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Jeff Koons arbeitet für H&M Der Künstler als Hure


Auch das noch: Jeff Koons, millionenschwerer US-Bildhauer, gestaltet den New Yorker Laden von H&M. Ein Tiefpunkt für Koons-Freunde und alle, die es mal waren.
Ein Kommentar von Anja Lösel

Oh je! Kann der denn nicht genug kriegen? Nun verkauft sich Jeff Koons, einer der höchstbezahlte Künstler der Welt, an einen schwedischen Billigmoden-Hersteller. Designt die Fassade des riesigen neuen Flagship Stores von H&M an der New Yorker Fifth Avenue. Und entwirft zu allem Übel auch noch eine alberne Lederhandtasche mit aufgedrucktem Ballonhund. Preis: 49,95 Dollar. Ein Schnäppchenpreis, immerhin, denn normalerweise zahlen Sammler Millionen für einen echten Jeff Koons.

Kaum zu glauben: Dieser Künstler war mal Avantgarde. Er konstruierte konsumkritische Kunstwerke aus amerikanischen Staubsaugern. Mit seiner Gefährtin Cicciolina führte er geniale und schockierende Performances auf. Und seine kitschig-schöne Skulptur von Michael Jackson und seinem Affen Bubbles in Weiß und Gold ist zugleich US-Pop und Kulturkritik. Ein Meisterwerk.

Später verdiente Koons Millionen mit gigantischen Herzen und Pudeln aus Stahl. Im letzten Jahr brachte sein "Ballon Dog (orange)" auf einer Auktion 58,4 Millionen Dollar. Das Ding sieht aus wie ein aus Luftballons zusammengeknoteter Hund, ist aber aus farbig lackiertem Stahl. Reiche Sammler aus den USA, China und Russland reißen sich um Koons' rote Riesenherzen, Blumen und Häschen. Kitsch oder Ironie? Beides, so dachte man immer.

Aber nun das. Warum nur verkauft dieser Künstler sich an H&M und lässt seine Ballonhunde auf einer LED-Wand hinter der Glasfassade des neuen Flagship Stores an der Fifth Avenue herumspringen? Hat er das nötig? Braucht er Geld für seine sieben Kinder? Oder gehört das alles zum raffinierten Gesamtkunstwerk Jeff Koons? Zum großen Spiel mit Kitsch und Kunst, Konsum und Kapitalismus. Der Künstler als Marke, stets wiedererkennbar wie die Shell-Muschel oder das M von McDonald's. "Ich fand die Möglichkeit äußerst inspirierend, eines meiner beliebtesten Werke einer neuen Generation von Menschen vorstellen zu können", sagt Jeff Koons zu all dem. Nun ja. Wahrscheinlicher ist, dass Jeff Koons einfach alles egal ist. Architekten sind Huren, sagte der große New Yorker Baumeister Philipp Johnson mal. Manche Künstler sind es offenbar auch. Am 17. Juli ist Eröffnung in New York. Ein Tiefpunkt für Koons Freunde und alle, die es mal waren.


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