Schülerzeitungswettbewerb Nachwuchsjournalisten ausgezeichnet


Knut, Klimawandel, Kinderarmut, sind die Themen von heute. Aber was wird uns in fünf oder zehn Jahren interessieren? Im Bundesrat sind die besten Schülerzeitungen ausgezeichnet worden. Vielleicht werden diese Redakteure uns die Welt von Morgen erklären, meint Schülerzeitungsredakteurin Shirine Issa in ihrem Gastbeitrag.

Schülerzeitungsredakteure aus dem gesamten Bundesgebiet treffen sich heute am 15. Juni im Gebäude des Bundesrates in Berlin. Sie alle sollen einen Preis für ihr Engagement in Schülerzeitungsredaktionen erhalten. Wer welchen Preis bekommt, bleibt indes geheim.

Um halb zehn füllt sich die Wartehalle langsam, vielleicht die "Zukunft des Journalismus"? Im ganzen Raum sind Stellwände platziert auf denen die Schülerblätter dargestellt sind. Hier können die noch ungekürten Preisträger ihre Mitstreiter begutachten. Ein Saxofontrio versucht mit Akkorden und Tuschen, die Spannung der Teilnehmer zu steigern. Zumindest bei den Gewinnern in der Kategorie Grundschule bleibt dieser Versuch ohne Erfolg. Die Kinder werden hibbelig, spielen verstecken hinter den Stellwänden und rennen die Angestellten des Bundesrates fast um.

Professionalität bedeutet nicht Hochglanz

Um Punkt zehn Uhr tritt Moderator Cherno Jobatey auf die Bühne. Hintereinander interviewt er im Schnelldurchlauf Vertreter, die hinter den Kulissen des Schülerzeitungswettbewerbes wirkten. Zuerst spricht er mit Harald Ringstorff, Schirmherr des Wettbewerbes und Präsident des Bundesrates über den Wunsch, jung zu sein und über die Wichtigkeit von Schülerzeitungen. Danach tritt Frank Halder von der Firma BASF, dem Hauptsponsor auf die Bühne, im Anschluss Michael Ebling, dem Vorsitzenden der Jury. Ebling zeigt sich beeindruckt von der Kreativität der Zeitungen: "Professionalität bedeutet nicht Hochglanz, Professionalität bedeutet Kreativität." Zum Abschluss wird Staatssekretär Gerd Hoofe interviewt. Er lobt das bürgerliche Engagement der Jugendlichen. Nach den Interviews ist schon wieder eine kleine Puse, die Teilnehmer können die Preisverleihung kaum noch erwarten, sie wippen nervös auf und ab. Zu Beginn waren es nur die Kinder, denen man ihre Ungeduld ansah, doch langsam werden auch die älteren Schüler und die Lehrer zusehends nervöser.

Doch erst einmal wird das Gruppenfoto geschossen. Schließlich bekommt man seltnen so viele engagierte junge Medienmacher auf einen Fleck. All diese Medienmacher strömen nach dem Foto in den großen Saal des Bundesrates. Sonst sind es Politiker, die hier sitzen. Heute sind es Schülerzeitungsmacher. Im Publikum sitzen natürlich auch einige Menschen im Anzug. Sie sehen wichtig aus, doch der Eindruck täuscht. Heute sind es die Kinder und Jugendlichen, um die sich alles dreht.

Cherno Jobatay ergreift das Mikrophon. Auf einmal geht alles ganz schnell. Die Preisträger werden hintereinander aufgerufen und haben zehn Sekunden Zeit, sich zu bedanken. Von Drachenblatt und Pausenblitz, über Tempus und Face to Face, bis hin zu den Grimmkids. Die Redakteure der Zeitung "Spargel" nutzen die Gunst ihrer 10 Sekunden Ruhm um dem Bundesratspräsident einen Spargelpin anzustecken. Dieser ist so überrumpelt, dass er sich willenlos fügt. Jobatay lobt die kleine Einlage. Im Journalismus sei es wichtig spontan zu reagieren, wenn sich eine Möglichkeit bietet.

Medien mit Mut

Nach der regulären Preisverleihung folgen die Sonderpreise. Der Presse-Grosso, der Verband Deutscher Zeitungsverleger und der Bundesverband der Unfallkassen verleihen Sonderauszeichnungen. Zum Abschluss verleiht Herr Gless, Ressortleiter für "Deutschland und Gesellschaft" vom stern zwei Sonderpreise für "Medien mit Mut".

Der gestandene Journalist hält eine eindrucksvolle Rede. Er beginnt mit den Worten "Liebe Kollegen, ihr seid Journalisten, wie ich. Ihr seid auf dem besten Weg, dem Wahnsinn zu verfallen. So wie ein Tischler mit Holz arbeitet, ist die Sprache unser Werkzeug - wir bauen Texte. Nicht selten kommt es vor, dass ein Redakteur eine Stunde an den ersten Sätzen seines Artikels feilt. Ihr seid auf dem besten Weg, dem Wahnsinn zu verfallen." Gless beschreibt seine Liebe zur Sprache und seinen Durst nach Wissen. "Wir hassen nichts mehr als Langeweile und sind gnadenlose Besserwisser."

Er findet den richtigen Ausdruck für das was viele der Anwesenden kennen und denken. Eine fast feierliche Stimmung herrscht, als die Teilnehmer den Saal verlassen. Sie alle haben eine Auszeichnung mitgenommen. Sie alle wurden heute geehrt, für die Arbeit, die sie lieben. Es wurde ihnen aber auch, und das ist wesentlich wichtiger, etwas bewusst gemacht: Sie könnten die nächste Generation des Journalismus sein.


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