vier Wänden noch darauf zu achten, wie man sich kleidet? Nein, es macht das Leben leichter. Denn am besten sortiert man seinen Kleiderschrank gleich so, dass man nicht mehr danebengreifen kann. Dabei ist die wichtigste Regel: Im Zweifel wegschmeißen. Die Bettwäsche mit dem Wappen des Lieblingsfußballvereins haben Sie ja auch irgendwann entsorgt. Und es gibt wirklich keinen Grund, Schuhe, die zu schäbig für die Straße sind, zu Hause über ihre natürliche Lebensdauer hinaus zu benutzen. Wer das einmal begriffen hat, zieht die guten Schuhe nicht mehr nur zu besonderen Anlässen an, sondern so oft es geht. Ganz besonders dann, wenn er Besuch bekommt.

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